Aachen: Mies-van-der-Rohe-Schule kämpft mit niedrigen Abiturientenzahlen

Aachen : Mies-van-der-Rohe-Schule kämpft mit niedrigen Abiturientenzahlen

28 Abiturientinnen und Abiturienten werden in diesem Jahr am Beruflichen Gymnasium der Mies-van-der-Rohe-Schule in Aachen entlassen. Nur 28, muss man wohl sagen. Im vergangenen Jahr lag die Zahl der Abiturienten an dem Berufskolleg der Städteregion an der Neuköllner Straße immerhin noch bei knapp 50, im Jahr davor bei fast 60. Schulleiterin Ute Dreser betrachtet die rückläufigen Zahlen schon seit Jahren mit Sorge.

„Aber so wenige hatten wir noch nie“, sagt sie. Kritisch sei die Situation für das Berufliche Gymnasium derzeit noch nicht. „Aber wenn die Zahlen weiter sinken …“ Einen Grund für die rückläufigen Schülerzahlen sieht Dreser in mangelnder Information über das Angebot ihrer Schule. Und das habe viel damit zu tun, dass es rund um Aachen immer weniger Realschulen gibt.

Denn längst verschwinden nicht nur die Hauptschulen von der Bildfläche. Ob Herzogenrath, Stolberg, Monschau, Würselen oder Alsdorf: In vielen Kommunen werden Realschulen geschlossen oder sind schon zu. „Und mit diesen Zubringerschulen fällt auch jede Menge Übergangsberatung weg“, beklagt Lehrer Eckhard Debour. Seit vielen Jahren tourt er — auf Einladung — regelmäßig durch die Schulen und informiert über die Angebote seines Berufskollegs. Und die sind vielfältig. Neben dem Beruflichen Gymnasium gibt es noch eine ganze Palette an Bildungsgängen. Die Stadt Aachen hat zwar noch drei Realschulen, aber mittlerweile auch schon vier Gesamtschulen.

Technik gilt als schwierig

„Die Realschulen“, sagt Debour, „praktizieren die Übergangsberatung vorbildlich“. Mit der massiven Veränderung der Schullandschaft werde eine solche Übergangsberatung aber auch an Gymnasien und Gesamtschulen nötig, ist er überzeugt: „Das müsste es in jeder neunten und zehnten Klasse geben. Wir wünschen uns eine faire Chance, unser Angebot vorzustellen.“ Schulformen, die eine eigene gymnasiale Oberstufe haben, haben aber in der Regel nicht unbedingt ein Interesse daran, ihre Neuntklässler auf die Bildungsangebote eines Berufskollegs hinzuweisen.

Und was noch dazukommt: Das Berufliche Gymnasium an der Mies-van-der-Rohe-Schule ist auf Technik spezialisiert. Und Technik gilt bei vielen jungen Leuten als schwierig und wenig attraktiv. Da haben andere Berufskollegs mit anderen Schwerpunkten es einfacher.

Das Berufliche Gymnasium der Mies-van-der-Rohe-Schule besteht im kommenden Jahr bereits seit 30 Jahren. Es ist das einzige Berufliche Gymnasium in der Region mit einem technischen Profil. Nach drei Jahren in der gymnasialen Oberstufe erwerben die Schüler die Allgemeine Hochschulreife, können danach ein Studium jeglicher Fachrichtung anstreben. In der Schulzeit aber spezialisieren sie sich bereits in einen technischen Schwerpunkt: Maschinenbautechnik, Elektrotechnik oder Bautechnik. Aus Sicht der Schulleiterin erwerben sie damit bereits in der Schule Qualifikationen, die sie in einer zunehmend digitalisierten Welt sehr gut brauchen können.

Mancher Gymnasiast erfahre erst in der gymnasialen Oberstufe, dass es einen Weg zum Abitur gibt, der seinen Neigungen womöglich mehr entspricht. „Durch frühzeitige Informationen könnte man manchem Kind viel Frust ersparen“, findet Eckhard Debour. „Aber leider werde ich an viele Schulen nicht eingeladen.“

Ute Dreser, selbst studierte Maschinenbauerin, ist überzeugt: Wer in seiner Gymnasialzeit am Beruflichen Gymnasium die intensive Mathematikförderung genießt, wer Mathematik schon in der Schule technikbezogen und anwendungsorientiert lernt, der hat es später in Ausbildung oder Studium sehr viel leichter: „Und die Industrie wartet dringend auf Menschen, die in der Technik einen Vorsprung haben.“

Zahlreiche Bildungsgänge

Und es muss ja nicht unbedingt das Abitur sein. Es gibt an der Neuköllner Straße beispielsweise auch die Fachoberschule für Technik, die Höhere Berufsfachschule für Technik, die Ausbildung zum Maschinenbautechnischen Assistenten (MBTA) ... Ganz neu ist der Bildungsgang in der Höheren Berufsfachschule mit dem Schwerpunkt Holztechnik, der in zwei Jahren zum Fachabitur führt.

Um mehr auf sich aufmerksam zu machen, haben die neun Berufskollegs der Städteregion in diesem Jahr sogar eine Imagekampagne gestartet. „Aber das verpufft“, klagt Dreser. „Wenn wir nicht in die Schulen hineindürfen, haben wir keine Chance.“

Fürs neue Schuljahr sieht es am Beruflichen Gymnasium der Mies-van-der-Rohe-Schule derzeit ganz gut aus. „Wir haben bisher 41 Anmeldungen“, berichtet Ute Dreser. Ob alle Angemeldeten tatsächlich Ende August in den Klassen sitzen, hängt allerdings auch davon ab, ob sie auf ihrem Zeugnis den begehrten Qualifikationsvermerk für die gymnasiale Oberstufe haben.