Aachen: Münchener Konzeptkunst in der Galerie 18.30

Aachen : Münchener Konzeptkunst in der Galerie 18.30

Edelstahlbecher, die sich von selbst leeren und Seidenblumen, die sich als hauchzarte Bronzen entpuppen, sind typische Arbeiten für den Münchener Konzeptkünstler Tom Schmelzer, der seine zweite Einzelausstellung in der Galerie Freitag 18.30 bestreitet.

„The beauty of imperfection“ nennt sich die Schau, die ihrem Titel nicht gerecht zu werden scheint. Deutlich steht gleich eingangs eine Ansage auf einem Spiegel, dass man nicht hineinschauen soll. Cool präsentiert ein teurer Koffer kleine Metallskulpturen, die sich als zusammengeklebte Bleistiftspitzer erweisen, und noch spannender ist die Geschichte, die hinter dem sich selbst leerenden Becher steht.

Um die Tugend der Mäßigung soll es schon dem griechischen Philosophen Pythagoras gegangen sein, den Schmelzer mit seinem Edelstahlbecher voller unsichtbarer Technik ehrt. Eine Schriftenlinie im Becher zeigt die Füllhöhe an, wer sie überschreitet, ist maßlos und verursacht eine Überschwemmung auf dem Edelstahlteller unter dem Becher. Überlegungsreich versucht der Betrachter, der Raffinesse auf den Grund zu kommen und löst das Rätsel des silbernen Bechers, nachdem er Schrift und Logo des philosophierenden Konzeptkünstlers analysiert und mit seinem Wissen über trick- und listenreiche Doppelbödig- und wandigkeit kombiniert hat.

Mehr Sein als Schein gilt als Motto für die Blumenbronzen, die in Zinnvasen stehen und auf den ersten Blick kitschig wirken. Hier beschäftigt sich Schmelzer mit den alten Vanitas- und Vergänglichkeitsthemen, indem er die Zeit anhält. Orchideen blühen ewig, wenn sie nicht echt sind. Immer frisch ist eine täuschend echt bemalte, anfänglich geschälte Bronze-Zitrone, wie die knackigen Scampis gleich daneben. Auch sie sind unvergänglich — aus bemalter Bronze.

Während der Betrachter sich bemüht, auch mit Humor den Dingen auf den Grund zu gehen, setzen ihm Schmelzers Arbeiten zu. Warum klebt er silbrige Spitzer zusammen? Warum soll der Betrachter nicht in den Spiegel schauen? Was geschieht, wenn er sich der Aufforderung widersetzt? Geht es um Spielformen zivilen Ungehorsams, die getestet werden sollen oder etwas anderes?

Noch mehr Fragen tun sich auf, wenn der Betrachter in den hinteren Raum hineingeht. Stockfinster ist es dort, bis sich rotes Licht in einer kleinen, facettenreich geschliffenen Kristallfigur bricht und in der Schwärze bewegt. Was hier geschieht, soll unerklärbar sein. Wirklich? Tom Schmelzer ist ein Meister der Konzeptkunst, der mit seinen Arbeiten unterhält, fasziniert und verblüfft. Das große Staunen kommt garantiert.

Mehr Informationen finden sie unter www.freitag1830.de.

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