Aachen: Mit Küchenmesser und „Gottes Genehmigung“: Ehemann gesteht Mord

Aachen: Mit Küchenmesser und „Gottes Genehmigung“: Ehemann gesteht Mord

Als Jan Z. die Treppe zur Wohnung hochging, sah er schon, dass etwas nicht stimmte, der Lichtschalter neben der Tür war blutverschmiert, die Tür selbst war eingeschlagen. Er betrat die Wohnung, Stille, auf seine Rufe reagierte niemand. Jan Z. zog die Waffe und kontrollierte die Räume entlang des Flures, niemand da.

Der Flur führt auf das Schlafzimmer zu, vorsichtig stieß er die Tür mit dem Fuß auf und sah Nura M. in ihrem Blut liegen, sie lebte noch und sah ihn an. Jan Z. rief dem hinter ihm gehenden Kollegen zu, er solle sofort den Notarzt rufen, kniete sich neben Nura M., sprach mit ihr, schrie sie an, rief, sie solle wach, sie solle bei ihm bleiben. Er fragte, wer ihr das angetan habe, sie sagte einen Namen, dann starb sie, während der 23 Jahre alte Polizist Jan Z. neben ihr kniete und nichts mehr tun konnte.

Der Angeklagte wird beschuldigt, mit einem Messer dutzendfach auf die wehrlose Frau eingestochen zu haben. Foto: Ralf Roeger.

Am Mittwoch nun begann am Aachener Landgericht der Prozess gegen den Mann, dessen Namen Nura M. dem jungen Polizisten noch zugeflüstert hatte, er heißt Mohammad M., ist 37 Jahre alt, Nuras Ehemann und der Vater ihrer drei Kinder, drei, zehn und elf Jahre alt.

Der Angeklagte wird beschuldigt, mit einem Messer dutzendfach auf die wehrlose Frau eingestochen zu haben. Foto: Ralf Roeger.

Am 3.Dezember, einem Sonntag, hatte er seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau mit Dutzenden Messerstichen „mindestens 120 Stichverletzungen zugefügt“, wie der Kölner Rechtsmediziner Frank Glenewinkel (51) später feststellte. Eine solche Vielzahl von Stichverletzungen habe er in seiner Zeit als Arzt zuvor noch nie gesehen, erklärte er am Mittwoch dem Gericht. Mohammad M. leugnete nichts, er legte ein umfassendes Geständnis ab. Nicht durch seinen Anwalt, er selbst versuchte dem Vorsitzenden Richter Roland Klösgen zu erklären, wie und warum sich alles zugetragen habe.

Eine Familie, 1500 Menschen

Es war nicht das erste Mal, dass die Polizei in die Aachener Wohnung des Ehepaars kommen musste, schon zwei Mal war sie wegen häuslicher Gewalt in die Jülicher Straße gerufen worden, zuletzt im März 2017. Beide Male hatte Nura M. eine Anzeige wegen Körperverletzung gegen ihren Mann gestellt, die sie beide Male wieder zurückgezogen hatte. Mohammad M. erklärte am Mittwoch , es habe immer wieder Streit wegen Geldes, wegen seiner Schwiegermutter und wegen der mutmaßlichen Untreue seiner Ehefrau gegeben.

Mohammad M. ist irakischer Kurde wie seine Frau, wie sie wurde er in Kuwait geboren. Anders als sie besitzt er mittlerweile zusätzlich zur irakischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft. Wie unter Kurden nicht unüblich, heiratete er mit Nura M. eine Verwandte, eine Cousine zweiten Grades.

Die Familie der beiden ist riesig, allein in Deutschland zähle sie etwa 1500 Menschen, wie M. am Mittwoch sagte. Als er sie kennenlernte, habe er 30 Joints am Tag geraucht, Haschischzigaretten, und dennoch sei die Ehe zunächst harmonisch gewesen. So lange, bis ihnen der Strom in der Wohnung abgeschaltet wurde. Erst da sei er dahinter gekommen, dass seine Frau Rechnungen nicht bezahlt und stattdessen ihrer Mutter und anderen Mitgliedern ihres Familienzweiges Geld gegeben habe.

2013 trennte sich das Paar und reichte die Scheidung ein. Sie vertrugen sich wieder, zogen wieder zusammen. Das dritte Kind kam 2014 zur Welt. Bald darauf habe seine Frau das sexuelle Interesse an ihm verloren, sie sei fremdgegangen, sagte Mohammad M., das habe sie ihm irgendwann 2017 gestanden. Die endgültige Trennung erfolgte im März 2017.

Er zog zu seiner pflegebedürftigen Mutter nach Wolfsburg. Nura M. versuchte, ihn zurückzugewinnen, vergebens. Dann versuchte er, sie zurückzugewinnen, aber da wollte sie nicht mehr. Nach einem Telefonat Ende November 2017 habe er erstmals darüber nachgedacht, seine Frau zu töten. Er sei sich unsicher gewesen, „sie war ja die Mutter meiner Kinder“.

Am 3. Dezember nahm er nach einer Nacht, in der er viel Alkohol und Kokain konsumiert hatte, eine Messer aus der Küche seiner Mutter, ging zum Bahnhof, setzte sich in einen Zug und fuhr nach Aachen. Dort betrat er um kurz vor 20 Uhr die Wohnung, schickte die Kinder zu seinem Bruder, der in der Nähe lebt, und tötete seine Frau.

Als er tags darauf in Düren festgenommen wurde, erklärte er der Polizei, er habe „vor seiner Tat im Gebet Gottes Genehmigung“ eingeholt. Eine Polizistin sagte aus, M. habe gewirkt, als sei er „stolz auf seine Tat“; er habe von seiner „wiederhergestellten Ehre“ gesprochen. Doch am Mittwoch sagte M.: „Ich bin kein normaler Mensch, sonst hätte ich meine Frau nicht getötet.“

Der Prozess wird am Donnerstag um 9 Uhr in Saal A0.009 des Aachener Landgerichtes fortgesetzt. Ein Urteil könnte bereits am nächsten Dienstag gesprochen werden.

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