Mehr Personal und Technik für das Ausländeramt der Städteregion Aachen

Handlungsbedarf in der Städteregion : Mehr Personal und moderne Technik für das Ausländeramt

Die Bestandsaufnahme beginnt mit einem dicken Lob: „Im Ausländeramt der Städteregion gibt es einen hohen Leistungsanspruch, eine ausgeprägte Kundenorientierung und eine hohe Motivation“, stellt Gisela Horstmann von der Unternehmensberatung Ramböll fest.

Diese hat von Oktober 2017 bis September 2018 die viel frequentierte Behörde mit Sitz in der Hackländerstraße 1 in Aachen unter die Lupe genommen. Und das offenbar aus gutem Grund: Denn trotz der positiven Einstellung der Belegschaft gibt es im Ausländeramt großen Handlungsbedarf.

Mehr Personal, mehr moderne Technik, veränderte Abläufe und die Gründung eines Außendienstteams bilden die Kernpunkte der Empfehlungen, die die Experten aus Berlin formuliert und jetzt im städteregionalen Ausschuss für Personal und Informationstechnik vorgestellt haben. Die Stärke und der richtige Einsatz des Personals sind die wohl wichtigsten „Optimierungshebel“ im Ausländeramt.

Zusätzliche Stellen

So sehen die Berater in der Summe einen rechnerischen Bedarf von genau 12,14 zusätzlichen Stellen, um die vielfältigen Aufgaben des Amtes nicht nur vollständig und gesetzeskonform, sondern auch in einem für die Mitarbeiter zumutbaren Rahmen erfüllen zu können. Vier der besagten Stellen waren zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits im Plan, aber unbesetzt, die übrigen müssten auf die bis dato vorgesehenen 82,62 Stellen draufgesattelt werden. Dass es sich dabei nicht um eine übertriebene Forderung handelt, stellte Gisela Horstmann im Ausschuss klar: „Wir haben wirklich sehr viel Zeit in die Analyse investiert.“

Bei dieser offenbarte sich auch, dass es in der Städteregion eine im Bundesvergleich außergewöhnliche Praxis bei der Durchsetzung von Abschiebungen gibt. Diese fällt in die Zuständigkeit der „normalen“ Sachbearbeiter, die somit ebenso Anträge bearbeiten wie – mit landes- und bundespolizeilicher Unterstützung – Abschiebungen vollstrecken. Die Ramböll-Fachleute fordern mit Verweis auf die psychische Belastung und die erforderliche Spezialisierung für solche Einsätze die Einrichtung eines Teams für den Außeneinsatz.

Städteregionsrat Tim Grüttemeier quittierte den Vorschlag im Personalausschuss mit Kopfnicken. Und der zuständige Dezernent Gregor Jansen verwies zwar darauf, dass „die Praxis rechtlich einwandfrei ist“, räumte aber gleichwohl ein, dass die Aufgabe sehr belastend sei – auch, weil 24 Stunden am Tag und sieben Tage in der Woche mit Einsätzen gerechnet werden müsse.

Wesentliches Verbesserungspotenzial ist zudem bei der Steuerung der Kundenströme ausgemacht worden – jährlich werden mehr als 45.000 persönliche Vorsprachen gezählt. Die Unternehmensberater empfehlen die Schaffung eines Infopunktes zur Erstorientierung, an dem geregelt wird, welches Anliegen der Kunde hat und ob ein Termin vereinbart werden muss. Darüber hinaus sollte das bei der Städteregion schon bestehende Online-Portal auf das Ausländeramt ausgeweitet werden. Dies biete beispielsweise die Möglichkeit, Termine online zu vereinbaren, elektronische Akten anzulegen und deren Status jederzeit prüfen zu können. „Für die Mitarbeiter würde das eine beträchtliche Entlastung bringen“, ist Gisela Horstmann überzeugt.

Verbessert werden müsse auch die telefonische Erreichbarkeit. Inwieweit das Straßenverkehrsamt hier als Vorbild dienen könnte, blieb im Ausschuss offen. Gregor Jansen jedenfalls berichtete, dass das dort im vergangenen Juli eingerichtete Callcenter „ganz hervorragend“ funktioniere.

Dass sich die Situation im Ausländeramt allein durch die rückläufigen Zahlen von Flüchtlingen entspannen könnte, ist derweil nicht zu erwarten. „Wir haben auch ohne Flüchtlinge eine starke Zuwanderung“, erklärte Amtsleiterin Gabriele Grünewald. Außerdem würden die Familienzusammenführungen viel Aufwand bereiten.

Welche Schlüsse die Politik aus den Ergebnissen der Untersuchung ziehen wird, bleibt abzuwarten. „Wir haben jetzt jede Menge Handlungsempfehlungen. Die werden wir zunächst einmal in Ruhe in der Fraktion erörtern“, kündigte Franz Körlings (CDU) an und erntete dafür Zustimmung auch von den anderen Fraktionen. Klar, so stellte Parteikollege Axel Wirtz fest, sei aber schon jetzt: „Die Probleme im Ausländeramt sind nicht durch die Mitarbeiter bedingt, sondern haben strukturelle Gründe.“

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