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Aachen: Mehr Klassen für erwachsene junge Flüchtlinge

Aachen : Mehr Klassen für erwachsene junge Flüchtlinge

Es ist ruhig geworden um das Thema Flüchtlinge. Und das liegt nicht nur daran, dass Ferien sind und die schulische Inklusion da etwas aus dem Fokus gerät. „Anfangs ging es nur um die Notversorgung“, blickt Elisabeth Paul auf den Herbst zurück, als auch in der Städteregion Tausende Hilfesuchende untergebracht werden mussten.

Mittlerweile hat sich die Lage entspannt, der Ansturm hat sich gelegt. Die gesellschaftliche Herausforderung aber bleibt, ist die stellvertretende Städteregionsrätin und einstige Ratsfrau der Grünen überzeugt. „Jetzt geht es darum, diese vielen Menschen hier zu integrieren.“ Als Vorsitzende des Schulausschusses der Städteregion denkt sie vor allem an die jungen Flüchtlinge, wie sie im Interview mit unserem Redakteur Michael Grobusch berichtet.

Wie weit sind wir in der Städteregion bei den Bemühungen um die Integration von jungen Flüchtlingen?

Paul: Ich denke, wir sind insgesamt auf einem sehr guten Weg. Und mit Blick auf die Beschulung und Qualifizierung junger Flüchtlinge war der Beschluss des Städteregionstages, die Internationalen Förderklassen als integralen Bestandteil in die Schulentwicklungsplanung aufzunehmen, ein Quantensprung.

Im Schuljahr 2013/14 gab es an weiterführenden Schulen in Trägerschaft der Städteregion gerade einmal zwei internationale Förderklassen, Anfang Juli waren es an den Berufskollegs bereits über 30. Hier stieg die Zahl rasant, während andere Schulformen sich weniger beteiligen. Halten Sie das für gut und richtig?

Paul: Berufskollegs sind die idealen Schulen für die Aufnahme und Weiterbeschulung von Flüchtlingen im Alter ab 16 Jahre. Sie haben alle Bildungsgänge und Abschlüsse im Angebot, ermöglichen einen frühzeitigen Bezug zur Praxis und bieten aufgrund ihrer meist hohen Schülerzahlen und ihrer heterogenen Schülerschaft sehr gute Voraussetzungen für die Integration.

Was kann noch verbessert werden?

Paul: Wir müssen mehr Schulplätze für junge erwachsene Flüchtlinge einrichten. Ab dem neuen Schuljahr wird es in einem Pilotprojekt des Landes die ersten zwei Klassen für diese Gruppe geben. Aber es sind noch weitere erforderlich, weil Heranwachsende, die zu uns kommen, über das gesetzliche Alter der Schulpflicht hinaus einen erheblichen Bedarf an Sprachvermittlung und Bildung haben. Außerdem muss das Land flexibler werden. Es kann nicht sein, dass die Zuweisung von Lehrern nur zum Halbjahr stattfindet. Es muss schnell reagiert werden können, wenn die Flüchtlingszahlen und mit ihnen der Bedarf wieder steigen sollten. Und ich fürchte, dass dies so kommen wird.

Viele junge Flüchtlinge sind traumatisiert, die meisten benötigen über die fachliche Betreuung hinaus auch eine soziale. Die vom Städteregionstag seit längerem geforderte halbe Schulsozialarbeiterstelle pro Internationaler Förderklasse gibt es aber bis heute nicht.

Paul: Wir hatten gehofft, dass das Land die Gelder hierfür zur Verfügung stellen würde. Aber wenn man das heute realistisch betrachtet, wird das wohl nicht geschehen. Dieser Situation müssen wir uns stellen und noch mehr auf Vernetzung setzen. Glücklicherweise haben wir sehr viele kompetente und engagierte Menschen in den Schulen. Die Kommunalen Integrationszentren bieten eine hervorragende Unterstützung an. Und wir haben eine Vielzahl von Ehrenamtlern, die sich einbringen und als positive Multiplikatoren wirken. Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen werden, die Willkommenskultur in unserem Land aufrechtzuerhalten und die vielen Menschen, die zu uns gekommen sind, zu integrieren.