Aachen: Musical: Clara Fey und das erbärmliche Leben der armen Kinder

Aachen : Musical: Clara Fey und das erbärmliche Leben der armen Kinder

Clara Fey konnte es nicht mehr ertragen: das Elend der zahlreichen Kinder in den Straßen Aachens, die in den großen Tuchfabriken unter erbärmlichen Bedingungen arbeiten mussten, um ihre Familien zu ernähren. Sie, die selbst aus gutem Haus stammte, eine Schulbildung genossen hatte, wollte nicht mehr zusehen — und handelte.

Clara Fey wurde am 5. Mai seliggesprochen. Dies nahm die Domsingschule zum Anlass, gleich ein ganzes Musical zu dieser beeindruckenden Frau zu schreiben: „Claras Traum“.

Schon im Rahmen der Seligsprechung war das Stück aufgeführt worden, am Freitag gab es eine weitere Aufführung in den Räumlichkeiten der Domsingschule. 80 Kinder in zwei Besetzungen machten mit — inklusive großer Sprechrollen und beeindruckender Soli. Handlung und Text stammen von Irma und Martin Wüller, die Musik schrieb Angelo Scholly.

Das Stück beginnt zu einer Zeit, in der es in Aachen turbulent zuging. Zunächst protestierten Arbeiter vor der Tuchfabrik Nellessen (dem heutigen Mörgenstheater). Dieser Protest mündete später in einen handfesten Arbeiteraufstand. Durch ihre Lehrerin Luise Hensel (Greta Karbach) kommt Clara Fey (Eleni Frantzen) in Kontakt mit den armen Familien in Aachen. Mit eingängigen Liedern sangen sich die Kinder der Domsingschule schnell in die Herzen der Zuhörer.

Schon das erste Lied „Das habt ihr mir getan“ hatte richtigen Ohrwurmcharakter. Als Erzählerin fungierte Schwester Magda Veronika, selbst Lehrerin an der Domsingschule, die zwei ihrer Schüler (Matteo Malzahn und Sophie Unland) vom Leben Clara Feys erzählt. Dabei ging es in die Tuchfabrik (Szenenapplaus gab es für Jona Stuhlsatz, der mit einem Stock bewaffnet die Arbeiter zur Ordnung rief) und zur armen Arbeiterfamilie Dürnholz.

Dann kommt es zum Wendepunkt in Claras Leben. Im Traum erscheint ihr Jesus in Gestalt eines kleinen Kindes, und Clara erkennt, dass sie ihr Leben nicht nur in den Dienst der Kinder, sondern auch in den Dienst der Kirche stellen wird. Die Ballade „Claras Traum“ gehört mit Sicherheit zu den schönsten Stücken des Musicals. Nach der Gründung des „Schülchens“, der ersten Schule für die Kinder der besonders armen Familien, entscheiden sich Clara und ihre Freundinnen für die Gründung eines Ordens, den es bis heute gibt: die Schwestern vom armen Kinde Jesu.

Nach und nach nehmen die Schwestern immer mehr Waisen auf, geben immer mehr Kindern ein Zuhause und dehnen ihre Arbeit weit über die Grenzen des damaligen Deutschlands hinaus.

Nach einem erzwungenen Umzug in die Niederlande kehrt Clara Fey nie wieder nach Aachen zurück. Doch ihre Arbeit wird bis heute fortgeführt. Claras Traum von einer Welt, in der auch die ärmsten Kinder zur Schule gehen können, ist wahr geworden.

Und wenn die Kinder im Lied „Man müsste was tun!“ gleich auch singen: „man müsste was machen, gerade als Christ“, fühlte sich vielleicht mancher im Publikum daran erinnert, dass es auch heute noch Menschen gibt, um die man sich im Sinne des christlichen Gedankens kümmern sollte.

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