Aachen: Missbrauch an eigener Tochter erlaubt: Hohe Strafe für Mutter

Aachen : Missbrauch an eigener Tochter erlaubt: Hohe Strafe für Mutter

Ein in der Höhe des Strafmaßes absolut deutliches Urteil verhängte am Freitag die 5. Große Strafkammer am Aachener Landgericht gegen die wegen mehr als 150-fachen sexuellen Missbrauchs eines minderjährigen Mädchens angeklagten Aachener Dieter H. (57) und Michaela O. (45).

Begangen wurden die Taten zwischen 2008 und 2013. Zu Beginn des Zeitraums war das Opfer erst acht Jahre alt. Wegen schweren sexuellen Missbrauchs der Tochter der Angeklagten in der Wohnung ihres damaligen Lebensgefährten, des Kunstschmieds Dieter H., kassierte die Mutter eine Haftstrafe von achteinhalb Jahren. Der Lebensgefährte bekam mit neun Jahren und sechs Monaten Haft noch ein Jahr Gefängnis mehr als die Mutter.

Beide Angeklagten waren bereits zu Beginn des Verfahrens unter dem Vorsitz von Richterin Regina Böhme geständig, ansonsten wären die Strafen noch höher ausgefallen. Im Strafmaß enthalten sind Freiheitsstrafen von jeweils um die drei Jahre Haft, die das Paar bereits in einem Prozess aus dem Jahr 2016 erhalten hatte.

Damals war es darum gegangen, dass sie die Tochter ab ihrem neunten Lebensjahr in Sex-Tauschbörsen des Internets angeboten und schließlich an einen aus der Schweiz anreisenden pädophilen „Kunden“ verkauft hatten. Das heute 17-jährige Mädchen, das bei einer Pflegefamilie lebt, hatte den Behörden nochmals das ganze Ausmaß des Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung geschildert.

Gerade die Rolle der Mutter war im Verfahren Gegenstand ausführlicher Erörterungen. Immer wieder war sie nicht nur gefragt worden, wie sie das alles habe zulassen können. Und es ging noch um mehr. Aus diversen aufgezeichneten Chats des Lebensgefährten mit Gleichgesinnten ging hervor, dass er selbst für seine Missbrauchshandlungen zumeist die Mutter des Kindes um Erlaubnis fragen musste.

Spätes Geständnis

Die Frau hatte sich vor Gericht gerechtfertigt, das ganze sei „ein schleichender Prozess“ gewesen, den sie anfänglich nicht mitbekommen haben wollte. Doch in der kleinen Wohnung des arbeitslosen Schmieds im Aachener Ostviertel waren die Taten kaum über längere Zeit zu verheimlichen.

Letztlich gestand die 45-Jährige in dem Prozess, sie habe sexuell Gefallen an den Übergriffen des Lebensgefährten auf ihre Tochter gefunden und sich dabei selbst befriedigt. Das erweiterte Ausmaß des Missbrauchs, so die Richterin in der Urteilsverkündung, erstreckte sich jedoch auch auf eine aktiv erteilte Erlaubnis der Mutter, sexuelle Handlungen an ihrer Tochter zuzulassen.

So hatte sich der Angeklagte in einem Chat in einer Pädophilen-Internetplattform beklagt, dass er nicht wisse, ob seine Lebensgefährtin die Tochter am entsprechenden Tag zum ihm lasse und er sie missbrauchen könne. „Warum haben Sie das getan?“, hatte Richterin Regina Böhme mehrfach gefragt, jedoch nie erschöpfende Antworten bekommen.

Erst an einem der letzten Verhandlungstage hatte Michaela O. mit leiser Stimme zugegeben, jene Erlaubnisfunktion zur sexuellen Ausbeutung ihrer Tochter ausgeübt zu haben. Für Richterin Böhme waren dies Fälle von „besonders schwerem sexuellen Missbrauch“, den die Kammer in dieser Höhe habe bestrafen müssen.

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