Aachen: Museumschef Peter van den Brink: Rückhalt derzeit nur von CDU

Aachen: Museumschef Peter van den Brink: Rückhalt derzeit nur von CDU

Im Kulturausschuss hat Museumschef Peter van den Brink am Dienstag seinen Fünfjahresplan für das Suermondt-Ludwig-Museum vorgelegt, doch ob er den noch umsetzen wird, steht in den Sternen. Denn die Vertragsverlängerung, die in der selben Sitzung nichtöffentlich ebenfalls beraten werden sollte, ist zunächst zurückgestellt worden.

Abgesehen von der CDU hat van den Brink in allen Fraktionen derzeit deutlich mehr Gegner als Fürsprecher. Insbesondere in der SPD, bei den Grünen und den Linken überwiegen klar die Vorbehalte gegen den seit Jahren schwer umstrittenen Museumschef. Der 57-jährige Niederländer gilt zwar als ausgewiesener Kunstkenner, dem auch zugute gehalten wird, mehrere bedeutende Ausstellungen nach Aachen geholt zu haben, doch im zwischenmenschlichen Umgang sieht man deutliche Defizite.

Seit März 2005 leitet van den Brink die Aachener Museen, zwei Mal wurde sein Vertrag trotz erheblicher Bedenken verlängert, zuletzt nur noch für eine verkürzte Zeitspanne bis Dezember 2014. Er sollte noch das Ausstellungsprogramm zum Karlsjahr mitorganisieren, danach sollten sich die Wege trennen.

Vor allem SPD, Grüne und Linke trauen ihm die so dringend gewünschte Neukonzeption der Aachener Museumslandschaft nicht zu, wie deren Kulturpolitiker deutlich machen. „Das war eine ganz klare Botschaft damals“, sagt SPD-Kulturpolitikerin Sibylle Reuß. Nicht anders äußern sich Hermann Josef Pilgram (Grüne) und Ellen Begolli (Linke), die sich lieber früher als später von van den Brink trennen würden.

Überraschender Vorstoß

Um so überraschter waren die Kulturpolitiker, dass Oberbürgermeister Marcel Philipp gemeinsam mit der Ausschussvorsitzenden Margrethe Schmeer (beide CDU) nun dessen Vertragsverlängerung auf die Tagesordnung gesetzt hatten. Man könne doch nicht so kurz vor der Kommunalwahl eine so weitreichende Personalentscheidung treffen, findet Reuß. Niemand könne schließlich wissen, welche Mehrheiten es demnächst im Rat gibt und wie es dann mit den unter mangelndem Besucherinteresse leidenden Museen weitergehen soll.

Sie weist daher auch Gerüchte zurück, dass sich CDU und SPD im Vorfeld auf eine Vertragsverlängerung für van den Brink verständigt hätten: „Wer das in die Welt gesetzt hat, muss Wahrnehmungsstörungen haben.“

Da eine Vertragsverlängerung für van den Brink über das Jahr 2014 hinaus somit vorerst keine Mehrheit finden würde, hat Schmeer am Dienstag die Notbremse gezogen und den Punkt vertagt. „Klug“ fand das zumindest auch FDP-Kulturpolitikerin Ruth Crumbach-Trommler. „Solche eine Personalie gehört nicht in den Wahlkampf“, sagt sie, will sich ansonsten aber nicht weiter über van den Brink äußern. Klar ist aber, dass er auch in der FDP viele Kritiker hat.

Es sind nicht nur die Kulturpolitiker, die sich in den zurückliegenden Jahren oft genug von dem Museumschef brüskiert fühlen mussten: Termine ließ er des öfteren unbeachtet, Berichte lieferte er verspätet ab oder — wie am Dienstag — nur mündlich statt schriftlich. Vielfach wurde ihm vorgeworfen, die hauseigene Sammlung zu vernachlässigen und kein Gespür für die Belange seiner Mitarbeiter zu haben. Ärger hatte sich van den Brink häufiger auch mit dem Rechnungsprüfungsausschuss eingehandelt: Mal ging es um überhöhte Handykosten, mal um seine Hotelaufenthalte.

Eine großartige Änderung seines Verhaltens erwartet offenbar niemand. „Es hätte daher auch etwas mit einer fairen Personalführung zu tun, ihm jetzt schon zu sagen, dass wir nicht verlängern wollen“, meint Ellen Begolli. So sehen es auch die Grünen und die SPD.

Stattdessen will man nun aber offenbar noch den Verlauf des Karlsjahrs abwarten und sich den am Dienstag vorgestellten Fünfjahresplan durch den Kopf gehen lassen. Angeblich soll van den Brink nunmehr erst im September mitgeteilt werden, ob man sich eine weitere Zusammenarbeit doch noch vorstellen kann.

Für den Betroffenen selbst kam die gestrige Entwicklung offenbar völlig überraschend. Das Hickhack um seine Verlängerung wollte er, erkennbar vergrätzt, zunächst nicht kommentieren. „Ich habe bislang noch keine Informationen darüber bekommen“, sagte er auf Anfrage.

Im Kulturausschuss räumte er jedoch auch Fehler ein. Er sei vielleicht zu sehr als Kurator unterwegs gewesen und hätte zu wenig als Museumsdirektor gewirkt. Seine Reisen hätten jedoch auch international das Renommee des Suermondt-Ludwig-Museums gesteigert. Künftig wolle er zudem stärker auf seine Mitarbeiter eingehen, kündigte er an.

Derweil wird schon darüber spekuliert, ob van den Brink nicht sogar ohne politische Unterstützung in Aachen bleiben könnte. Es sei durchaus denkbar, dass er sich bereits auf eine unbefristete Stelle einklagen könne, hieß es. Eine rechtliche Beurteilung der Situation sei in Arbeit.

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