Aachen: Nach 35 Jahren: Tausendsassa Wilfried Schumacher geht in den Ruhestand

Aachen : Nach 35 Jahren: Tausendsassa Wilfried Schumacher geht in den Ruhestand

Was einst mit einem Ferienjob begann, hat er zu seinem Traumberuf gemacht. Nach 35 Jahren als Hausmeister an der Mies-van-der-Rohe-Schule geht Wilfried Schumacher nun in den Ruhestand. In dieser Zeit hat er den Bau der Schule an der Neuköllner Straße miterlebt und unversehens seine Freude am Theater entdeckt, die sein Wirken über all die Jahre hin begleiten sollte.

Der Beginn seines beruflichen Werdegangs war mitunter holprig. Ohne Schulabschluss begann der heute 63-Jährige eine Ausbildung zum Fotografen. Er interessierte sich für die künstlerischen Möglichkeiten der Kamera, wurde aber allzu schnell vom Alltag eingeholt.

Werbeaufträge mit strengen Vorgaben erstickten bald die Freude an seinem Beruf und Schumacher sah sich nach Alternativen um — wobei er auf besagten Ferienjob an einer Schule stieß. „Ich habe schnell gemerkt, dass das gar nicht so übel ist. Man hat viel mit Akademikern und Handwerkern zu tun, aber auch mit Schülern, die einmal einen schlechten Tag haben“, erzählt er.

Sinn für Bühnenbilder

Ab und an haben Hausmeister jedoch auch Bereitschaftsdienst: Sie müssen in der Schule und jederzeit einsatzbereit sein. Nicht der angenehmste Teil seiner beruflichen Pflichten, wie Schumacher sagt — aber er weiß sich zu helfen. Als 1999 die schuleigene Theatergruppe „Rohestheater“ ihr Stück „Prima Primaten“ einstudiert, stößt auch er dazu und bringt sein handwerkliches Geschick und seinen Sinn für Bühnenbilder ins Spiel. Ein großer Gewinn, wie sich herausstellen sollte. Nach dem Motto des Namensgebers der Schule, „less is more“ lieferte er von nun an verlässlich neue Ideen für die Bühnengestaltung.

„Er kann sowohl mit der Kreissäge als auch mit dem Videoschnittprogramm umgehen“, sagt der Regisseur der Theatergruppe, Eckhard Debour über den Tausendsassa. Denn auch seine Leidenschaft für Film und Fotografie hatte sich Schumacher bewahrt und konnte sie nun wieder ausleben. Das Ergebnis sind zahlreiche Video-Installationen für die aufgeführten Stücke und eine schier endlose Fotogalerie der Aufführungen, welche nun die Gänge der Schule ziert. Natürlich stammt auch die Gestaltung der Bühne für das aktuelle Stück „Prima Klima“ aus der Feder von Schumacher. Er selbst bleibt dabei aber meist im Hintergrund. „Ich stehe lieber in der zweiten Reihe und arbeite gerne alleine“, wie er sagt.

Was er nun im Ruhestand machen will, weiß Schumacher noch nicht genau. „Erst einmal mache ich Urlaub und dann widme ich mich sicher auch wieder der Fotografie.“

An der Schule wird man sich nun nach einem würdigen Nachfolger umsehen müssen, denn eines ist gewiss: Wilfried Schumacher wird eine große Lücke hinterlassen.

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