Aachen: Mini-Bullterrier beißt Pudel tot: Gegen die Halterin gab es bereits Auflagen

Aachen : Mini-Bullterrier beißt Pudel tot: Gegen die Halterin gab es bereits Auflagen

Als die Polizei eintraf, lag der Pudel schon tot am Boden. Es muss ein kleines Drama gewesen sein, das sich da vergangenen Donnerstag abspielte. An der Hohenstaufenallee, Höhe Goethestraße, wurde ein Pudel von einem anderen Hund totgebissen.

Wie die Aachener Polizei später berichtete, war der Pudel an der Leine seines Frauchens, einer 79-jährigen Seniorin, auf dem Gehweg unterwegs. Sein Angreifer, so die Polizei weiter, kam unversehens über eine Mauer gesprungen und verbiss sich in sein Opfer — so lange, bis der Hund tot war. Vergeblich hatten die Halterin des Pudels und ein Passant noch versucht, die Tiere zu trennen.

Bei dem aggressiven Vierbeiner handelt es sich um einen Mini-Bullterrier und nicht, wie in der ersten Meldung der Polizei vermerkt, um einen Bullterrier. Diese Unterscheidung ist wichtig, denn der Bullterrier gehört zu den Hunderassen, die nach dem Landeshundegesetz Nordrhein-Westfalen zu den „gefährlichen Hunden“ zählen, ebenso wie zum Beispiel Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier oder Staffordshire Bullterrier. Wer einen solchen Hund halten will, braucht dafür eine Erlaubnis der Behörden und muss zum Beispiel nachweisen, dass er die erforderliche Sachkenntnis und Zuverlässigkeit besitzt. Und er muss Wohnung und Garten ausbruchsicher herrichten, sodass der Hund nicht entwischen kann.

Der Mini-Bullterrier (Minia­ture Bullterrier) dagegen gehört ausdrücklich nicht zu den „gefährlichen Hunden“. „Den Mini-Bullterrier können Sie halten wie einen Dackel“, erklärt Elke Wartmann, Abteilungsleiterin beim städtischen Fachbereich Sicherheit und Ordnung. In ihre Zuständigkeit fällt der blutige Angriff auf den Pudel. Für einen Miniatur-Bullterrier gelte keine Erlaubnispflicht. „So ein Hund darf auf Wiesen und im Wald auch ohne Leine geführt werden, wenn keine Menschenansammlungen in der Nähe sind.“

Maulkorbpflicht für den Mini-Bullterrier

Die Besitzerin des Tieres, eine 44-Jährige, hatte der Polizei gegenüber erklärt, ihr Hund sei hinter der Mauer angeleint und an einer Stange festgebunden gewesen, habe sich aber vermutlich befreien können. Allerdings ist die Frau als Hundehalterin offenbar kein unbeschriebenes Blatt. Denn für den Mini-Bullterrier war bereits eine Leinen- und Maulkorbpflicht angeordnet worden.

Das Ordnungsamt habe den Mini-Bullterrier gleich nach dem Zwischenfall sichergestellt, damit die akute Gefahr gebannt sei, erklärt Elke Wartmann. Gegen die Halterin wurde ein ordnungsrechtliches Verfahren eröffnet. Angesichts der früheren Anordnungen durch die Behörden ist es durchaus möglich, dass die Frau ihren Hund nicht zurückbekommt.

Ein solch dramatischer Zwischenfall mit einem Hund komme glücklicherweise sehr selten vor, bilanziert Wartmann. „In der Regel bleibt es bei Rangeleien zwischen Hunden. Allerdings werden Halter manchmal verletzt, wenn sie versuchen, die Tiere zu trennen.“

Ob „gefährlicher Hund“ oder nicht: Jeder, der einen Hund hält, muss ihn so halten, führen und beaufsichtigen, dass von dem Tier „keine Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgeht“. So steht es im Landeshundegesetz. Hätte die Halterin diese „allgemeinen Pflichten“ eingehalten, wäre der Pudel wohl noch am Leben.

Sichergestellte Hunde

Sichergestellte Hunde — mit diesem Thema hat auch das Aachener Tierheim häufig zu tun. „Immer wenn für einen Hund keine Haltegenehmigung vorliegt, wird der Hund sichergestellt“, erläutert Lutz Vierthaler, Vorsitzender des Tierschutzvereins für die Städteregion Aachen. In der Regel wird so ein Tier dann im Tierheim untergebracht, bis dessen Halter die erforderlichen Nachweise erbringt. Dass ein Hund nach einem Angriff sichergestellt werde, komme aber „super selten“ vor, sagt Vierthaler.

Was mit einem sichergestellten Hund weiter geschieht, ist nicht Sache des Tierheims. „Grundsätzlich verwalten wir nur“, sagt Vierthaler. Allerdings nutze man die Zeit, um das Wesen des Gastes zu begutachten. „Wir geben dem Hund erst mal eine Woche bis zehn Tage Zeit anzukommen“, erklärt Vierthaler. „Dann schauen wir ihn uns genau an.“ Wie reagiert der Hund auf andere Hunde? Wie reagiert er auf bestimmte Hunderassen? Ist er aggressiv gegen Menschen? Ist Potenzial erkennbar, ihn zu erziehen?

„Die abschließende Einschätzung eines solchen Tieres übernehmen die Behörden“, betont Vierthaler. Aber die Erkenntnisse aus dem Tierheim könnten wertvolle Hinweise geben. „Und die Zusammenarbeit mit den Behörden in der Städteregion ist sehr gut“, sagt der Vorsitzende des Tierschutzvereins.

Das Wesen eines Hundes, so Vierthalers Erfahrung, „ist zu 95 Prozent Erziehungssache“. „Der Hund spiegelt den Menschen an der anderen Seite der Leine.“

Die Halterin des Pudels, der die Beißattacke des Mini-Bullterriers nicht überlebte, hat unterdessen Strafanzeige gegen die Besitzerin des Mini-Bullterriers gestellt.