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Aachen: „Monströses Bauwerk“: Campus-Brücke bekommt mächtig Gegenwind

Aachen : „Monströses Bauwerk“: Campus-Brücke bekommt mächtig Gegenwind

Das erleben die Bezirksvertreter in Laurensberg auch nicht alle Tage. Zu Beginn ihrer Sitzung am Mittwochabend platzte der Sitzungssaal im Bezirksamt an der Rathausstraße aus allen Nähten. Hundert und mehr Anwohner, Bürgerinnen und Bürger standen sogar noch auf dem Flur, um das Geschehen im Saal zu verfolgen und um ihre Fragen, Sorgen und Nöte in der Einwohnerfragestunde loszuwerden.

In Laurensberg tut sich was. In Laurensberg tut sich sogar sehr viel. „Hier spielen auch die großen Themen der Stadt“, sagte Bezirksbürgermeister Alexander Gilson im „Nachrichten“-Interview einmal mit Blick auf den Radschnellweg Euregio, die Campus-Erweiterung der Hochschule und die Ausbau-Pläne des Uniklinikums, die alle auf Laurensberger Gebiet stattfinden.

Mit einem mächtigen Brückenbauwerk, das von der Mathieustraße kommend die Bahnlinie und den Pariser Ring (Bild rechts) überbrückt, soll der Campus West von Norden her erschlossen werden. Für die Laurensberger Anwohnern ist das mächtige Bauwerk eine Verschandelung der Landschaft (kleines Bild). Bei ihnen stoßen die Planungen auf massiven Widerstand. Grafik: Hans-Gerd Claßen, Montage: Privat.

Sachstandsbericht

Und diese Themen bewegen natürlich auch die Laurensberger Bürger, die am Mittwoch vor allem ihre Bedenken gegen die geplante Trassenführung des Radschnellwegs vorbrachten. Das zweite Thema, das den Laurensbergern auf den Nägeln brennt, ist die geplante Nordanbindung des Campus West durch eine massive Brücke, die in acht Metern Höhe über den Pariser Ring und der dahinter liegenden Bahnlinie zur Mathieustraße auf dem Campus Melaten verlaufen soll.

Im Planungsausschuss ist Ende Juni beschlossen worden, die Verwaltung mit der Planung der sogenannten Variante D zu beauftragen und die Finanzierung sicherzustellen. Außerdem hatten die Laurensberger Grünen einen Sachstandsbericht zur vorgesehenen Planung auf die Tagesordnung der Bezirksvertretung am Mittwoch setzen lassen.

Doch rund ging es zu diesem Thema schon in der Einwohnerfragestunde. Die Vertreterin einer Bürgerinitiative fragte, warum man denn ein solch riesiges Bauwerk plane, ohne überhaupt ein Gesamtkonzept für den Verkehr in Laurensberg — auch ein Dauerbrennerthema in Stadtteil — zu haben? Eine andere Anwohnerin berichtete von einer Liste mit 716 Unterschriften von Menschen, die sich gegen die Variante D aussprechen. Ein Laurensberger bezweifelte den Bedarf einer solchen Erschließung und schließlich übergab eine weitere Gegnerin das Foto eines eigenen Erschließungsentwurfs mit einem Kreisverkehr auf dem Toledoring an Bezirksbürgermeister Alexander Gilson.

Gabi Hergarten vom Fachbereich Stadtentwicklung erläuterte beim Sachstandsbericht anschließend noch einmal, die Gründe, die für eine solche Brücke sprechen. Und die lauten in erster Linie, dass nur so die Erreichbarkeit für Schwerlasttransporte ermöglicht werden könne. Und darauf lege die Hochschule großen Wert, um das Institut für Schienenfahrzeuge und Transportsysteme der RWTH beispielsweise mit havarierten Lokomotiven oder Zugwagen beliefern zu können.

Auf die Frage, wie viele Schwerlastverkehre denn so im Jahr anfielen, konnte sie allerdings keine Antwort geben. „Ob dann ein solches Brückenbauwerk gerechtfertigt sei“, wollte Ulla Epstein von den Linken wissen. Und auch Bezirksbürgermeister Gilson (CDU) bekräftigte diese Zweifel: „Diese Frage muss man stellen.“

Karin Schmitt-Promny, deren Fraktion den Sachstandsbericht beantragt hatte, schloss sich demonstrativ den Bedenken der Anwohner gegen „dieses monströse Brückenbauwerk“ an. Zwar habe der Planungsausschuss das weitere Vorgehen mit einigen Einschränkungen beschlossen — so solle etwa der Bedarf für die Schwerlastverkehre noch einmal geprüft werden, auf die Einpassung ins Landschaftsbild solle geachtet und eine mögliche Ansiedlung von Lindt auf dem Campus West solle berücksichtigt werden — doch das reichte der Grünen-Politikerin nicht. „Diese Brücke passt einfach nicht ins Landschaftsbild“, stellte sie fest.

Alternative theoretisch möglich

Stattdessen fragte sie, ob denn nicht eine Überbauung des Tunnels am Toledoring möglich sei, was Gabi Hergarten bejahte. Das sei geprüft worden, sei auch theoretisch möglich, aber auch ungeheuer aufwendig bei einer derart alten Unterführung.

Dass der Aufwand immens sei, könne sie sich vorstellen, räumte Karin Schmitt-Promny ein. „Aber“, betonte sie, „es könnte dennoch eine Alternative sein zu einem Bauwerk, das von der Bevölkerung so stark abgelehnt wird.“