Aachen: Mozart, der Bosporus und ganz viel Jazz

Aachen: Mozart, der Bosporus und ganz viel Jazz

Dort, wo heute leicht bekleidete Jünglinge aus Gips die schweren Türdurchgänge stützen, filigran verzierte Stuckdecken im warmen Licht der prunkvollen Kronleuchter erstrahlen, dort geben sich seit dem 18. Jahrhundert Künstler die Klinke in die Hand.

Das alte Kurhaus, ein Ort, wo Freigeister und Virtuosen nicht erst mit der „Neuen Galerie - Sammlung Ludwig” in den 70er Jahren internationale Maßstäbe setzten.

Freunde der zeitgenössischen Kunst und Musik dürfen sich auch im Jahr 2012 auf Jazz- und Weltmusik der Extraklasse freuen, sich von literarischen Vorträgen und Theatergrößen verzaubern lassen. Der Kulturbetrieb der Stadt Aachen hat wieder einen variantenreichen Spielplan für die kommenden Monate aufgestellt.

30 Jahre Spieltradition

Mit einer Prise Stegreifspiel und einer gehörigen Portion Jazz lädt das Aachener Label Luxaries Records zum Neujahrskonzert am Sonntag und Montag, 1. und 2. Januar, in die Klangbrücke: Kompositionen von Heribert Leuchter, Ludger Singer und Jürgen Sturm treffen da auf die Werkstattband des Labels, das Artn Schutz Orchester. Wie das Zusammenspiel so reibungslos funktioniert? Vielleicht liegt es an 30 Jahren Spieltradition, vielmehr bestimmt an der erfrischend normwidrigen Einzigartigkeit der Künstler, die sich selbst als „ein Pool jazzparasitärer Improvisatoren und Komponisten” bezeichnen. „Seit sieben Jahren pilgern die Besucher zu unserem Neujahrskonzert und füllen die Reihen - zu meiner eigenen Verblüffung”, grinst Gitarrist Jürgen Sturm.

Es gibt noch mehr zu sehen, hören, im ersten Kulturhalbjahr. Da geht die Combo der Klänge aus dem östlichen Mittelmeerraum, En Chordais, auf eine musikalische Reise durch Griechenland. Kombiniert werden weltliche byzantinische Musik mit regionalen Klängen, zu sehen am Samstag, 7. April.

Den Bosporus sollte man nicht aus den Augen verlieren, wenn nicht nur Wort und Musik, sondern auch Mozart und Wien auf den Mythos Orient treffen. Hannelore Elsner und Sebastian Knauer schlagen am Freitag, 11. Mai, im Ballsaal den musikalischen Bilderbogen, spielen, sprechen über Türkenmode und Janitscharenkult. Denn Türkisch war Kult im Wien der Mozart-Zeit. Ob Literatur, Oper oder Maskenball bei Hof - überall blühte die „Turquerie”. Zitiert werden Texte von Rousseau, Lessing, Goethe, auch die „Briefe aus dem Orient” der englischen Diplomatengattin Lady Mary Montagu aus Konstantinopel. Elsner und Knauer prägen 200 Jahre später den aufklärerischen und humanitären Geist jener Epoche, indem sie ihr positives Orientbild fortsetzen.

Quer über den atlantischen Ozean muss man jetzt den Blick schweifen lassen, will man bei dem Duo Yma America und Aquiles Báez ankommen. Am Samstag, 14. Januar, beglückt die in Venezuela geborene Sängerin und Cellistin ihre Zuschauer mit lateinamerikanischen Liedern, während ihr Partner Báez ihren Gesang mit raffinierten Gitarrenharmonien untermalt. Yma America ist eine der begehrtesten weiblichen Latin-Stimmen Europas.

Teil der geheimnisvollen Welten bei den mehr als 30 Veranstaltern wird sicher die Reise ins orthodoxe Weihnachten am Samstag, 7. Januar. Die russische Regisseurin Tatjana Jurakowa fügt ein kindgerechtes Figurentheater „Jemelja und der Zauberfisch”, das Stück „Däumelinchen” aus dem Aachener Jurakowa-Projekt sowie herzenserwärmende Interpretationen der Klavierstücke und Opernarien von Puccini, Tschaikowsky und Rachmaninow (Sopran: Irina Popova, Klavier: Galina Ryzhikova) zu einem winterlich-russischem Mosaik zusammen.

Kabarettistisch hingegen geht es zu am Freitag, 20. April, mit dem populären WDR-Hörfunkmoderator Stefan Verhasselt, wenn dieser augenzwinkernde Einblicke in die niederrheinische Seele gibt. Schwarzer Humor garantiert.

Rein in die Schulen gehts sogar in Verbindung mit dem Ensemble Hörsinn, das am Samstag, 9. Juni, in der Klangbrücke gastiert. Sieben Komponisten aus Nordrhein-Westfalen, sieben Aufführungsstädte im bevölkerungsreichsten Bundesland, zuvor der Austausch über Monate mit jungen Leuten und Lehrern in Aachener Klassen. Ein großer Ideenaustausch, der im Juni seine musikalische Manifestation findet. „Schulen, die Interesse an dem Projekt haben, können sich noch bei uns melden”, betont Birgit Baum, die als Leiterin der freien Musikschule Music Loft, betrieben von der Gesellschaft für Zeitgenössische Musik Aachen, in der Klangbrücke ganz nah am Ort des Geschehens ist.

Und was erwartet die Stadt vom neuen Jahr? Irit Tirtey vom Kulturbetrieb ist zuversichtlich. „Seit dem Jahr 2000 hatten wir im Schnitt 30 000 Besucher”, sagt sie. Und diese Tradition wolle man fortsetzen. Die Zeichen dafür stehen günstig.

Am Sonntag, 1. Januar, 18 Uhr, und Montag, 2. Januar, 20 Uhr, startet das Kulturprogramm in der Klangbrücke mit dem Neujahrskonzert des Artn Schutz Orchesters.

Weiter gehts am Samstag, 7. Januar, um 19 Uhr im Ballsaal mit der musikalischen Reise ins russische Weihnachten.

Weltklassik am Klavier zeigt am Sonntag, 8. Januar, 17 Uhr, Kateryna Titova in der Klangbrücke.

Das Duo Yma America und Aquiles Baéz gastiert am Samstag, 14. Januar, um 20 Uhr in der Klangbrücke.

Karten gibts im Ticketshop unserer Zeitung, Mayersche Buchhandlung, Buchkremerstraße 1-7, Telefon 0241/ 51 01 175.

Programmhefte liegen im Alten Kurhaus, Kurhausstraße 1, aus.