Aachen: Nach Kinder-Ringkampf lassen Eltern die Fäuste fliegen

Aachen : Nach Kinder-Ringkampf lassen Eltern die Fäuste fliegen

Was als Ringkampfturnier für Kinder am Sonntagmorgen beginnt, endet mit einem Polizeieinsatz wegen Schlägerei mit fast 20 beteiligten Erwachsenen am Nachmittag. Nachdem zwei Kids sich nicht über den Ausgang ihres Kampfes einigen können, tauschen zuerst die Mütter und dann weitere Angehörige der jungen Ringer handfeste Argumente aus.

Als schließlich ein Streifenwagen um 13.25 Uhr an der Inda-Turnhalle in Kornelimünster eintrifft und die Beamten nach dem Rechten sehen wollen, ist die Prügelei bereits ausgetragen und etliche Beteiligte haben sich auf den Heimweg gemacht.

Bei dem Turnier, das der TKV Oberforstbach am vergangenen Wochenende ausrichtet — es handelt sich um offene Bezirksmeisterschaften, an denen auch Vereine aus den Niederlanden und Belgien teilnehmen — starten am Samstag die Männer sowie A- und B-Jugendliche. Am Sonntag ist eigentlich geplant, dass nur Kinder und Jugendliche der C-, D- und E-Jugend auf der Matte stehen. Eigentlich.

Denn als sich zwei junge Ringer im Grundschulalter nach ihrem Kampf uneins darüber sind, wer denn nun wirklich gewonnen hat, hält es laut Polizei eine Mutter, angereist mit einem Verein aus Utrecht, nicht mehr aus in ihrer Zuschauerrolle, und sie schubst den Kontrahenten ihres Kindes. Das wiederum ruft dessen Mutter auf den Plan, und wenige Augenblicke später tragen die Mütter ihren eigenen Kampf aus.

Dabei aber bleibt es nicht. Ihre Männer und weitere Erwachsene entern den Ring, um sich einzumischen und mitzumischen. Die Polizei beschreibt die Szene aufgrund von Zeugenaussagen so: „Eine Vielzahl von Müttern und Vätern“ sei plötzlich „dazwischengegangen, so dass zum Schluss circa 20 Personen in die Schlägerei verwickelt waren.“

Und Heinz-Josef Schmitz, der Jugendtrainer beim Ringer-Verein AC Mülheim ist und auch in der Halle war, hat noch mehr gesehen: Als der letzte Kampf beendet ist, soll ein Vater mit einer Eisenstange in das Gebäude gestürmt sein, geschrien und auf Tische und Stühle eingedroschen haben. Die Eisenstange kann die Polizei bisher nicht bestätigen, eine Sachbeschädigung hingegen schon.

Als Polizeibeamte am Ort der Prügelei eintreffen, können sie den Sachverhalt nur zum Teil aufnehmen. Etliche Beteiligte haben bereits die Heimreise angetreten. Auch die Mutter, die mit einem Schubs den Eklat mutmaßlich auslöste, ist nicht mehr zu finden. Zwei an der Auseinandersetzung beteiligte Personen haben Verletzungen davongetragen. Eine junge Frau muss vor Ort vom Rettungsdienst behandelt werden.

„Die Ermittlungen zu dem Vorfall laufen“, sagt Petra Wienen von der Polizeipressestelle. „Wir hoffen, dass sich weitere Zeugen bei uns melden, damit wir den Tathergang vollkommen aufklären können, und wir sind guter Dinge, dass das auch klappt.“ Markus Komuth, Vorsitzender des TKV Oberforstbach, wollte sich am Montag auf Nachfrage nicht zu dem Vorfall äußern.

Ein extremer Vorfall, ja. Allerdings stellt er nach Ansicht von Björn Jansen, dem Vorsitzende des Stadtsportbunds, eine Ausnahme dar. Eine Entwicklung hin zu häufigerem aggressiven Verhalten am Rande sportlicher Ereignisse in Aachen könne er nicht feststellen. „Ich sehe in dieser Hinsicht viel mehr ein gesamtgesellschaftliches Problem.“ Stelle ein Lehrer etwa fest, dass ein Kind ein Problem habe, sei das früher von Eltern eher akzeptiert worden. Heute stoße man viel häufiger auf Reaktionen, die das Problem beim Lehrer suchten.

Eventuell nötige Sanktionen gegen Ausrichter oder Teilnehmer auszusprechen, dafür seien die Fachsportverbände zuständig, im Fall des ausgeuferten Ringkampfs also der Ringerverband Nordrhein-Westfalen.

Dem Vernehmen nach will der Verband den Vorfall in einer Versammlung in den kommenden Tagen besprechen. Einen generellen Ausschluss der Kinder soll es nicht geben, ein Hallenverbot für die prügelnden Eltern sei aber durchaus vorstellbar.

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