Aachen: Messerattacke: Zehn Jahre Haft gefordert

Aachen: Messerattacke: Zehn Jahre Haft gefordert

Staatsanwältin Claudia Schetter und Nebenklage-Anwältin Silke Kirchvogel waren sich einig im Plädoyer: Der mutmaßliche Messerstecher Marko H. soll wegen versuchten Mordes an seiner Chefin Bärbel K. (38) für zehn Jahre in Haft.

Vorher aber müsse der „minderbegabte” Angeklagte dringend auf unbestimmte Zeit in der Psychiatrie behandelt werden, schloss sich die Anklage dem Gutachten der Psychiaterin Dr. Dina Mörth an. Sie hatte dem Zwei-Meter-Mann einen minderen IQ von etwa 60 Punkten an der „Grenze zur Debilität” (Schwachsinn) bescheinigt.

Doch so einfach wollte die Staatsanwältin den Angeklagten vor dem Schwurgericht nicht von der Leine lassen. „Es gibt Hinweise, dass er gar nicht so dumm ist, wie er uns Glauben machen will.” Dazu zählt die Staatsanwältin das durchaus komplizierte Vorgehen vor den Messerstichen am 19. Oktober in der Zeitarbeitsagentur am Theaterplatz.

Das Grundschema habe sich ebenso in früheren Taten gezeigt, bei denen es stets um Bedrohung und Stalking von Frauen ging. H. scheint unter dem Zwang zu stehen, dass ihn Frauenröcke völlig antörnen, „sie machen ihn kribbelig, ganz verrückt”, nahm Schetter die eigenen Formulierungen des mutmaßlichen Täters auf.

Als die gut aussehende Chefin am Morgen des 19. Oktober ihm verständlicherweise den Zugriff auf ihren Rock verweigerte, steigerte er sich den Tag über in eine psychische Ausnahmesituation hinein. Noch zwei Minuten vor der Tat - so die Staatsanwältin ihre Auffassung, dass es sich um einen versuchten Mord aus niederen Beweggründen handelt - schickte er eine obszöne SMS von seinem Handy an Bärbel K.. „Du bist eine kleine Schlampe, ich werde dich vergewaltigen und töten. Du hast mich nicht deinen Rock anfassen lassen, das macht mich sehr sauer”, erschien um 17.11 Uhr im Handy von Bärbel K. - die „Shortmessage” kam zu spät, im Haus am Theaterplatz war wie so oft das Handy-Netz nicht verfügbar.

So blieb die 38-Jährige ohne Chance und lief blind in ihr Verderben. Denn zwei Minuten später fiel der große Mann mit dem Röcke-Tick mit einem kurz zuvor gekauften Küchenmesser über sie her und verletzte die blonde Frau mit zwei Stichen in den Bauch schwer, einer ging in den Rücken - sie schaffte es nur knapp bis in den Flur vor dem Caf Opera.

„Seine Zielgruppe sind Karrierefrauen”, an die der einfach gestrickte Mann ansonsten nicht herankomme, befand die Staatsanwältin und erkannte weiter: „Die perfiden Drohungen geben ihm ein Gefühl von Macht”. In drei weiteren Fällen hatte er Frauen in Aachener Geschäften in Angst und Panik versetzt, drohte per Telefon damit, dass ein Vergewaltiger zu ihnen käme und ihnen den Garaus mache. Schetter forderte angesichts seiner verminderten Schuldfähigkeit eine zehnjährige Haftstrafe, zudem soll eine sofortige Unterbringung in der Psychiatrie angeordnet werden.

Der Bonner Verteidiger des Angeklagten, Sebastian Holbeck, war nicht dieser Meinung. Sein Mandant habe keine Tötungsabsicht gehabt, denn eigentlich „mag er die Frau K.”.

Auch Verteidiger Rainer Dietz warb bei dem Opfer um ein wenig Verständnis, obgleich der Angeklagte später aus der Haft Drohbriefe geschrieben hatte: „Er versteht es nicht besser”, entschuldigte sich Dietz für seinen Mandanten. Richtig sei auf alle Fälle, dass der Angeklagte in die Psychiatrie solle, als Freiheitsstrafe, das meinten beide Verteidiger, würden siebeneinhalb Jahre reichen.

Das Urteil wird am kommenden Montag, 26. April, um 10 Uhr gesprochen.