Aachen: Mit dem Bezirksbürgermeister durch Laurensberg

Aachen : Mit dem Bezirksbürgermeister durch Laurensberg

Christian Krenkel breitet die Arme aus. „So groß ist Laurensberg“, sagt der Bezirksbürgermeister und kann mit seiner Spannweite natürlich nicht mal annähernd die Größe des größten Bezirks der Stadt andeuten. Denn hinter dem 59-Jährigen werden nicht nur das Universitätsklinikum und der Campus Melaten sichtbar.

Von links stiehlt sich sogar noch der Lousberg ins Blickfeld. Der gehört zwar streng genommen nicht mehr zum Bezirk Laurensberg, die vorgelagerte Soers samt Tivoli, Reitstadion und Justizvollzugsanstalt aber schon. So ist es gar nicht mal sehr übertrieben, wenn Christian Krenkel sagt: „Die komplette Entwicklung der Stadt Aachen spielt sich in Laurensberg ab.“ Man denke nur an die Hochschulerweiterung, die Alemannia, den Aachen-Laurensberger Rennverein mit CHIO und der Europameisterschaft im kommenden Jahr, sagt Krenkel. Die Aufzählung ließe sich noch fortführen.

Wie in so vielen Stadtbezirken gilt auch in Laurensberg der Verkehr als eines der größten Probleme. Foto: Holger Richter

Der Lieblingsort: Zugegeben, sichtbar sind diese Dinge zwar nicht alle im Einzelnen von Christian Krenkels Lieblingsort aus. Aber der Spaziergänger auf dem Herzogsweg, der durch die Felder zwischen Laurensberg und dem Schneeberg oberhalb von Seffent verläuft, bekommt durchaus eine Ahnung von der Reichweite des nordwestlichen Stadtbezirks der Kaiserstadt. „Ich gehe hier gerne mit meiner Frau spazieren“, sagt der Bezirksbürgermeister. Von seinem Haus am Steppenberg kommend, am Golfplatz vorbei und den Schlangenweg hinauf, „kann man von hier oben sehen, wie schön die Landschaft im Bezirk ist“. Und wie wichtig.

Denn von dort, wo der Herzogsweg den Schlangenweg kreuzt, liegt es dem Betrachter quasi genau vis à vis gegenüber, gleich links vom Klinikum: das Hochschulerweiterungsgebiet Melaten. Für Krenkel einer der Motoren für die Entwicklung der ganzen Stadt. Mit direkten Auswirkungen vor allem auf den Stadtbezirk Laurensberg, dem der 59-Jährige nun schon seit November 2010 als Bezirksbürgermeister vorsteht. Denn diejenigen, die dort arbeiten, wollen schließlich irgendwo wohnen und von dort zu ihrem Arbeitsplatz gelangen, womit der Diplom-Agrar-Ingenieur das größte Entwicklungspotenzial seines Bezirks und das größte Problem zugleich genannt hat, nämlich die Wohnbebauung und den Verkehr.

Die besten Aussichten: Der riesige Bezirk Laurensberg unmittelbar vor dem Zentrum ist als Wohnstätte ungemein attraktiv. „Früher waren die vielen Gutshöfe wie Nierstein, Seffent oder Schurzelt die Nahrungslieferanten für Aachen, heute liefert Laurensberg die Wohnungen für das Oberzentrum“, sagt Christian Krenkel, der seine Erfahrungen so zusammenfasst: „Irgendwie wollen alle nach Laurensberg.“ Und er weiß auch warum: „Weil es hier so schön ist mit viel grüner Landschaft. Und trotzdem gibt es hier alles, was die Menschen zum Leben brauchen.“

Ortsnahe Arbeitsplätze und Versorgung, ein aktives Vereinsleben und spätestens nach Fertigstellung des neuen Sandhäuschens auch ausreichende Möglichkeiten der Kinderbetreuung, zählt Krenkel auf. „Deshalb sind in unserem Bezirk zahlreiche neue Wohngebiete ausgewiesen.“ Etwa in den Bereichen Beulardstein, Kullen, Orsbach oder am alten Sandhäuschen. Und das ist aus seiner Sicht auch gut so, denn „jede junge Familie will ihr eigenes Haus haben“.

Zwar könne er verstehen, wenn Anwohner weiterhin gerne aus ihrer Wohnung ins Grüne schauen möchten, statt auf ein entstehendes Neubaugebiet. Aber zu seinem Arbeitscredo gehört auch, dass er den Bezirk für nachfolgende Generationen lebenswert machen möchte. Und dazu gehöre nunmal neben einer Erhaltung des Bestehenden auch eine zukunftsfähige Entwicklung. Denn zumindest für seinen Bezirk hat Christian Krenkel festgestellt: „Wir brauchen neue Wohnbebauung.“

Und deshalb unterstützt er auch die Entwicklung der Richtericher Dell im benachbarten Stadtbezirk. „Allerdings erst, wenn die verkehrliche Erschließung geregelt ist.“ Vorher dürfe dort nicht gebaut werden. „Da bin ich mit meiner Richtericher Kollegin Marlis Köhne völlig einig.“

Das größte Problem: Womit der Vater zweier erwachsener Kinder nahtlos zum größten Problem seines Bezirks übergegangen ist. Schließlich hat er in seiner politischen Laufbahn die Erfahrung gemacht: „Für die Menschen gibt es kein größeres Problem als den Verkehr.“ Und gerade für seinen Bezirk mit wachsender Wohnbebauung ist dieses Problem akuter denn je.

Eine Ad-hoc-Lösung hat auch er nicht parat. Für die Richtericher Dell, deren Verkehr auch zu großen Teilen durch Laurensberg führen würde, kann er sich eine Umgehungsstraße mit Tunnel unter der Bahnlinie vorstellen. „Da sind wir mit dem Oberbürgermeister im Gespräch.“ Und für die Erschließung des Campus Melaten präferiert er — auch nach dem Aus für die Campusbahn — eine schienengebundene Lösung, allerdings soweit wie möglich in den bestehenden Gleisen.

„Ich stelle mir vor, im Bereich zwischen Schlottfeld und Süsterau ein Parkhaus zu entwickeln, das dann eine einfaches Umsteigen in die Bahn zum Campus Melaten oder Campus-West ermöglicht.“ Mit dieser Einzellösung wäre dem Bezirk Laurensberg schon geholfen. Und mit Blick vom Herzogsweg auf das Klinikum fügt er hinzu: „Aber das ist ein Traum von mir.“

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