Aachen: Mit dem „Rolli” durch den Alltag

Aachen: Mit dem „Rolli” durch den Alltag

Mit dem Rollstuhl nach hinten kippen, auf zwei Rädern balancieren und dabei nicht umfallen. Das ist gar nicht so einfach. Diese Erfahrung machten jetzt die Jungen und Mädchen der fünften Klassen der Maria-Montessori-Gesamtschule.

Mit Begeisterung haben sie sich im Sportunterricht in den Rollstuhl gesetzt, um am eigenen Leib zu erfahren, was es heißt, auf den „Rolli” angewiesen zu sein.

Die meisten von ihnen hätten ihn nach dem zweistündigen Unterricht am liebsten gleich behalten. „Cool” und „toll”, das waren ihre Reaktionen nach den Übungen. Auch für Anna-Maria Cipetic und Lars Wagenknecht war der Vormittag ein besonderes Erlebnis. Die beiden sind die ersten Rollstuhlfahrer an der Maria-Montessori-Gesamtschule. Ihren Mitschülern auf Augenhöhe zu begegnen, war auch für sie eine ganz neue Situation. Und genau das war beabsichtigt.

Deshalb waren Ute Herzog vom Deutschen Rollstuhl-Sportverband (DRS) und Übungsleiter Patrick Moser, selbst Rollstuhlfahrer, an die Schule gekommen. Sie wollten Verständnis für Menschen mit Behinderung wecken und zeigen, dass der Rollstuhl ein „pfiffiges Hilfsmittel und Sportgerät” ist. Und das auch für die, die eigentlich nicht darauf angewiesen sind.

So bot die Sporthalle dann ein ungewohntes Bild. 30 Schüler bewegten sich in Rollstühlen übers Feld, folgten der Anweisungen der Übungsleiter, lernten sich zu drehen, zu bremsen und zu kippen. Und hatten sichtlich Spaß dabei.

Erfahrung durch Selbsterfahrung

Ebenso wie Adelheid Wagenknecht, die das bunte Treiben vom Rande aus beobachtete. Als Mutter eines der ersten Rollstuhlfahrer an der Montessori-Gesamtschule hatte sie den Kontakt hergestellt. Mit dem Ergebnis ist sie zufrieden. „Inklusion und Mobilität - Rollstuhlsport macht Schule” heißt das Projekt, mit dem der Deutsche Rollstuhl-Sportverband an die Schulen geht. Dabei sollen die Schüler durch Selbsterfahrung spielerisch an das Thema Behinderung herangeführt werden.

Anschließend haben sie Gelegenheit, Patrick Moser nach seiner Behinderung zu befragen. Der 22-Jährige erzählt von seiner Geburt und den Schwierigkeiten, die zu seiner Behinderung geführt haben. Auch wenn er kein Gefühl in den Beinen hat, fährt er dennoch Auto. Dank einer Spezialanfertigung, die es im erlaubt, Bremse, Kupplung und Gas mit den Händen zu bedienen. „Patrick hat eine gute Vorbild-Funktion”, sagt Ute Herzog. Es mache anderen Betroffenen Mut, zu sehen, zu welchen Leistungen er in der Lage sei. Und so führt er auch bereitwillig vor, was sich mit so einem Rollstuhl alles machen lässt. Zum Beispiel hüpfen.

Türen sind manchmal schwierig

Auch Anna-Maria und Lars erzählen von ihrem Leben als Rollstuhlfahrer. Ihre Mitschüler haben sich offensichtlich längst an die beiden gewöhnt. Denn sie haben gleich eine Reihe von Lösungen parat für Situationen, in denen es mit dem Rollstuhl auch mal knifflig werden könnte. Schwierig sei es vor allem mit den Türen. Wenn die nach innen aufgehen, dann brauchen die beiden schon mal Hilfe. Die Schüler haben noch unzählige Fragen zum Leben eines Rollstuhlfahrers, und Ute Herzog freut sich über die gute Resonanz auf das Projekt.

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