Aachen: Menschen, die aneinander vorbeidenken: Comic-Zeichnerin Hamed in der Stadtbibliothek

Aachen: Menschen, die aneinander vorbeidenken: Comic-Zeichnerin Hamed in der Stadtbibliothek

Ihre Unsicherheit mit Blick auf die eigene Identität hat die Künstlerin Soufeina Hamed bewogen, ihre Erlebnisse, Gefühle und Eindrücke in Form von Comics festzuhalten. „Ich habe schon mit sechs Jahren angefangen zu zeichnen“, sagte sie und zeigte dem Publikum in der Stadtbibliothek ihre ersten Versuche.

Soufeina Hamed wurde in Tunesien geboren und wuchs in Berlin auf. Ihr Vater ist Tunesier, ihre Mutter Deutsche. Sie selbst sei also so etwas wie eine muslimische Deutsche oder eine deutsche Muslima. „Geht das überhaupt?“, lautet die Frage, die sie sich im Laufe ihres Lebens immer häufiger gestellt hat. Und sie hat die Erfahrung gemacht: „Rassismus ist nicht immer beabsichtigt. Aber er tut immer sehr weh.“

In ihren Comics, die im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen den Rassismus“ derzeit in der Stadtbibliothek ausgestellt werden, treffen die unterschiedlichen Welten immer wieder aufeinander. „Mit dem Begriff Migrationshintergrund habe ich nie viel anfangen können“, sagt Hamed und sucht diesen ominösen Hintergrund entsprechend hinter dem Kopftuch einer Muslima.

Überhaupt spielt das Kopftuch in den Arbeiten der praktizierenden Muslima eine ganz große Rolle. So entfremdet sie beispielsweise Jan Vermeers Gemälde „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“, indem sie dem hellhäutigen und blauäugigen Original arabische Züge verleiht und es mit einem Kopftuch versieht, so wie es Muslimas tragen. Und der Betrachter erkennt mit einem Schmunzeln, wie nah beieinander beide Versionen sind.

Missverständnisse im Alltag

Ganz getreu der Devise „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ bringt Soufeina Hamed Berührungsängste zwischen den Kulturen auf den Punkt. „Heute fühle ich mich wieder wie ein Alien“ ist demnach ein Satz, mit dem junge, kopftuchtragende Muslimas gern zum Ausdruck brächten, wie sie sich in Deutschland manchmal fühlen. Auch zu diesem Gefühl gibt es den entsprechenden Comic. Er zeigt zwei Frauen im Bus. Eine Muslima mit Kopftuch steht an der Tür, nicht weit davon entfernt sitzt eine blonde Frau und schaut etwas „verkniffen“.

Wie in einer Gedankenblase taucht im nächsten Bild ein blauer Alien auf. „Denn genauso fühlen wir uns in solchen Momenten“, sagt Soufeina Hamed. Wie sehr Frauen aus unterschiedlichen Kulturen anein­ander „vorbeidenken“ können, zeigen die „Gedankenblasen“ in einem anderen Bild. Zwei Frauen sitzen auf einer Bank und beäugen sich verunsichert. Die Muslima mit Kopftuch denkt: „Sie mag mich nicht, weil ich Muslima bin.“ Und die andere Frau denkt: „Sie mag mich nicht, weil ich keine Muslima bin.“

„Gar nicht so verschieden“

„Wenn wir den Blick aufeinander richten, dann stellen wir fest, dass wir gar nicht so verschieden sind“, sagte Bürgermeisterin Hilde Scheidt bei der Ausstellungseröffnung, mit der in Aachen auch gleichzeitig die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ eingeleitet wurden. „Auf die Gemeinsamkeiten schauen und nicht nur immer das hervorheben, was die unterschiedlichen Kulturen von­ein­ander trennt“, ist die Botschaft, die an diesem Abend im Mittelpunkt stand.

Zudem brach Bürgermeisterin Hilde Scheidt eine Lanze für die Vielfalt. Sie hält das Thema „Rassismus“ für so wichtig, dass es ihrer Meinung nach auch Bundespräsident Franz-Walter Steinmeier gut zu Gesicht gestanden hätte, wenn er bei seinem Aachenbesuch einen Abstecher zur Ausstellungseröffnung gemacht hätte.