Aachen: Nach Fuchs-Überfall stehen Aachener Pinguine vor Neuanfang

Aachen: Nach Fuchs-Überfall stehen Aachener Pinguine vor Neuanfang

Drei Monate nach dem Massaker durch einen Fuchs im Aachener Pinguin-Gehege mit 13 Opfern ist das Völkchen im Tierpark wieder komplett. Am Dienstag trafen Brillenpinguine aus dem Allwetterzoo Münster in Aachen ein und ergänzten die noch neun fehlenden Tiere.

Bei einem Staatsbesuch hätte das Interesse kaum größer sein können. Sogar Funk und Fernsehen hatten Aufstellung genommen, als 21 neue Bewohner Aachens am Dienstag im Tierpark ankamen. Nachdem der Fuchs im Dezember 13 Pinguine gerissen hatte, kam es zu einem komplizierten Ringtausch zwischen mehreren Zoos, in dessen Ergebnis die neuen Artgenossen aus Münster jetzt da sind, alles Jungtiere, die zwischen Juni und Dezember geschlüpft sind.

Der Chef persönlich hatte keine Mühen gescheut, die flugunfähigen Seevögel, auf vier Kisten verteilt, im Kleinbus zu chauffieren. „Das hat schon was”, sagte Wolfram Graf-Rudolf hinterher zu dem Transport. „Da muss man seine Klamotten entweder verbrennen oder es mit 90 Grad versuchen.”

Auf das, was da kommen sollte, war er genauso gespannt wie alle anderen. „Wenn man Pech hat, ist das so, wie wenn die Hooligans von Preußen Münster auf die von Alemannia treffen.” Schwungvoll nimmt der weiße Van um 13 Uhr die Kurve zum Pinguin-Gehege, und dann werden die vier Kisten ausgeladen.

Halb neugierig, halb verängstigt schauen die Tiere durch das Drahtgeflecht. Direkt neben dem großen Teich des Geheges werden die Kisten dann endlich aufgeschraubt. Fern davon, sozusagen auf dem Feldherrenhügel, stehen unbewegt die Alteingesessenen und zeigen eher wenig Interesse.

Die neue Freiheit

Jede Bewegung wird geknipst und gefilmt, aber durch die Objektive sieht man erst mal - nichts. Die Tiere aus der ersten Kiste wollen gar nicht raus, denn die neue große Freiheit ist ihnen wohl noch unheimlicher als ihr zeitweiliges Gefängnis. Vorsichtig schauen sie in die neue Umgebung und zu der Kolonie der Artgenossen auf dem Feldherrenhügel. In die ist inzwischen etwas mehr Bewegung gekommen.

Manche muss man bekanntlich zu ihrem Glück zwingen, und so tun es die Tierpfleger dann auch mit den Jungpinguinen, die sich übrigens auch farblich noch deutlich von den Alten unterscheiden. Die Kiste wird kurzerhand umgekippt, und sofort strebt der quirlige Inhalt zum Wasser hin.

So unbeholfen diese Tiere an Land watscheln mögen, so elegant sind sie in ihrem wahren Element. Pfeilschnell wie Forellen schießen sie durchs Wasser und kosten voll die neue Freiheit aus, denn in ihrer Aufzuchtstation hatten sie nur ein kleines Becken. „Willkommen in Aachen”, ruft Graf-Rudolf ihnen zu.

Sofort kommt die nächste Ladung hinterher, auch die zieht es direkt ins Wasser. Alle sammeln sich zu einer Gruppe und paddeln dicht nebeneinander herum. Die dritte Kiste müssen sie geradezu ins Wasser kippen, damit die Neuen herauskommen. Bei der letzten schaffen die Tiere es sogar, sich trotzdem noch davonzustehlen und in die hinterste Ecke zu verkriechen. Aber nach wenigen Minuten sind auch sie in ihrem Element. Dicht an dicht ziehen sie spritzend und aufgeregt flügelschlagend ihre Kreise. Auf dem Feldherrenhügel ist erhöhtes Interesse an dem seltsamen Treiben im Pool festzustellen.

Der Chef ist bis hierhin sehr zufrieden: „Aber es wäre gut, wenn jetzt einer mal an Land gehen würde, dann käme der Rest von selbst nach.” Warum? Damit die Tiere den Ausgang finden, denn nur an einer Seite ist das Becken flach genug für ihre wenig ausgebildeten Kletterkünste. Die ersten versuchen es an der falschen Stelle und rutschen wieder zurück.

Die Pinguine bilden nach wie vor einen einzigen quirligen Knubbel. Die Zusammengehörigkeit ist enorm. „Das ist jetzt wichtig, das ist Medizin, wie sie sich den Stress abschwimmen.” Auch der Pfleger stellt fest: Die baden jetzt, die fühlen sich schon wohl. Kritisch könne es höchstens noch werden, wenn sich ein Jungtier in eine Höhle verirrt, die einem Platzhirsch (oder Platzpinguin?) gehört.

Graf-Rudolf hat jetzt ein paar Fische, mit denen er den Knubbel in die richtige Richtung locken will. Die Alten schauen schon sehr interessiert. Um 13.46 Uhr kommen alle zusammen runter, aber die Alten bleiben dann doch auf halber Strecke zurück. Ihnen ist es da oben sicherer. Dieses Hin und Her dauert noch eine ganze Weile, wobei die beiden Gruppen immer hübsch beisammen bleiben. Nur einer der Münsteraner zieht unverdrossen seine Kreise im Pool. Ihm ist das Geschehen da oben egal.

Wer wissen will, wie die Geschichte weitergeht, kann sich täglich selbst im Aachener Tierpark von der Entwicklung überzeugen. Gegen den Fuchs hat man inzwischen einen Elektrozaun installiert. Das muss sowieso ein komischer Fuchs sein, denn, so Experte Graf-Rudolf: „Pinguine schmecken nicht wirklich.”

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