Aachen: Mit der neuen Backstube nichts als Ärger

Aachen: Mit der neuen Backstube nichts als Ärger

Konditormeister Udo Petersohn ist mit seinem Wiener Café-Haus eine bekannte Adresse für Eis- und Kuchenfans in Laurensberg, Richterich und darüber hinaus. Doch der Spaß an der Herstellung leckerer Backwaren ist ihm gründlich vergangen, seit er wegen des Neubaus seiner Backstube in Richterich gewaltigen Ärger am Hals hat und am Rand des Ruins steht.

Seit vier Jahren nun liegt Petersohn wegen gravierender Baumängel bei seinem Bauprojekt in Rich­terich in einem Rechtsstreit mit der bauausführenden Firma, deren Vertreter er jetzt sogar wegen mutmaßlichen Betrugs anzeigte.

Will weiter kämpfen: Konditormeister Udo Petersohn hofft auf einen schnellen Termin im Strafverfahren. Foto: Harald Krömer

Das Aachener Gericht eröffnete daraufhin ein Verfahren. Denn die Firma, so Petersohn, soll den Stahl in tragenden Betonteilen, den Unterzügen, nicht sachgerecht verarbeitet haben, so dass alsbald nach der Fertigstellung dicke Risse auftraten, Decken mussten abgestützt werden, der Bau wurde nicht abgenommen und kann nur mit einer Sondergenehmigung genutzt werden.

„Nur Murks gemacht“

Ein erster Termin vor dem Amtsgericht war auf Anfang Februar angesetzt, wurde aber wegen eines Sterbefalls verlegt, inzwischen ist nun eine neue Richterin zuständig für den Fall Petersohn. Zivilrechtlich ist der Bäcker mit dieser Sache bereits beim Oberlandesgericht in Köln gelandet, nachdem er bereits eine Runde vor dem Aachener Landgericht verloren hat.

Hier wurde er trotz der Baumängel verurteilt, eine Restsumme von rund 50 000 Euro an die Baufirma zu zahlen. „Ein von mir beauftragter Sachverständiger hat eindeutig festgestellt, dass da nur Murks gemacht wurde“, schäumte Petersohn gegenüber den „Nachrichten“, das interessiere aber anscheinend niemanden.

Er sei ein einfacher Konditor und glaube inzwischen nicht mehr an die Sinnhaftigkeit der verschlungenen Rechtswege. Er hofft nun auf einen schnellen Prozesstermin im Strafverfahren, der bislang, wie Gerichtssprecher Richter Daniel Kurth bestätigte, noch nicht festgelegt ist.

Denn die Zeit drängt: „Seit Jahren kann ich meinen Betrieb nur mit Ausnahmegenehmigungen erhalten“, klagt Petersohn, mit den Nerven sichtlich am Ende: „Ich musste bis auf wenige alle meine Leute entlassen.“ Er sei jetzt „Besitzer einer Schrottimmobilie, die ich bei den laufenden Verfahren weder ordentlich fertigstellen, noch finanziell beleihen kann“, führt Petersohn Klage über die verfahrene Situation.

Wegen des Campus-Neubaus am Westbahnhof musste Petersohn damals seine Backstube an der Süsterfeldstraße zu einem festgelegten Termin räumen, schildert er den „Nachrichten“ den Beginn der Probleme. Dann wollte er neu bauen und gleichzeitig seine Backstube so einrichten, dass sie als Ausbildungswerkstatt jungen Leuten eine Berufsperspektive hätte bieten können. „Das war mein Plan, der mich jetzt unmittelbar in den Ruin führt“, klagt der Unternehmer, der inzwischen auch körperlich von einem „gesetzten“ Konditor zu einem „Strich in der Landschaft“ geworden ist.

Ausdrücklich aber bedankte sich der Handwerksmeister bei Oberbürgermeister Marcel Philipp, der bekanntlich gleichfalls einer Handwerkerfamilie entstammt. „Die Stadt hat sich sehr für mich eingesetzt“, schildert Petersohn die Lage. Ohne die Hilfe der Verwaltung und der damaligen Baudezernentin Gisela Nacken hätte er schon lange die Segel streichen müssen, jetzt könne er das Objekt zumindest teilweise nutzen.

Auch der Petitionsausschuss des Landtags mit dem Aachener Abgeordneten Karl Schultheis nahm sich der Sache an. Deren Tenor vom Juni 2015 ist unmissverständlich und sehr bestimmt. Darin schreibt der Landtag an den Aachener Konditor: Er, der Petitionsausschuss, „begrüßt es außerordentlich“, dass die Stadt die „vorzeitige Innutzungnahme“ des Betriebes — trotz bestehender Mängel — gestatte.

Zur endgültigen Nutzung bedürfe es jedoch eines „mängelfreien Berichts des Prüfstatikers“, schreiben die Düsseldorfer. Aber wie soll das gehen, wenn ob der offenen Rechtsstreitigkeiten und fehlenden Gutachten bis auf weiteres alles in jenem Zustand bleiben muss, wie er jetzt ist.

Große Hoffnung setzt Petersohn im Zivilverfahren auf das Kölner Oberlandesgericht, hier wird in etwa zwei Monaten eine Berufung gegen das Urteil des Aachener Landgerichtsurteils verhandelt. Ganz wichtig wäre für ihn, wenn bis dahin bereits die strafrechtliche Seite der Angelegenheit entschieden wäre.

Schreiben vom Finanzamt

Denn im Strafverfahren sollen endlich Gutachten zum tatsächlichen Zustand des Baus an der Roermonder Straße 533 eingeholt werden, und da ist Petersohn sich sicher: „Das wird Klarheit über die Schlampereien am Bau geben.“

„Es könnte meine Rettung sein“, hofft er und schaut gleichzeitig verzweifelt in den Aachener Regenhimmel: „Wenn doch nur die Eissaison wieder losgeht, dann kommen die Umsätze wieder.“ Die Betriebskosten laufen schließlich unvermindert weiter.

Sogar das Finanzamt riet dem Bäcker in einem Schreiben vom letzten Dezember unaufgefordert, doch mal zu überlegen, wegen jahrelanger Unrentabilität den Betrieb einfach zu schließen. „Das ist angesichts meiner Geschichte doch die Höhe, das ist blanker Hohn“, findet Petersohn.

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