Aachen: Mutter lässt Missbrauch an eigener Tochter zu

Aachen : Mutter lässt Missbrauch an eigener Tochter zu

Erst gegen Ende des zweiten Verhandlungstages vor der 5. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht wurde gestern urplötzlich das ganze Grauen offenbar, das sich in diesem Fall von mehr als 150-fachem sexuellem Missbrauch eines minderjährigen Mädchens in Aachen abgespielt hatte.

Wegen des Vorwurfs des schweren sexuellen Missbrauchs angeklagt sind die Mutter des heute 17-jährigen Opfers und ihr damaliger Lebensgefährte, der Tatzeitraum liegt in den Jahren 2008 bis 2013. Bereits ab einem Alter von sieben Jahren soll sich der Kunstschmied Dieter H. (57) an der Tochter der Lebensgefährtin Michaela O. (45) vergangen haben. Ab einem heute nicht mehr exakt feststellbaren Zeitpunkt machte die Mutter einfach mit, wie sie gestern gestand.

„Das ging schleichend“

Auf die Frage der Vorsitzenden Richterin Regina Böhme, wie das denn alles angefangen habe und wie sie das alles habe geschehen lassen, antwortete Michaela O. nur zögerlich. Zunächst sei sie nicht dabei gewesen, das Paar lebte in getrennten Wohnungen im Ostviertel Aachens, sie waren nicht weit von-einander entfernt. Etwa „zur Hälfte“ der Tatzeit, ordnete die Angeklagte das Geschehen gestern zeitlich ein, habe sie bemerkt, dass Dieter H. ihre Tochter missbrauchte.

„Das ist für uns schwierig, das überhaupt nachzuvollziehen“, versuchte die Vorsitzende Richterin der insgesamt geständigen Angeklagten Erklärungen zu entlocken. Nach einiger Zeit gestand Michaela O.: „Am Anfang wusste ich nichts, das ging schleichend. Dann aber habe ich gemerkt, dass mich das sexuell erregte“, sagte sie leise.

Zuvor hatte Dieter H. über seinen Anwalt Thomas Pohlhammer die Tatvorwürfe vollumfänglich gestanden. Ja, er habe Verkehr mit dem Mädchen gehabt — auf verschiedene Weise, bestätigte er die von der Staatsanwaltschaft erhobenen Tatvorwürfe.

Was im aktuellen Verfahren gegen Dieter H. und Michaela O. weniger im Vordergrund steht, ist die unglaubliche Geschichte, dass H. das Mädchen im Netz auf einschlägigen Seiten zum käuflichen Missbrauch angeboten hatte. Das Paar wurde deswegen bereits in einem ersten Verfahren zu Freiheitsstrafen verurteilt.

Zum ersten Mal reiste ein pädophiler Kunde 2010 aus Basel nach Aachen. Für den Missbrauch des Kindes unter den Augen der Angeklagten zahlte der Schweizer vereinbarungsgemäß 400 Euro. H. hatte den zwischenzeitlich verstorbenen „Kunden“ in pornografischen Tauschbörsen kennengelernt, hier schanzte man sich gegenseitig pädophiles Bildmaterial zu.

Auch diese Sache ließ die Mutter ohne Weiteres zu. Aus gestern verlesenen Chat-Verkehren zwischen Interessenten und Dieter H. ergab sich, dass Michaela O. das Ganze nicht nur er- oder geduldet hatte. „Uns scheint das so, dass ihr Lebensgefährte zu gewissen Sachen ihre Zustimmung eingeholt hat“, hielt die Vorsitzende der Angeklagten vor, die sodann leise gestand: „Ja, das war wohl so.“

Am Freitag, 24. August, sollen die Plädoyers gehalten werden.

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