Aachen: Musikalische Reise um die Welt mit Manfred Leuchter

Aachen: Musikalische Reise um die Welt mit Manfred Leuchter

450 Menschen schauen wie gebannt auf die Bühne der Aula von der Heinrich-Heine-Gesamtschule. Sie wippen mit den Füßen im Takt, bewegen rhythmisch ihre Köpfe zu den Melodien von zwei Musikern, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Einer von ihnen trägt ein rotes Hemd, eine schwarze Stoffhose und elegante Schuhe. Der gebürtige Würselener ist 53 Jahre alt, hat eine Glatze und spielt Akkordeon — von Kindesbeinen an, „weil mein Bruder eins hatte und ich nie spielen durfte, also habe ich dann angefangen zu spielen.“

Manfred Leuchter ist schon überall gewesen auf der Welt, „Wenn mich jemand dahin schicken will, wo der Pfeffer wächst — da war ich schon, da ist es schön“, erzählt Leuchter zwischen zwei Musikstücken und bringt das Publikum zum Lachen. „Und wenn ich in die Walachei gehen soll — auch da war ich schon mal“ — erneut ein Lachen im Publikum.

Trommeln aus Asien

Neben Leuchter sitzt ein iranischer Trommelmeister. Schwarzes Hemd, Jeans, Sportschuhe. Er ist groß und schlank, hat volles dunkles Haar. Vor ihm stehen seine Instrumente: Darbuka, Bendir und Kanjira. Trommeln aus Asien, mit denen er orientalische Musik macht. Afra Mussawisade ist mit elf Jahren nach Deutschland gekommen, hat später Musik in den Niederlanden studiert. Der Mann, der schon mit Xavier Naidoo musiziert hat, redet nicht auf der Bühne. Seine Kommunikation mit Leuchter besteht aus Augenkontakt und aus den Klängen der Instrumente.

Der 39-jährige kennt Leuchter seit rund zehn Jahren, immer wieder mal treten sie miteinander auf. Was sie verbindet, scheint die Liebe zur Musik zu sein. Sie sitzen auf der Bühne, nebeneinander, schließen die Augen, wenn sie spielen, lassen sich von der Musik, dem Rhythmus leiten, den sie selbst erzeugen.

Sie scheinen jeden einzelnen Ton nicht bloß zu spielen, sondern auch zu fühlen — und das müssen sie sogar, denn sie spielen das ganze Konzert über ohne Noten. „Reine Übung“, erklärt Leuchter — die Perfektion, mit denen die beiden Musiker ihre Finger über die Instrumente gleiten lassen raubt dem Publikum den Atem.

Sie spielen Stücke aus dem aktuellen Programm Leuchters „Von Bach bis Bagdad“. Leuchter war schon in Palästina, Israel und Syrien. „Wenn ich da unten rumreise, denke ich immer: ihr seid euch doch viel gleicher als ihr denkt“ — ein politisches Statement, was sich in seiner Musik widerspiegelt.

Die Musiker erzeugen mal seichte Töne, mal energische, mal hoch und mal ganz tief und dunkel — doch jeder Ton offenbart die Leidenschaft, mit der sie musizieren. „Das Glücksgefühl, auf der Bühne zu stehen, ist gigantisch“, schwärmt Leuchter, „Es gibt keine Restriktionen, es ist ein Privileg, vor kleinerem Publikum aufzutreten, als vor der Masse“.

Die beiden sind zusammen auf einem Jazz-Festival in Litauen aufgetreten, vor großem Publikum. Sie spielten auf Großereignissen und im Fernsehen, in kleinen Sälen und auf Festen. Sie sind um die ganze Welt gereist und Leuchter hat sich von den Orten inspirieren lassen, Stücke zu komponieren.

Was er sah und erblickte, verarbeitet er in seiner Musik, in einer Melodie, die seine Gefühle zum Ausdruck bringen. Mit seinen Anekdoten über Tansania und Rumänien, Indien und Jordanien, nimmt er sein Publikum mit auf eine Reise um die Welt. Leuchter lässt das Publikum mitfühlen, er lässt es nah an sich dran, er öffnet sich mit Worten und Melodien. ‚Un poco loco’ heißt eins ihrer Stücke, ‚ein bisschen verrückt’, „Das richtet sich nicht an Sie, sondern an uns beide“, verspricht er dem Publikum. Es schmunzelt.

Doch tatsächlich: Ein bisschen verrückt sind sie schon, die kosmopolitischen Musiker. Beim letzten Stück dreht Leuchter sein Akkordeon um; er lauscht den rhythmischen Trommelklängen Mussawisades und gebraucht sein Instrument ebenfalls zum Trommeln. Dann legt er es weg und klatscht im Takt, zu dem Beat der harmonischen Klänge von den orientalischen Instrumenten. Das Publikum ist hingerissen.

Relevanz von Kunst und Kultur

Die Veranstalter ebenso: Das Kulturnetzwerk „Heinrich-Maria-Gustav“ hatte im Rahmen des Programms ‚Kulturagenten für kreative Schulen’, das im September 2011 ins Leben gerufen wurde, zu dem Konzert eingeladen. Neben laufenden Projekten an den beteiligten Schulen, gibt es jedes halbe Jahr eine Netzwerkveranstaltung, die auf das Programm aufmerksam machen und die Relevanz von Kunst und Kultur unterstreichen soll. Die nächste Netzwerkveranstaltung findet Mitte des Jahres in der Maria-Montessori-Gesamtschule statt.