Aachen: Nach dem Überfall hat das Paar nur noch Angst

Aachen: Nach dem Überfall hat das Paar nur noch Angst

Stavros und Despina Siditopoulos haben Angst! Angst, zu nächtlichen Stunden, wenn endlich nach einem harten 15-Stunden-Tag Feierabend ist, den Weg nach Hause anzutreten. Die Inhaber des Zacharias-Grill an der Bismarckstraße sind auf dem kurzen Heimweg Anfang August überfallen worden und haben sich immer noch nicht vom Schrecken erholt.

Es war der erste Sonntag im August. „Endlich Feierabend“, dachte Stavros Siditopoulos, als er den Schlüssel zur Tür zum Imbiss gegen 1 Uhr nachts drehte. Denn am folgenden Montag wollte er in seine griechische Heimat nach Saloniki fliegen, um sich dort die nächsten drei Wochen um seine kranke 85-jährige Mutter zu kümmern und auch ein wenig vom Stress seiner aufreibenden Arbeit erholen zu können.

„Ich hatte die Geldtasche in der Hand, schließlich kann ich den Tagesumsatz nicht drei Wochen lang im Imbiss liegen lassen“, sagt der im Frankenberger Viertel sehr beliebte Imbissbuden-Betreiber. Er war mit Ehefrau Despina schon fast zu Hause, als zwei maskierte Typen auf das Paar zukamen und den beiden Pfefferspray ins Gesicht sprühten. „Die hatten es auf unser Geld abgesehen“, schildert der 60-Jährige. Der Pfeffersprayattacke folgte eine zweite, Siditopoulos wurde zu Boden gerissen, getreten und geschlagen. Seine Ehefrau Despina schleuderten die Bösewichte an eine Häuserwand, sie war wie gelähmt vor Schreck.

Aber Siditopoulos hielt verzweifelt die Geldtasche mit der Tageseinnahme fest, seine Frau schrie unterdessen laut und deutlich um Hilfe. Das hörte Stephanie Kessel, die Inhaberin des „Insulaner“. Die Wirtin lief sofort laut rufend auf die Gangster zu, auch Polizei und Krankenwagen waren schon informiert. „Die Polizei war schnell da“, lobt der Überfallene. Weswegen sich auch die Bösewichte aus dem Staub machten. Ohne die Beute, denn die hatte Siditopoulos erfolgreich verteidigt. Die Rettungswagenbesatzung versorgte die Blessuren der Opfer noch vor Ort. „Ins Krankenhaus wollten wir nicht.“

Erst am nächsten Tag machte sich das Ehepaar auf zum Hausarzt, der konnte nur noch den Kopf schütteln. Mit einem Tag Verspätung ging es dann ab nach Griechenland, ein Freund fuhr sie im Pkw nach Saloniki.

„Unsere Angst ist so groß, dass wir für die 50 Meter Luftlinie nach Hause jetzt jeden Abend ein Taxi bestellen, schließlich können wir nicht darauf hoffen, dass die Steffi jedes Mal zur Stelle ist, wenn noch einmal Gangster auftauchen“, erklärt der unerschrockene aber geschädigte Imbissstubenbesitzer. „Das war schlimm, so schlimm, dass meine Frau seit dem Überfall permanent unter Einschlafstörungen zu leiden hat.“

Eigentlich wollte Siditopoulos, der als 17-Jähriger im Jahr 1970 nach Aachen kam und bei der Fleischwarenfabrik Flachs in Broichweiden eine erste Stelle für zwei Mark die Stunde hatte, seinen Imbiss an seine Schwester und seinen Neffen übergeben. Denn: „Ich kann einfach nicht mehr“, zeigt er einen Schwerbehindertenausweis, der ihm 60 Prozent Schwerbehinderung bescheinigt. Deshalb hatte er jetzt einen neuen Anlauf bei der Rentenversicherung unternommen, um eine Rente wegen Erwerbsminderung zu bekommen. Aber trotz attestierter Diabetes, Herzerkrankung, Bandscheibenproblemen und Bluthochdruck lehnt die Versicherung ab.

„Sie können noch sechs Stunden am Tag arbeiten“, bescheidet ihm der Rentenversicherer schriftlich. Dabei sei es egal, in welchem Beruf er arbeite, heißt es lapidar. „Das ist das vierte Mal, dass ich eine Rente beantrage, mein Arzt meint auch, dass ich nicht mehr arbeiten kann“, versteht Siditopoulos die Welt wegen der Ablehnung nicht mehr. „Jetzt nehme ich mir einen Anwalt“, betont er.

Jeder Tag wie ein Berg

Denn jeder Tag sei für ihn wie ein Berg, der bewältigt werden müsse. Und auch seine Frau sei arg in Mitgliedschaft gezogen. „Seit dem Überfall geht es ihr noch schlechter, sie hat innerhalb eines Monats acht Kilo abgenommen“, sagt Siditopoulos.