Aachen: Mit schwerem Tresor durch den Vogelkäfig

Aachen: Mit schwerem Tresor durch den Vogelkäfig

Da hatte der „Lachende Hans”, ein gefiederter Zeitgenosse aus der Familie der Eisvögel, in der Nacht von Mittwoch zu Donnerstag nichts zu lachen. Und auch die Purpurglanzstare und die Temminck-Tragopane waren hinterher sehr verstört. Denn ausgerechnet die erste Voliere des Euregiozoos grenzt ans Kassenhäuschen.

Dreiste Diebe nutzten den Vogelkäfig als Durchgang zum Kassenhäuschen. Sie stahlen den 350 Kilogramm schweren Tresor und schleiften diesen durch den Tierparkeingang über den Parkplatz zum bereitstehenden Auto. „Ich darf zwar nicht sagen, wieviel Geld im Tresor war, aber es lohnt sich”, sagte Zoodirektor Wolfram Graf-Rudolf.

Als ob das nicht schon genug wäre, sind auch noch zwei Freunde vom „Lachenden Hans” nicht mehr wieder zu finden. Ein Beo und ein Glanzfasan entwischten in absoluter Panik durch das zerschnittene Drahtgitter. „Beide haben in freier Wildbahn keinerlei Überlebenschance”, weiß Graf-Rudolf.

Mutterseelenallein und sehr traurig hockte die Fasanenhenne am Donnerstag im Käfig. Sie trauerte offensichtlich um ihren Mann. „Möglicherweise findet der Beo ja wieder zurück zu seinen Kameraden. Wenn der Himalaja-Glanzfasan aber vor lauter Angst in den Aachener Wald geflüchtet ist, ist das sein Aus”, befürchtet Graf-Rudolf. Das aber scheint den Dieben egal zu sein.

Viel Mühe mit dem Tresor

Wie diese jedoch mit dem Tresor herausspazieren konnten, ohne das der Alarm losging, ist fraglich. Denn eigentlich wird die Kasse alarmüberwacht. Schleifspuren auf dem Boden weisen darauf hin, dass die Diebe den Tresor durch die Voliere gezogen und dann runtergeworfen haben. Sie müssen viel Mühe damit gehabt haben, den riesigen Geldschrank aus Stahl bis zum vielleicht hundert Meter entfernten Parkplatz zu schaffen. Denn 350 Kilogramm sind ja schließlich kein Pappenstiel. Also müssen es mehrere Räuber gewesen sein. „Darauf weisen auch die Fußspuren in der Voliere hin”, kommentierte Graf-Rudolf.

Bevor die Räuber sich den Zugang durch die Voliere verschafften, versuchten sie allem Anschein nach durchs Dach in das Kassenhäuschen zu gelangen. Das aber ging schief. Also brachen sie die Eingangstüre des Tierparks auf. Um dann offenbar mit einem elektrischen Bohrhammer die Rückwand des Vogelgeheges zu öffnen. „Wie dieser Lärm von den Nachbarn unbemerkt bleiben konnte, ist mir unverständlich”, sagt der Direktor.

Um den Bohrhammer benutzen zu können, brauchten die Verbrecher einen Stromanschluss und eine Kabeltrommel. Eine Kabeltrommel befand sich hinter einem Getränkeautomaten im Eingangsbereich, die nahmen die Einbrecher in Gebrauch und nutzten gleich den Stromanschluss des Automaten. „Das zeigt, dass die dreisten Diebe vorher alles ausbaldowert haben”, meint der Tierparkchef.

Das, was die Verbrecher beschädigt haben, wurde Donnerstagvormittag schleunigst ersetzt. Damit die übrigen Vögel nicht auch noch wegfliegen konnten, wurde ein neues Vogelgitter eingesetzt. Vor dem Loch, das die Einbrecher in die Mauer stemmten, wurde eine schwere Holzplatte montiert. Den gestohlenen Tresor und das darin enthaltene Geld wird die Versicherung bezahlen, hofft Graf-Rudolf. Das nutzt jedoch der Fasanenhenne wenig, denn sie wird vielleicht für immer um ihren Hahn trauern müssen. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen.