Aachen: Moschee im Ostviertel fast fertig: Kuppel wird noch reich verziert

Aachen : Moschee im Ostviertel fast fertig: Kuppel wird noch reich verziert

Das Gebäude steht schon so lange, dass es längst ein vertrauter Anblick im Ostviertel ist. 40 Meter erhebt sich das Minarett in den Himmel. Sieben Jahre nach dem ersten Spatenstich ist die Yunus-Emre-Moschee an der Stolberger Straße so gut wie fertiggestellt.

Nun soll endlich die offizielle Eröffnung gefeiert werden. Für Sonntag, 1. Oktober, ist das Fest geplant. Und Abdurrahman Kol hofft sehr, dass es bei diesem Termin bleiben kann. Der Diplom-Ingenieur ist Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Ditib-Gemeinde in Aachen. „Das meiste ist eigentlich fertig“, sagt Kol — und blickt dann doch leicht zweifelnd hinauf in die Kuppel des großen Gebetsraums.

Acht große Metallelemente (Bild oben) müssen noch in der Kuppel angebracht und verziert werden. Kalligraphien-Maler Abdullah Nice (unten links) malt mit Goldfarbe in luftiger Höhe. Der weiße Moscheebau samt Minarett (unten rechts) ist längst ein vertrauter Anblick im Ostviertel. Foto: Harald Krömer

Denn an der Kuppel, 20 Tonnen schwer und 14 Meter im Durchmesser, ist noch einiges zu tun. Acht große Elemente aus Metallgewebe müssen hoch oben an der 360-teiligen Stahl-Glas-Konstruktion angebracht werden. Diese Innenelemente der Kuppel werden dann filigran verziert. „Das Ganze hat uns lange aufgehalten“, sagt Kol. „Aktuell warten wir noch auf die restlichen Teile.“

Acht große Metallelemente (Bild oben) müssen noch in der Kuppel angebracht und verziert werden. Kalligraphien-Maler Abdullah Nice (unten links) malt mit Goldfarbe in luftiger Höhe. Der weiße Moscheebau samt Minarett (unten rechts) ist längst ein vertrauter Anblick im Ostviertel. Foto: Harald Krömer

Goldene Schriftzeichen

Abdullah Nice dagegen kommt gut voran. Der Kalligraphien-Maler aus Gladbeck, ein in seinem Metier weithin geschätzter Experte, malt in goldener Farbe große Muster auf die Wand. Fast 41 Meter lang ist das Band, das er anmalt. Es zieht sich einmal rund um die Kuppel. In kunstvoll gestalteten Kalligraphien, verzierten Schriftzeichen, schreibt Abdullah Nice die 99 Eigenschaften Gottes an die Wand, nach der Vorlage eines Kalligraphie-Künstlers in der Türkei.

Gut die Hälfte hat er geschafft, 20 Meter etwa muss er noch. Sobald die Kuppel fertiggestellt ist, kann der Gebetsraum, der bis zu 600 Menschen fasst, endgültig hergerichtet werden. Das dürfte flott gehen. Der Teppichboden liegt schon in großen Rollen vor der Tür.

Man muss einige Jahre zurückblicken, um sich vor Augen zu führen, was für ein Großprojekt die Ditib-Gemeinde da gerade zu Ende bringt. Im August 2010 wurde an der Baustelle der symbolträchtige erste Spatenstich gesetzt. Im Mai 2011 wurde der Grundstein gelegt, im August 2012 das Richtfest gefeiert. Das ist jetzt auch schon wieder fünf Jahre her. Insgesamt sind die Verantwortlichen seit Februar 2007, also mehr als zehn Jahre, intensiv mit dem ehrgeizigen Projekt Yunus-Emre-Moschee beschäftigt.

Architekt und Projektleiter Erol Uzkiz erinnert daran, wie schwierig schon der Start war. Der Boden auf dem ehemaligen Tankstellengelände an der Ecke Stolberger Straße und Elsassstraße war kontaminiert und zudem überhaupt nicht tragfähig. Für die aufwendige Pfahlgründung mussten zunächst 99 mächtige Betonpfähle in den Boden gerammt werden. „Dann haben wir knapp drei Jahre mit dem Rohbau gekämpft und noch mal drei Jahre am Innenausbau gearbeitet“, bilanziert er. „Innen sind wir nun soweit fertig.“

Das neue Gemeindezentrum bietet viele Räume für viele Nutzer. Im Café links neben dem Eingang wird längst Tee gekocht. In der Bibliothek tagte schon die Stadtteilkonferenz Ost, Seminarräume und Büros werden genutzt. Das Begegnungszentrum Yunus Emre hat den Betrieb aufgenommen. Und die zwölf Wohnungen ganz oben, mit Blick auf die Kuppel, sind allesamt vermietet.

Diese zwölf Sozialwohnungen wurden öffentlich gefördert. Ansonsten seien für den Bau keinerlei öffentliche Gelder geflossen, weder aus Deutschland noch aus der Türkei, betont Abdurrahman Kol. Rund acht Millionen Euro seien für das Gemeindezentrum verbaut worden, die Gemeinde finanziere es ausschließlich mit eigenen Mitteln. Viele Geldspenden und viel ehrenamtliche Arbeitsleistung sind in den Bau geflossen.

Leer stehen derzeit noch die Ladenlokale im Erdgeschoss. Interessenten gebe es durchaus, berichtet Kol. „Aber am liebsten würden wir an einen sozialen Dienstleister vermieten.“ Das würde die Türkisch-Islamische Gemeinde womöglich auch einen Schritt weiter bringen im Bemühen, als soziales Zentrum ins Viertel hineinzuwirken. „Wir möchten mit anderen Einrichtungen, mit den Kirchen und der Verwaltung zusammenarbeiten“, sagt der Gemeindevorsitzende. „Wir möchten unseren Beitrag leisten hier in der Stadt. Aber das können wir nicht alleine.“

Der Vorplatz der Moschee ist ebenfalls noch Baustelle. Hier wühlt sich gerade ein Bagger durch den Dreck. Um diesen Vorplatz hatte es jüngst etwas Verstimmung zwischen Politik und Verwaltung gegeben, als sich herausstellte, dass das Areal, das mehr Aufenthaltsqualität ins Viertel bringen soll, jede Woche zum Freitagsgebet als Parkplatz genutzt werden darf. So ist es im städtebaulichen Vertrag mit der Ditib-Gemeinde vor Jahren ausdrücklich festgeschrieben. Der Platz werde lediglich an wenigen hohen islamischen Feiertagen als Parkplatz genutzt, stellte Kol jetzt klar. „Ansonsten stehen Poller an der Zufahrt. Auch wir wollen nicht, dass hier geparkt wird.“

In den nächsten Tagen will der Gemeindevorsitzende mit allen Beteiligten abschließend besprechen, ob der geplante Eröffnungstermin am 1. Oktober eingehalten werden kann.

Zehn Jahre ist Kol nun intensiv mit der Großbaustelle befasst. „Wir haben diese Aufgabe übernommen, wir müssen sie auch zu Ende bringen“, sagt er. Aber wenn alles fertig ist, werde endlich auch wieder Zeit für Hobbys bleiben, hofft er. „Zum Angeln bin ich schon seit Jahren nicht mehr gegangen.“

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