Aachen: Mobile Wohneinheiten am Kronenberg: Viele Fragen beim Infoabend

Aachen : Mobile Wohneinheiten am Kronenberg: Viele Fragen beim Infoabend

Wohnen auf dem Parkplatz: Etwa 50 mobile Wohneinheiten sollen am Gemmicher Weg aufgestellt werden. Rund 80 Menschen, Flüchtlinge, können dort untergebracht werden. Beschlossen hat der Stadtrat das längst. Ob und wann die Wohncontainer auf dem Parkplatz aufgestellt werden, ist aber noch offen.

Dennoch bewegt das Thema viele Menschen am Kronenberg. Etwa 200 von ihnen kamen am Dienstag zum Infoabend ins Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Sie wollten Fragen stellen, Sorgen und Vorbehalte loswerden — und fragen, wie sie helfen können.

Der Parkplatz am Gemmenicher Weg am Kronenberg wird rege genutzt. Die Stadt will hier mobile Wohneinheiten aufstellen, um Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen. Foto: Ralf Roeger

Wie dramatisch die Flüchtlingssituation auch in der Stadt ist, verdeutlichte Sozialamtschef Heinrich Emonts anhand aktueller Zahlen. Derzeit kümmern sich die Aachener um rund 1850 Menschen, darunter 500 unbegleitete Minderjährige. Bis Ende 2016, schätzt Emonts, werde ihre Zahl auf 2750 steigen. „Aber das sind nur Schätzungen.“

Für all die Flüchtlinge, die ihr zugewiesen werden, muss die Stadt Wohnraum beschaffen. „Ich unterschreibe täglich Mietverträge“, sagte Emonts. „Aber so langsam wird es eng.“ Deshalb nehme man auch mobile Wohneinheiten in den Blick, erklärte Vera Ferber vom des Gebäudemanagement: 80 Flüchtlinge könnten so an der Adenauerallee wohnen, 50 an der Laachgasse in Haaren und 80 auf dem Parkplatz am Gemmenicher Weg, der am Dienstag am Kronenberg diskutiert wurde. „Das kommt zum Tragen, falls andere Lösungen nicht greifen“, betonte Ferber. Dreigeschossig könnte dieses Wohnprovisorium auf dem Parkplatz aufgebaut werden.

Kaufen ist viel zu teuer

Konkret allerdings ist noch nichts. Ursprünglich war vorgesehen, die mobilen Wohneinheiten zu kaufen. Aber die große Nachfrage habe die Preise unverhältnismäßig in die Höhe getrieben, berichtete Emonts. „Und wir lassen uns nicht über den Tisch ziehen.“ Die Ausschreibung wurde daraufhin aufgehoben. Nun verhandelt die Stadt mit einem niederländischen Anbieter über die Anmietung von Containern. „Noch ist nicht sicher, ob und wann hier Container stehen“, erklärte Emonts.

Die Kronenberger hatten trotzdem viele Fragen. „Warum ausgerechnet dieser kleine Parkplatz?“, wollte ein Anwohner wissen. „Der wird doch von morgens bis abends genutzt.“ Die Verwaltung führte die gute Anbindung ans Wohngebiet und die Nähe zu Einkaufsmöglichkeiten ins Feld — und die Tatsache, dass die befestigte Parkplatzfläche sich mit wenig Aufwand und Kosten herrichten lässt. Man habe auch andere Flächen überprüft, etwa am Hasselholzer Weg oder am Preusweg, versicherte der Sozialamtschef, leider mit sehr viel schlechteren Ergebnissen.

Auch am Kronenberg ist die Bereitschaft groß, sich um Flüchtlinge zu kümmern. Das versicherten nicht nur der Laurensberger Bezirksbürgermeister Christian Krenkel („Wir müssen uns dieser Aufgabe stellen“) und die Ratsfrauen Sibylle Reuß (SPD) und Claudia Plum (CDU). Viele der Anwohner fragten bereits ganz konkret, wo sie helfen können. Die Stadtteilkonferenz Kronenberg steht in den Startlöchern. „Wir haben großes Interesse, hier mitzuarbeiten“, betonte Christel Schäfer, eine der Sprecherinnen. Weitere Mitstreiter seien willkommen.

Sprachkurse und Kleiderspenden

„Das Thema Flüchtlinge braucht die Solidarität der ganzen Stadt“, erklärte der städtische Pressesprecher Bernd Büttgens, der die Infoveranstaltung moderierte. Und die Hilfsbereitschaft ist so riesig, dass die professionellen Helfer manchmal fast überfordert sind, die Angebote weiterzuleiten.

Da will ein Schmied mit Flüchtlingen arbeiten; da bietet der pensionierte Lehrer Sprachkurse an; da kommen drei Lkw-Ladungen mit Kleidung. „Wir brauchen diese Hilfe“, versicherte Heinrich Emonts, „bitte haben Sie aber Verständnis, wenn die Abnahme einmal nicht sofort klappt.“ Verwaltungsseitig soll auf jeden Fall daran gearbeitet werden, die Angebote künftig noch besser zu kanalisieren, damit gezielter geholfen werden kann.

Abseits aller Debatten über Container: Flüchtlinge leben ja bereits am Kronenberg. Pfarrer Andreas Mauritz hat für einige von ihnen das ehemalige Pfarrhaus als Wohnung zur Verfügung gestellt. Dort wohnt nun eine Familie mit vier Kindern. „Es ist wichtig, ins Gespräch zu kommen“, sagt Mauritz, „Begegnung ist das A und O. Ich möchte uns alle ermutigen, das zu tun.“ Nach anderthalb Stunden Information und Diskussion war das ein gutes Schlusswort. Und der Pastor bekam mächtig Applaus.

Der Flyer „Wir helfen Aachen“ mit Anlaufstellen für Ehrenamtler ist gerade frisch nachgedruckt worden. Im Internet gibt es die Übersicht auf www.aachen.de.

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