Aachen: Nach hoffnungsvollem Start nun die Insolvenz

Aachen: Nach hoffnungsvollem Start nun die Insolvenz

Nicht mal zwei Jahre nach der Eröffnung ist das „Franz” am Marschiertor in finanzielle Engpässe geraten. Der persönlich haftende Gesellschafter (Komplementär) der Franz Gastronomiebetriebe KG, Thomas Jurisch, hat den Antrag selbst gestellt und mit anhaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten begründet.

Zum Verwalter wurde der Rechtsanwalt Frank Wiedemann bestellt, in dessen Büro man sich nun erst einmal einen Überblick über die finanzielle Situation des angeschlagenen Konzert- und Kleinkunstzentrums verschaffen muss. Ein Mitarbeiter Wiedemanns kündigte am Dienstag an, dass der Betrieb zunächst unvermindert weitergeführt wird. Zu den Gründen für den Insolvenzantrag könne er aber noch nichts sagen, dazu sei es noch zu früh. Vermutlich sei die Auslastung nicht kontinuierlich gewesen.

Das „Franz” an der Franzstraße 74 war im Oktober 2008 mit einer Jazzperformance im ehemaligen Haus des Deutschen Ostens eröffnet worden. Geschäftsführer Thomas Jurisch, seit mehr 30 Jahren in der Gastronomie- und Konzertszene Aachens eine feste Größe, hatte die etwas heruntergekommene Gaststätte aufwändig renoviert und hell, geräumig und einladend gestaltet.

Musiker wie Stefan Michalke oder Kabarettisten wie Wendelin Haverkamp gaben regelmäßige Gastspiele, auch die Aachen Bigband oder überregionale Bands nutzten den Saal, der bis zu 400 Besucher fasst, ebenso Künstler aus Comedy und Tanz. Geschäftsführer Jurisch: „Das Franz ist sehr positiv von Künstlern und Besuchern angenommen worden.” Auf der Homepage wirbt man mit dem Satz: „Hier präsentiert sich Kultur von ihrer schönsten Seite - nämlich mit Charme und Charakter.”

Der hat wohl im Alltag nicht ausgereicht, beispielsweise gestern Nachmittag. Für die Fußball-Weltmeisterschaft hat man eigens eine fünf Meter große Riesenleinwand angeschafft, doch der Zuspruch war eher dünn. Jurisch: „Die Leute sitzen in der Pontstraße oder im Kapuzinerkarree.” Dennoch legt er Wert darauf, dass alle Veranstaltungen, die schon bis 2011 gebucht sind, stattfinden sollen: „Der normale Geschäftsbetrieb läuft weiter.” Auch nach der Sommerpause, die man - wie im Vorjahr - wieder im August einlegen wird: „Im September geht es weiter.” Wie lange allerdings, wird irgendwann der vorläufige Insolvenzverwalter Wiedemann entscheiden. Jurisch: „Der guckt sich die Zahlen an und entscheidet irgendwann ja oder nein.”

Internationale Größen

Möglicherweise werde man die Gesellschaftsform ändern, etwa in Form eines Vereins. Jurisch hat unter anderem den „Jakobshof”, die „Molkerei” und die „Rotation” geführt und als Konzertveranstalter internationale Größen wie Dire Straits, Depeche Mode oder Tina Turner nach Aachen geholt.