Aachen: Michael Baudouin ist der neue Theaterleiter des Apollo-Kinos

Aachen : Michael Baudouin ist der neue Theaterleiter des Apollo-Kinos

Menschen zu berühren, das hat sich David Baudouin auf die Fahne geschrieben. Der 40-jährige ist der neue Theaterleiter des Apollo-Kinos an der Aachener Pontstraße. Vor wenigen Wochen ist der ausgebildete Filmproduzent für seine neue Aufgabe extra von Köln nach Aachen gezogen. Und hier kann er seine Leidenschaft für Filme und den Umgang mit Menschen vereinen.

„Ich mag den Kontakt zu Kunden, das nehme ich auch persönlich in die Hand. Zu sehen, wer schaut sich welchen Film an — das ist das interessanteste für mich“, sagt er.

In den Menschen Emotionen hervorrufen, das wollte der gebürtige Finne schon immer. Schon als er vor vielen Jahren seine Ausbildung zum Koniditor machte. Doch dann bekam er eine Mehlallergie, musste umplanen. „Der Grundgedanke, Leute zu berühren, ist geblieben. Das geht auch in der Filmbranche, deshalb bin ich dorthin gewechselt“, erklärt er.

Er lässt sich zum Produzenten ausbilden. Das Weiterbildungsprogramm „Atelier Ludwigsburg-Paris“ schließt er 2010 in Deutschland ab und bleibt im Land. Er spezialisiert sich auf europäische Filmproduktion, Verleih und Vertrieb und arbeitet danach in unterschiedlichen Kinos.

Als Sohn eines Franzosen und einer Finnin sei er Europa insgesamt sehr zugewandt, sagt er. „Der Mix von Sprache und Kultur, das macht für mich Europa aus.“ Deshalb möge er auch die Stadt Aachen und die Grenzregion so. Die meisten Kunden seien zwar Aachener, aber wenn Originalfassungen von Filmen auf Englisch oder Französisch liefen, kämen auch Niederländer oder Belgier ins Kino.

Das im Apollo hauptsächlich Filme laufen, die nicht die breite Masse ansprechen, findet Baudouin gut. „Kultur ist uns wichtig. Das möchte ich auch weiterhin unterstützen“, sagt er. Gemeinsam mit dem Besitzer des Kinos wählt er die Streifen aus. Gute Filme gebe es viele. Deshalb würde das Programm auch so häufig wechseln. „Oft meinen Kunden: Jetzt ist der Film im Kino, den ich sehen will. Ich gehe nächste Woche rein“, doch dann laufe er meist nicht mehr, erläutert er. Und er äußert einen ganz klaren Wunsch: Die Kunden sollten sich die Zeit sofort nehmen, wenn sie etwas sehen möchten.

Der Finne ist Tarantino-Fan

Mittwochs bis samstags steht er abends selbst mit an der Kasse und berät die Besucher, die noch nicht wissen, was sie sich ansehen möchten. In der Regel laufe in den vier Kinosälen mit rund 330 Plätze für jeden etwas.

Welchen Film er selbst am liebsten sieht, darauf weiß Baudouin schnell eine Antwort: Reservoir Dogs, der erste Kinofilm des Regisseurs Quentin Tarantino aus dem Jahr 1992 — ein Klassiker. „Den habe ich bestimmt schon zehn Mal gesehen“, sagt der Theaterleiter. Ein Aha-Erlebnis habe er gehabt, als der Streifen in die Kinos kam. Das man mit einem kleinen Budget so etwas machen könne, habe ihn fasziniert. Genauso wie die Atmosphäre. Das sei auch heute noch so. „Kino bleibt ein Ort zum Treffen — auch in Zukunft. Einen Film kann man auch zu Hause sehen, aber erleben kann man ihn nur im Kino.“ Das geteilte Erlebnis stehe im Vordergrund, sagt er, und seine Begeisterung für das Metier ist förmlich greifbar, während er von seinem Job erzählt.

In Zukunft wird er sich im Apollo um alles Technische und das zehnköpfige Team kümmern, Sonderveranstaltungen planen und Partnerschaften pflegen. Als Herausforderung sieht er die Arbeit in der Öffentlichkeit. Da müsse er manchmal auch vor vielen Menschen sprechen, da sei er als Nicht-Muttersprachler vorher auch nervös. Doch das nehme er gerne in Kauf für seinen Traumjob — und seine Kunden.

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