Aachen: Mike I.: „Kinder sind extrem ehrlich, deshalb mag ich sie so“

Aachen: Mike I.: „Kinder sind extrem ehrlich, deshalb mag ich sie so“

39 Tage war Michael Foellmer als Aachens Karnevalsprinz Mike I. in Amt und Würden. Doch mit Aschermittwoch ist für ihn und seinen Hofstaat alles vorbei. Am Dienstagabend ist er im Theater offiziell verabschiedet worden. Im Interview mit unserem Redakteur Holger Richter zieht der 48-Jährige eine Bilanz seiner jecken Regentschaft.

Welche CD liegt bei Ihnen daheim im CD-Spieler?

Foellmer: (lacht) Na, welche schon? Meine natürlich.

Können Sie Ihre Lieder nach mehr als 300 Auftritten überhaupt noch hören?

Foellmer: Klar. Mir war es bei unserer Musik wichtig, dass man sie immer wieder hören kann. Und das ist uns offenbar gelungen. Ich höre aber auch sonst gerne Karnevalslieder, etwa von Kasalla, und zwar das ganze Jahr über.

Sie haben schon bei Ihrer Bewerbung klargestellt, dass Sie wegen Beruf und Familie nur für eine kurze Session zur Verfügung stehen. Nun ist diese kurze Zeit schon vorbei. Ging das jetzt doch zu schnell?

Foellmer: Nein, es ist gut, dass es jetzt vorbei ist. Aber im positiven Sinne. In der kurzen Session hatten wir keine Pausen, keine Längen und so konnten wir die Zeit ganz intensiv genießen. Ich glaube, so ist es genau richtig.

Hat die Session Ihre Erwartungen erfüllt oder gab's Überraschungen?

Foellmer: Ich habe mal gelernt: Wenn man große Erwartungen hat, werden diese meist enttäuscht. Also bin ich ohne große Erwartungen in die Session gegangen und habe auf diese Weise viele Überraschungen erlebt.

Welche war die schönste?

Foellmer: Am emotionalsten war vielleicht die Begegnung mit Märchenprinz Julius am Rosenmontag nach dem Zug im Foyer des Rathauses. Da hat mich Julius umarmt und gesagt, er hätte sich keinen besseren Prinzenkollegen vorstellen können als mich. Als Prinz bekommt man sicher viele Komplimente und viele Menschen klopfen Dir auf die Schulter. Aber Kinder sind extrem ehrlich, deshalb mag ich sie so, also war das schon ein sehr bewegendes Lob.

Eine andere tolle Begegnung habe ich schon bei der Prinzenproklamation erlebt. Im Foyer vor der Bühne saß ein Mann im Rollstuhl. Und weil er nicht zu mir kommen konnte, bin ich halt zu ihm gegangen und habe ihm meinen Orden gegeben. Da hat er begonnen zu weinen und gefragt, womit er das verdient hätte. Und ich habe gesagt, weil Du Dir Zeit genommen hast, um mit mir Karneval zu feiern. Das war eine tolle Begegnung.

Apropos: Weinen. Sie haben mitunter aber auch nah am Wasser gebaut...

Foellmer: Ja, das stimmt. Etwa, als ich an meinem Geburtstag für die Kinderhospizarbeit gesammelt habe und in Laurensberg auf der Bühne recht spontan gesagt habe, dass das Geld für die Kinder sei, die vielleicht schon bald nicht mehr mit uns Karneval feiern können, da musste ich schon schlucken und die Tränen schossen mir in die Augen.

Wie geht es jetzt weiter für Sie?

Foellmer: Bis zum Wochenende habe ich noch frei. Am kommenden Montag gehe ich wieder arbeiten.

Und wo und in welcher Funktion werden Sie den Rosenmontagszug 2019 erleben?

Foellmer: Das ist eine gute Frage. Ich werde dem Karneval mit Sicherheit erhalten bleiben, wo und in welcher Form weiß ich aber noch nicht. Ich werde es in der kommenden Session mit Sicherheit erstmal ruhiger angehen lassen und den Karneval in Ruhe genießen. Und wenn ich dann eine Funktion übernehme, dann nur dort, wo ich auch etwas bewegen kann.

Sie wollten nicht als „geilster Prinz“ abtreten, sondern mit dem „geilsten Hofstaat“. Ist das gelungen?

Foellmer: Ich denke schon. Das sagen auch viele Menschen, die unsere Auftritte auf Facebook kommentieren. Ich bin sehr glücklich, dass uns das gelungen ist.

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