Mobiles Klassenzimmer macht Station in Aachen

Mobile Digitalwerkstatt : Roboter programmieren und nicht nur daddeln

Das NRW-Schulministerium schickt im Rahmen seiner Digitalisierungsoffensive eine Mobile Digitalwerkstatt durch alle 53 Schulamtsbezirke im Land. Diese Woche ist das mobile Klassenzimmer an der Gemeinschaftsgrundschule Driescher Hof in Aachen zu Gast – quasi als Probelauf vor dem offiziellen Start des Pilotprojekts im Januar in Düsseldorf.

Die Grundschule Driescher Hof hat diese Woche einen ziemlich nagelneuen Container auf dem Schulhof stehen. 190 Kinder werden darin zum Beispiel lernen, wie man einen Roboter baut, programmiert und ans Fahren bringt. Sie werden auch ein elektronisches Buch schreiben. Und sie sollen insgesamt einen Eindruck davon bekommen, wie sie selbst in der digitalen Welt aktiv und kreativ werden können.

Der Container ist die Mobile Digitalwerkstatt, ein Baustein der Digitalisierungsoffensive des NRW-Schulministeriums. Offiziell vorgestellt wird das mobile Klassenzimmer Mitte Januar in Düsseldorf. Es soll durch alle 53 Schulamtsbezirke im Land touren. Vorher wird das Pilotprojekt an sechs Schulen einem Probelauf unterzogen. Die GGS Driescher Hof ist die zweite Station, die das Workshop-Angebot testet.

„Die Digitalwerkstatt soll pädagogische Möglichkeiten zeigen“, sagt Daniel Kölle, Pressesprecher des Schulministeriums. „Wir wollen den Schulen zeigen, was machbar ist und so auch Berührungsängste nehmen“ Für die Kinder gibt es vier Workshops, für die Kollegien Fortbildungen und für die Eltern Infoabende. Monika Wagner, Schulleiterin am Driescher Hof, nimmt das Angebot gerne an. „Die digitale Entwicklung ist so rasant“, sagt sie, „da müssen wir ganz schnell reagieren.“

Einerseits geht es ihr um digitale Methoden für einen zeitgemäßen Unterricht. Sie hat aber auch die Kinder im Blick. Zweijährige, die zuweilen bereits mit dem Handy zugange sind, sind ja heute fast eine Selbstverständlichkeit. Und schon ganz Kleinen werde das Tablet zur Unterhaltung und Beruhigung in den Kinderwagen gereicht, beobachtet sie. „Im dritten und vierten Schuljahr“, erzählt Wagner, „stehen manche Kinder nachts heimlich auf und spielen Computerspiele auf dem Smartphone der Eltern. Spiele, mit denen sie überfordert sind.“

Katarina Dopheide ist eine von drei Trainerinnen, die das Angebot im Container vermitteln. Die Digitalwerkstatt solle Kindern Handy und Tablet als Werkzeuge vorstellen, mit denen man kreativ umgehen wird, erläutert sie: Wenn sie ihren Roboter bauen und programmieren, dann schaffen sie eine Maschine, die etwas für den Menschen tut. „Wir wollen dem sinnentleerten Rumgedaddel etwas entgegenstellen.“, sagt Dopheide.

Erfolgreiche Medienroute

Auch Schulrätin Petra von Jakubowski nahm die Mobile Digitalwerkstatt am Montag interessiert in Augenschein. Sie verspricht sich davon wertvolle Impulse, um den Unterricht mit Hilfe digitaler Medien zu verbessern. „Veränderungsbereitschaft ist da“, betonte die Schulaufsichtsbeamtin, „das hat jüngst auch die Medienroute gezeigt.“ Bei dieser Veranstaltung präsentierten Schulen in der Städteregion Aachen und im Kreis Heinsberg Praxisbeispiele für den Medieneinsatz im Unterricht. Mehr als 230 Lehrerinnen und Lehrer machten sich schlau und holten sich Impulse ab. Auch die GGS Driescher Hof war mit einem Angebot vertreten.

Ohnehin führt für die Schulen an der Digitalisierung kein Weg vorbei. „Der Medienkompetenzrahmen NRW ist ab 2019 für alle Schulen verpflichtend“, erinnerte Monika Pieper, Referentin für Digitalisierung im NRW-Schulministerium. Lernen mit digitalen Medien solle an den Schulen zur Selbstverständlichkeit werden. „Schulen, die dann nicht entsprechend ausgestattet sind, werden Probleme bekommen“, warnte Pieper.

Zu wenig Personal

Für die Stadt Aachen als Schulträger ist das indes eine riesige Herausforderung. Die Kommune stattet die Schulen auf der Basis von deren Medienkonzepten mit digitaler Infrastruktur aus. Nächstes Jahr sind die Grundschulen dran. „Die Ausstattung ist für die Stadt ein Riesenproblem, weil wir auch personell keine ausreichenden Ressourcen haben“, beklagte Karl-Josef Mathar, Abteilungsleiter Schule beim Fachbereich Kinder, Jugend und Schule. Da werde es immer schwieriger, Fördermittel rechtzeitig abzurufen.

An der Grundschule Driescher Hof freut man sich auf jeden Fall auf die beiden Whiteboards, interaktive Wandtafeln, die Anfang 2019 eingerichtet werden sollen. Das mobile Klassenzimmer des Ministeriums ist dann mit seinen Roboterbausätzen längst an andere Schulen weitergezogen.

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