Aachen: Melatentag: Ein Fest im Rhythmus der Holzklappern

Aachen: Melatentag: Ein Fest im Rhythmus der Holzklappern

Das Geräusch von Holzklappern gab am Samstag den Tagesrythmus auf Gut Melaten vor. Klack-Klack, Klack-Klack - ob zur Friedhofsweihe, zur Podiumsdiskussion oder zum Konzert des Gospelchores gerufen wurde. Denn mit solchen Klappern warnten die Leprakranken im Mittelalter, wenn die Welt der „Gesunden” sich mit ihren eigenen Wegen kreuzte.

Aber die Lepra ist auf keinen Fall ein rein historisches Phänomen. Im Gegenteil, weltweit sind jedes Jahr fast 240.000 Neuerkrankungen zu vermelden, weiß Franz Tönnis von der DAHW, der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. Sein Stand informierte über die Kernländer der Erkrankung, wie zum Beispiel Brasilien und Indien. Europa hingegen ist auf der Lepra-Karte ein weißer Fleck - zumindest im Moment.

Krankheit der Armut

„Lepra ist eine Krankheit der Armut” erklärt Tönnis. Sie wird durch schlechte hygienische Umstände begünstigt. Und daher grassierte die bakteriell übertragene Seuche vor ein paar 100 Jahren natürlich auch massiv bei uns im Norden. Die Kranken wurden auf Höfen von der Gesellschaft abgeschottet. Und das war in Aachen - genau, Gut Melaten.

„Eine sehr große und reiche Anlage” betont Ralf Klötzer von der Gesellschaft für Leprakunde. In Münster-Kinderhaus hat er ein spannendes Projekt auf die Beine gestellt: Im ehemaligen Leprahospital der Stadt Münster residiert jetzt eine lebendige Informations- und Begegnungsstätte mit integriertem Museum. Neben seinen wissenschaftlichen Erfolgen ist Klötzer besonders auf die zahlreichen Schulprojekte stolz. Denn wenn die Lepra von unserer Lebenswirklichkeit auch weit entfernt scheint - als Modell für die Auseinandersetzung mit Gesellschaft, Akzeptanz und Ausgrenzung taugt sie allemal.

Völlig abgesehen von der prägenden historischen Rolle in unserer Geschichte. Als Modell für Melaten würden die zahlreichen Spezialisten, die aus der ganzen Republik angereist waren das Museum in Münster gerne sehen. Besonders Martin Uhrmacher von der Universität Luxemburg stellte die Bedeutung Melatens heraus:„Es ist in den gesamten Rheinlanden das einzige Beispiel, wo eine gesamte Anlage zumindest in der Struktur noch erkennbar ist. Das ist einmalig, das gibt es in dieser Größe nirgendwo sonst in Deutschland.” Und es ist eine der besonders reichen und üppigen Anlagen - wie es einer großen, bedeutenden Stadt gemäß war.

Auf diese herausragende Bedeutung weist die Melatengesellschaft Aachen seit sieben Jahren hin. Dass ihre Bemühungen inzwischen breit anerkannt und wahrgenommen werden, zeigten überdeutlich die 500 Besucher des Melatentages - und die Politprominenz, die zur Wiedereinweihung des Friedhofs am Vormittag gekommen war: Ob Christian Krenkel, der Laurensberger Bezirksbürgermeister, die Aachener Bürgermeisterin Hilde Scheidt oder Landtagsmitglied Karl Schultheiß - alle zeigten sich beeindruckt von dem Juwel, dass inzwischen am Schneebergweg mehr und mehr Konturen gewinnt.