Aachen: „Michael Kohlhaas“: Der Ärger des Pferdehändlers ist hochaktuell

Aachen : „Michael Kohlhaas“: Der Ärger des Pferdehändlers ist hochaktuell

„Das kann doch nur ein Irrtum sein“, sagt Kohlhaas, als man ihm an der Grenze nach Sachsen einen Passschein abverlangt. Der Pferdehändler sieht sich gezwungen, zwei Pferde zurückzulassen. Letztlich aber ist alles nur ein Manöver des Junkers von Wenzel, der Kohlhaas um die Tiere prellen will. Laut Uwe Brandt, Intendant des Grenzlandtheaters, ist Kleists Geschichte über den Pferdehändler, der sich mit seinem Schicksal nicht abfindet, brandaktuell.

Greta, das junge Grenzlandtheater, hat sich dieses Stück von Heinrich von Kleist erarbeitet, und bringt es am Mittwoch, 11. Oktober, um 12 Uhr im Geschwister-Scholl-Gymnasium, Stolberger Straße 200, erstmals auf die Bühne. Die Reaktionen der Schüler des neunten Jahrgangs, die sich auf die Aufführung vorbereitet haben, seien sehr positiv, meint Theaterpädagogin Anja Geurtz. Die Schauspieler greifen bei ihrer Aufführung auf eine Version von Michael Miensopust zurück, der Kleists Original sprachlich vereinfacht und damit zugänglicher für junge Leute macht.

Für Schauspielerin Carolin Sophie Goebel ist das Stück eine Riesenherausforderung. Sie allein spielt neben Dominik Penschek (Kohlhaas) 15 Rollen. Und so springt sie von einer Figur zur nächsten, ist einmal der habgierige, hartherzige Junker, dann wieder die liebende Ehefrau. „Das ist super“, sagt sie, „so bin ich ganz im Fluss, und muss nicht lange auf meinen nächsten Einsatz warten.“ Dem Zuschauer bleibt nur, die ständigen Rollenwechsel fasziniert zu beobachten. Laut Regisseur Patrick Dollmann funktionieren die nur mit so hervorragenden Schauspielern, „wie es Carolin Sophie Goebel und Dominik Penschek sind“: Sie allein bewältigen das ganze Stück.

„Und auch das kommt bei den Schülern des Geschwister-Scholl-Gymnasiums sehr gut an“, meint Anja Geurtz. Denn deutlich wird dabei vor allem auch, was Schauspieler leisten können. Kohlhaas verliert sich im Laufe des Stücks immer weiter in seiner Suche nach Gerechtigkeit und setzt dafür letztendlich alles aufs Spiel, was ihm einmal lieb und wichtig war. Das Thema ist nach Meinung von Uwe Brandt auch heute noch höchst interessant. „Kohlhaas geschieht Unrecht“, sagt er, und er reagiere darauf nahezu fanatisch, verbohrt und verbissen. Wäre es da nicht besser, er würde Ruhe geben?

Diese Frage stellt sich dem Zuschauer. Die Schüler der neunten Klassen haben sich in Vorbereitung auf die Premiere schon intensiv mit dem Stück befasst. „Sie sind sehr interessiert an dem Stoff“, meint Anja Geurtz. „Das Theater erfüllt mit der Inszenierung von Klassikern auch einen Bildungsauftrag“, sagt Brandt. Wenn es den Schauspielern gelingt, die jungen Zuschauer in ihren Bann zu ziehen, und das trotz einer altertümlich anmutenden Sprache, dann haben sie genau diesen Auftrag erfüllt.

Generalprobe am Dienstag

Zur Generalprobe am Dienstag, 10. Oktober, um 18 Uhr, in der Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums sind alle Interessenten eingeladen. Die Premiere ist am Mittwoch, 11. Oktober, um 12Uhr. Nach mehreren Aufführungen im Geschwister-Scholl-Gymnasium geht das Junge Grenzlandtheater dann auf Tour: Weitere Vorführungen sind in Monschau, Stolberg und Alsdorf geplant. Außerdem können Gastspiele auch noch gebucht werden.

Weitere Informationen zum Stück, auch zu den Buchungen gibt es bei Anja Geurtz unter Telefon 0241/4746117 und per E-Mail an greta@grenzlandtheater.de.

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