Aachen: Mehrkosten: Bodenfunde machen Bauen zum Problem

Aachen: Mehrkosten: Bodenfunde machen Bauen zum Problem

Guter Cop, böser Cop, so bezeichnete Fachbereichsleiterin Regina Poth die Abfolge der Vorträge über die Stadtarchäologie im Planungsausschuss. Denn, wer hätte es gedacht: Archäologische Funde sind teuer und schlagen sich inzwischen als erhebliche Sonderausgaben im Haushalt nieder.

Dazu kosten sie Zeit bei den Tiefbaumaßnahmen, wie Poth berichten musste. Doch zuerst durfte Stadtarchäologe Markus Pavlovic die Ausschussmitglieder mit Erkenntnissen über Funde im Öcher Untergrund erfreuen.

So berichtete der Archäologe über die Grabungen am ehemals als „Brot-Schneider-Parkplatz” bekannten Areal an der Jesuitenstraße. Nach den Grabungen dort am ehemaligen Prinzenhof-Palais habe man teilweise Aachens Stadtgeschichte der Römerzeit neu schreiben müssen.

Als Beispiel diente der Wehrgraben von zehn Metern Länge aus dem 2. Jahrhundert n. Ch.: Er wird dem Lager einer römischen Legion zugeschrieben, die hier quasi vor den Toren der Siedlung einquartiert war.

„Wir hatten eigentlich Aachen nicht als römische Garnisonsstadt auf der Rechnung”, meinte der Archäologe. Im diesem Bereich fand man übrigens eine Kleinkeramik aus dem 2. Jahrhundert.

Das Pferdchen mit Wagen mutete wie ein Kinderspielzeug an, wurde dann aber wegen mangelnder Abnutzungsanzeichen eher als Opferkeramik eingestuft, ein seltener Fund. Auch eine Gussform zur Herstellung antiker Nadeln begeisterte den Wissenschaftler. Auch ein erstklassig erhaltenes Skelett bescherte Erkenntnisfortschritte.

Denn der Leichnam war kurz nach seiner Beisetzung von Grabbeigaben „befreit” worden und konnte so zeitlich eingestuft werden: „Er ist aus dem 6. bis 8. Jahrhundert nach Christus.” Das sei ein Beweis dafür, dass in der „dunklen” Zeit bis zu Karl dem Großen doch Leben im nachrömischen Aachen vorhanden war.

All diese Grabungen führen allerdings zu einem aktuellen Finanzmehrbedarf von etwa 295.000 Euro, wie Poth ausführte, und einer Verlängerung der Bauzeiten - etwa beim Büchel - von rund vier Monaten. Künftig sollen, so der Vorschlag, bis zu 30 Prozent der Bausumme für archäologische Maßnahmen in den Haushalt eingestellt werden.

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