Aachen: Mini-Album: Rick Takvorian wandelt auf Solopfaden

Aachen : Mini-Album: Rick Takvorian wandelt auf Solopfaden

Kaum hat der Mann seinen 60. Geburtstag gefeiert, da will er noch mal richtig durchstarten: und zwar als Solokünstler. Musik ist zwar immer seine Leidenschaft gewesen, Rick Takvorian hat sie aber jahrzehntelang nicht so ausgelebt, wie er es gerne getan hätte.

„Ich hatte immer Bedenken wegen Konflikten, die in Zusammenhang mit meinem Job entstehen könnten“, sagt der Chef des städtischen Kulturmanagements. Sich selbst als Künstler beispielsweise für die Bühne am Hof zu verpflichten, wäre in der Öffentlichkeit sicher nicht so gut angekommen.

Die Phase hat er aber jetzt überwunden. Der Trennstrich zwischen beruflichem Engagement und privater Berufung ist gezogen, Probleme sieht er nicht mehr auf sich zukommen. Und so will der Singer/Songwriter künftig auch auf Solopfaden wandeln.

Seit 25 Jahren lebt der in Massachusetts geborene Kulturexperte nun schon in Aachen. Einen Namen gemacht hat er sich vor allem als Initiator des „Schrittmacherfestivals“, des Live-Musikfestivals „across the borders“ sowie als „geistiger Vater“ des Innovationspreises der Ludwig-Stiftung.

Takvorian stand schon in jungen Jahren oft als Backgroundsänger und Musicaldarsteller auf der Bühne, seine berufliche Karriere führte in aber aus dem Rampenlicht in die Etagen des kulturellen Managements.

„Vor etwa fünf Jahren habe ich dann die Veranstaltungsreihe ‚Café Rick‘ ins Leben gerufen, und seitdem singe sich auch wieder viel mehr“, sagt der Freund von Weltstar Peter Gabriel. Bei der Verleihung des Innovationspreises im Jahr 2006 an den Ex-Frontmann der berühmten Rockband Genesis lernten sich die beiden Musiker kennen. Das führte dann sogar dazu, dass Gabriel zwei Jahre später nochmals nach Aachen kam, um sein Projekt „Big Blue Ball“ im Ludwig Forum der Weltöffentlichkeit vorzustellen.„Wir stehen nach wie vor in Kontakt“, sagt Sänger und Multiinstrumentalist Takvorian.

Er ist seinem inneren Ruf gefolgt und hat ein von Ramon Creutzer exzellent produziertes Mini-Album mit sechs Eigenkompositionen auf den Markt gebracht. „The man who fooled the world“ heißt die EP, der Mitte des Jahres eine komplette CD folgen soll.

Die folkig-soulig-groovenden Songs sind mit Ausnahmen einiger minimaler Overdubs live eingespielt und stehen in klassischer Songwriter-Tradition. Takvorians variable Stimme und sein abwechslungsreiches Gitarrenspiel harmonieren sehr gut. Vor allem nach mehrmaligem Hören entfalten die kleinen Geschichten über Liebe, Familie und Politik ihre nachhaltige gefühlvolle Wirkung. Zu hören und zu erwerben sind Songs im Internet beispielsweise über Plattformen wie „Spotify“, „Deezer“ oder auch „Amazon“.

Sich selbst sieht Takvorian in der musikalischen Tradition von Nick Drake, der zwischen 1969 und 1972 drei legendäre Alben veröffentlichte, ehe er im Alter von nur 26 Jahren seinem Leben ein allzu frühes Ende bereitete.

Von dem tiefen Fall in eine Depression ist Rick Takvorian weit entfernt. Das 60 Jahre alte Multitalent steckt voller Tatendrang: Es will seine Songs Mitte März live in Aachen vorstellen, anschließend den zweiten Teil seines Singer-Albums mit Pianobegleitung fertig—stellen, um dann das komplette Werk zu vollenden. „Das ist wie eine Art Mutprobe“, gesteht Takvorian, „denn wenn Du etwas alleine machst, gibt es keinen doppelten Boden.“

Nicht nur seine musikbegeisterte Familie und er sind mit dem Ergebnis dieser ersten Produktion sehr zufrieden, auch sein Kumpel aus England, Peter Gabriel, hat schon ein positives Feedback abgegeben: „Ihm haben die Songs gefallen“. Höheres Lob kann es eigentlich kaum geben.

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