Aachen: Modellprojekt der Unesco: Dom-Kapelle verliert Kruste

Aachen : Modellprojekt der Unesco: Dom-Kapelle verliert Kruste

Wer in den nächsten Wochen ein merkwürdiges Flugobjekt beobachtet, das den Dom umkreist, der darf ruhig seinen Augen trauen. Das ferngesteuerte Maschinchen ist sogar in offiziellem Auftrag unterwegs. Der Gyrocopter fotografiert Figuren und Verzierungen an der Domfassade. Vorbereitet wird damit eine große Putzaktion. Der Dom hat nämlich einen Hausputz gewonnen.

Die Unesco-Kommission und das Reinigungstechnikunternehmen Kärcher haben die Karls- und Hubertuskapelle im Rahmen eines Modellprojekts für eine denkmalgerechte Reinigung ausgewählt. Ab Mai soll die Außenfassade von Experten geschrubbt werden. Allerdings sind umfangreiche Vorarbeiten nötig.

„Schön, dass es wieder losgeht“, sagte Dombaumeister Helmut Maintz am Mittwoch beim Pressegespräch an der Dauerbaustelle Dom. „Es wird auch Zeit, dass wir hier wieder ein Gerüst hinkriegen.“ Im Wettbewerb von 30 Weltkulturerbestätten in Deutschland habe das Münster sich durchgesetzt. Dass das Modellprojekt nach Aachen kommt, ist auch finanziell ein Gewinn fürs Domkapitel. Bis zu 120.000 Euro würde die fachgerechte Reinigung von rund 750 Quadratmetern Fassade kosten, schätzt Maintz.

Nur der Blaustein

Mit der gebotenen Vorsicht werden die Experten ab Mai eine „dicke Kruste“ von den Steinen entfernen, erklärt der Dombaumeister. Allerdings sollte niemand erwarten, dass die Fassade danach „strahlend schön“ sei: „Es geht bei der Aktion nicht um eine schöne, saubere Domfassade.“ Im oberen Bereich, im Herzogenrather Sandstein, sei der Schmutz bis zu einen Zentimeter tief in den Stein gedrungen. „Da ist eine solche Säuberung nicht möglich und nicht nötig“, sagt Maintz. Im unteren Bereich dagegen, wo Blaustein verbaut ist, „da behindert die Kruste den Feuchtigkeitsaustausch.“

Anfang Mai sollen die Saubermänner mit ihrem Gerät an der Kapelle im Einsatz sein. Vorher aber ist noch viel an Vorarbeit zu leisten. Um den Gebäudezustand zu dokumentieren, erstellt die „Gesellschaft für Bildverarbeitung, Vermessung und Dokumentation“ (GBVD) derzeit ein steingenaues Aufmaß der Kapelle. Mit Hilfe der Photogrammetrie werden Fotos in detaillierte Zeichnungen umgesetzt. „Da sieht man jeden Riss und jedes Zangenloch“, erläutert der Dombaumeister. Eckhard Gert-Eis und seine Kollegin Katharina Lais von der Firma GBVD waren am Mittwoch schon mit Kamera und Hub­steiger im Einsatz. Rund eine Woche werden sie am Dom fotografieren. Einen Monat etwa wird die Auswertung der Fotos brauchen.

Erstmals wird für die Reinigungsaktion auch eine 3D-Dokumentation der Steinoberflächen und der Bauzierteile erstellt. Und da kommen Bauingenieure von der Fachhochschule Aachen mit ihrer kleinen Flugdrohne zum Einsatz. Prof. Peter Sparla, Lehrgebiet Mathematik und Vermessungskunde, Diplom-Ingenieur Hartmut Ma­lecha und Sabine Heinen-Fuchs (Master of Engineering) gaben auf dem Katschhof auch gleich eine kleine Vorführung mit ihrer fliegenden Kamera — sehr zum Entzücken einiger Kinder.

Mit der sehr genauen 3D-Dokumentation kann auch nach Jahrzehnten noch überprüft werden, ob sich Details an einer Figur durch Verwitterung verändert haben. Bisher musste sich der Dombaumeister dafür auf Gipskopien einzelner Bauteile verlassen.

Die Aufnahmen werden zudem genutzt, um im Sommer mögliche Schäden an den Figuren und Zierteilen zu untersuchen. Der Dombauverein/Karlsverein unterstütze nötige Restaurierungsarbeiten finanziell, freut sich Maintz. „Wir sorgen dafür, dass nichts runterfällt an unserem Dom.“

Die Reinigung der Karls- und Hubertuskapelle werde etwa sechs bis acht Wochen dauern, schätzt der Dombaumeister. Danach sollen eventuelle Schäden beseitigt werden. Bis September wird wohl eingerüstet sein. Noch geklärt werden muss laut Maintz, ob das Gerüst für die Karlspreisfeierlichkeiten — aus Sicherheitsgründen — abmontiert werden muss.

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