Aachen: Mit Partikelstrahl wird der Dom vom Dreck befreit

Aachen : Mit Partikelstrahl wird der Dom vom Dreck befreit

Spezial-Reinigung für Aachener Domkapelle

Ein Gerüst deutet es seit Anfang Mai an, dass am Aachener Dom wieder fleißig gearbeitet wird, um den kostbaren Kulturschatz auf Hochglanz zu polieren. Seit Dienstag befreien Kärcher-Reinigungsexperte Nick Heyden und seine Kollegen das Mauerwerk von biogenen Verunreinigungen wie Moos und Vogelkot sowie von Emissionsverschmutzungen.

Die 540 Jahre alte Karls- und Hubertuskapelle des Aachener Doms wird im Rahmen eines Modellprojekts von der Deutschen Unesco-Kommission und der Firma Kärcher gereinigt. Die restauratorische Reinigung soll die Kapelle von steinschädigenden Verschmutzungen befreien und die Bausubstanz nachhaltig schützen.

In Zusammenarbeit mit dem Domkapitel Aachen haben die Arbeiten nun begonnen und werden voraussichtlich zwei Monate andauern. Eine Fachjury des Modellprojekts wählte die Aachener Kapelle im Rahmen eines Wettbewerbs zum Erhalt des Unesco-Welterbes aus.

„Wir freuen uns, dass der Dom als Meisterwerk der karolingischen Baukunst 1978 als erstes deutsches Kulturdenkmal überhaupt auf die Liste des Unesco-Welterbes eingetragen wurde. Der Dom ist nicht nur in seinem Innern von lebendiger Pastoral geprägt, sondern auch nach außen ein lebendiges Kulturdenkmal“, sagt Domkapitular Rolf-Peter Cremer.

Algen, Flechten, Moose

Der Aachener Dom gilt als eines der besterhaltenen Baudenkmäler der Karolingerzeit. Die Karls- und Hubertuskapelle an der Nordseite wurde zwischen 1455 und 1474 aus Aachener Blaustein und Herzogenrather Sandstein erbaut. Die untere Kapelle ist dem Heiligen Hubertus, die obere Karl dem Großen gewidmet.

„Die Arbeiten sind dringend notwendig“, betont Dombaumeister Helmut Maintz. Mit reinem Wasser wird die Kapelle im ersten Schritt von oben nach unten vorgereinigt. „Drei Wasser-Hochdruckreiniger entfernen den biologischen Bewuchs wie Algen, Flechten und Moose von den Kalk- und Sandsteinoberflächen“, erklärt Frank Schad, Pressesprecher und Leiter Kultursponsoring von Kärcher. Für die anschließende Hauptreinigung wechseln die Reinigungsexperten zum Partikelstrahlverfahren. Dabei werden die hartnäckigen schwarzen Gipskrusten mit sehr feinem Glaspudermehl und mit Hilfe von komprimierter Luft entfernt.

„In der Vorbereitung wurde das Gerüst aufgebaut, die Verglasungen mussten abgeklebt werden. Die Gesamtkosten liegen im sechsstelligen Bereich“, sagt Maintz. Laut Katja Römer, Pressesprecherin der Deutschen Unesco-Kommission, dienen die Arbeiten dem Erhalt des Welterbes, sollen die Kooperation für das Welterbe stärken und eine nachhaltige Entwicklung ermöglichen. „Deshalb gibt es begleitende wissenschaftliche Untersuchungen und Bildungsprojekte für junge Leute“, schildert Römer.

Was schädigt den Stein?

Unter der Federführung der Hochschule für Technik Stuttgart nehmen unabhängige Experten wissenschaftliche Analysen an der Fassade der Karls- und Hubertuskapelle vor. So werden alle für den Stein schädlichen Komponenten identifiziert. Mehrere Bildungsworkshops sollen außerdem junge Menschen für das Welterbe begeistern und zu nachhaltigem Handeln ermuntern.

Schüler des Inda-Gymnasiums in Aachen-Kornelimünster drehen zum Beispiel einen Kurzfilm über den Dom und setzen sich in einer Arbeitsgemeinschaft umfassend mit dem historisch bedeutsamen Bauwerk und den Reinigungsarbeiten auseinander. Der fertige Film wird beim Unesco-Welterbetag am 7. Juni gezeigt. Darüber hinaus gibt es Führungen und Demonstrationen der Reinigungsexperten. „Im Sommer tagt die Unesco-Kommission zudem in Bonn und beschäftigt sich mit dem Erhalt und der Neuaufnahme von Welterbestätten“, erklärt Römer.

Die Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Kärcher ist Teil des Public Private Partnerships-Programms der Deutschen Unesco-Kommission. Für zwei Jahre bündeln die Partner ihre Fachkompetenz zum Erhalt von Kulturdenkmälern. Der Schutz des Welterbes ist ein kulturpolitischer Arbeitsschwerpunkt der Deutschen Unesco-Kommission.

Kärcher hat bereits mehr als 100 denkmalgeschützte Bauwerke weltweit restauratorisch gereinigt — darunter das Brandenburger Tor in Berlin, die Kolonnaden am Petersplatz in Rom und die Christusstatue im brasilianischen Rio de Janeiro.

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