Aachen: Mit gebündelter Kraft gegen Pöbeleien am Aachener Bushof

Aachen : Mit gebündelter Kraft gegen Pöbeleien am Aachener Bushof

Die meisten Aachener kennen die Situation keineswegs allein aus den Schlagzeilen: Nicht nur wenn die Temperaturen um die 30-Grad-Marke pendeln, gilt das Umfeld des Bushofs allemal als heißes Pflaster. Kriminelle Umtriebe sind das Eine. Buchstäblich krankhafte Aggressivität und Vandalismus schlimmsten Ausmaßes aber sorgen mindestens in gleichem Maße dafür, dass viele, so sie denn können, einen weiten Bogen um die Peterstraße machen.

Zunehmend beschweren sich Bürger und Geschäftsleute über die aus ihrer Sicht katastrophale Situation — wenn Schwerabhängige Haltestellen in Beschlag nehmen, um dort gemeinsam zu zechen, Passanten belästigt werden, praktisch täglich Exkremente und Erbrochenes aus Haus- und Ladeneingängen beseitigt werden müssen.

„Wir müssen die Zusammenarbeit innerhalb der Städteregion verbessern. Die Wege sind momentan oft einfach zu lang“: SPD-Ratsfrau Rosa Höller-Radtke. Foto: Archiv

Konstruktive Lösungen kann bekanntlich niemand aus dem Hut zaubern. Ordnungsdezernentin Annekathrin Grehling will jetzt — wie sie vergangene Woche gegenüber unserer Zeitung betonte — immerhin mehr geschultes Personal bereitstellen, um den Auswüchsen „vor Ort“ Einhalt zu gebieten. Mit simplen Platzverweisen aber lässt sich die Lage offensichtlich nicht in den Griff bekommen. Zumal die Zahl der Menschen, die wegen akuter psychischer Probleme gar zwangsweise zur therapeutischen Behandlung eingewiesen werden müssen, weil sie eine unmittelbare Gefahr für sich selbst oder ihr Umfeld darstellen, drastisch wächst.

Täglich mit Streetworkern am Bushof im Einsatz: Mark Krznaric, Leiter des „Troddwar“. Foto: Harald Krömer

Allein in diesem Jahr prognostizieren die Fachleute einen weiteren Anstieg der einschlägigen „Fälle“ auf bis zu rund 800 allein in Aachen — im vergangenen Jahr waren es noch rund 650, wie bei der Stadt zu erfahren war. Betroffen sind natürlich keinesfalls allein die „sichtbar“ Verwahrlosten und Suchtkranken. Dennoch: „Wir müssen jetzt in der Tat dafür sorgen, dass alle beteiligten Kräfte — Behörden und Suchthilfe — noch enger zusammenarbeiten, um neue Hilfsangebote für Schwerstabhängige zu entwickeln“, meint SPD-Ratsfrau Rosa Höller-Radtke, Vorsitzende des städtischen Sozialausschusses. „Denn leider stellen wir fest, dass die Wege zwischen den Beteiligten allein durch die Zuständigkeit der Städteregion im Hinblick auf sozial- und gesundheitspolitische Aspekte länger geworden sind.

Es wäre sinnvoll, wenn der Oberbürgermeister und der Städteregionsrat sich auch im direkten Gespräch über Möglichkeiten austauschten, die Situation endlich zu verbessern.“ In jedem Fall wolle sie das Thema umgehend auf die Tagesordnung einer der nächsten Ausschusssitzungen heben.

Das Elend wird deutlicher sichtbar

Bis dahin freilich dürfte sich das Pflaster rund um den Bushof zumindest wetterbedingt abgekühlt haben. Denn natürlich spielten auch subjektive Ängste im Hinblick auf die buchstäblich überhitzte „Szene“ eine wichtige Rolle, sagt Mark Krznaric, Leiter des „Troddwar“ (ehemals „Café Relax“) am Kaiserplatz. Im Sommer werde das Elend auf den Straßen der City eben viel deutlicher sichtbar als in der kalten Jahreszeit. Während sich die Lage rund um die Anlaufstelle der Suchthilfe im Schatten von St. Adalbert sichtlich entspannt habe, liege der Schwerpunkt der Einsätze seiner Kollegen derzeit fraglos zwischen Blondelstraße und Peterskirchhof. „Wir sind dort jeden Tag mit unseren Streetworkern unterwegs, ich bin praktisch täglich in Kontakt mit dem Ordnungsamt“, betont Krznaric.

„Aber man muss sehen, dass wir es im Grunde nur mit einer sehr kleinen Zahl von vielleicht vier oder fünf Menschen zu tun haben, die immer wieder für Unruhe sorgen und keine Hilfsangebote annehmen wollen.“ Während das „Troddwar“ als Anlaufstelle täglich von rund 100 „Klienten“ aufgesucht werde, hielten sich im Umfeld der City-Passage allenfalls etwa 20 bis 25 Abhängige auf. „Und die Zusammenarbeit mit Polizei und Ordnungsamt ist hervorragend“, unterstreicht der Sozialarbeiter.

Heißt: Vertrauensbildende Maßnahmen seien aus seiner Sicht in ganz anderer Form gefragt. „Es wäre mit Sicherheit hilfreich, wenn wir etwa unser Projekt ,Queerbeet‘ auf den Bushof ausweiten könnten“, meint Krznaric. „Aber dafür bräuchten wir finanzielle Unterstützung. Zurzeit sind unsere Suchtkranken vor allem am Kaiserplatz erfolgreich aktiv, um Blumen zu pflanzen und Müll einzusammeln. Dabei werden sie immer von einem Kollegen begleitet.“

Wenn die Suchthilfe das Projekt auch rund um die Peterstraße etablieren könnte, hätte dies in jedem Fall einen weiteren entscheidenden Effekt: „Die Menschen können auf uns zukommen und uns direkt auf Probleme ansprechen.“ Das gelte übrigens auch für den Runden Tisch, an dem Vertreter der zuständigen Behörden und der Suchthilfe alle drei Monate zusammenkämen. „Schließlich kennen wir die potenziellen Störenfriede gut — und wir können auf sie einwirken, wenn es zum Beispiel gezielte Beschwerden von Geschäftsleuten oder Anwohnern gibt.“ Im Umfeld des Kaiserplatzes habe das in der Vergangenheit oft gut geklappt. Krznaric: „Wir wundern uns manchmal ein wenig, dass betroffene Bürger sich eher selten direkt an uns wenden, wenn es Probleme gibt. Auch für sie stehen unsere Türen am Kaiserplatz natürlich immer offen.“

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