Mehr als vier Jahre Haft für Aachener Betrüger aus dem Rockermilieu

„Loverboy“ muss hinter Gitter : Ex-Rocker verzockt das Geld seiner Freundinnen

Ein Mann kassiert viele Frauen gleichzeitig ab und ist in den Augen der Richter doch kein Zuhälter. Das Aachener Landgericht verurteilt ihn als „gewerbsmäßigen Betrüger“.

Den Vorwurf sowohl der Zwangsprostitution als auch der Schutzgelderpressung, so Richter Christian Bülte in der Urteilsverkündung gegen Fernando S. (36) aus Aachen, habe das Gericht in vielen Verhandlungstagen der Beweisaufnahme gegen den mutmaßlichen Ex-Rocker nicht bestätigen können. Hierfür gab es einen Freispruch für den Mann, der mit der sogenannten Loverboy-Methode gearbeitet haben soll.

Doch möge niemand glauben, sagte der Richter, dass Fernando S. sich vom Rockermilieu verabschiedet habe und dass der „Loverboy“ seinen Freundinnen nicht ihren Verdienst abgeknöpft habe. Im Gegenteil, er habe die Frauen aus dem Rotlichtmilieu schlicht „gewerbsmäßig betrogen“.

Denn der Angeklagte verfüge „über ausgesprochen manipulative Fähigkeiten“, stellte Bülte fest. So war es dem Angeklagten immer wieder gelungen, den Frauen, die seine Lebensgefährtinnen waren und gleichzeitig für ihn anschaffen gingen, ihr hart verdientes Geld abzuknöpfen.

Wegen acht verbliebener Taten aus dem Bereich der Prostitution sowie wegen zweimaligen Fahrens ohne Führerschein muss S. insgesamt für vier Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Drei Jahre und sechs Monate der Gesamtstrafe entfallen dabei auf die Betrugstaten an den Frauen. Darüber hinaus zieht die Staatskasse 26 900 Euro als Wertausgleich ein. Außerdem warten auf den ehemaligen Vize-Präsidenten des MC Bandidos drei weitere Verurteilungen, die auf Bewährung ausgesprochen worden waren und nun mit hoher Wahrscheinlichkeit in weitere Zeitstrafen umgewandelt werden.

Ausgangslage war immer gleich

Die Ausgangslage für die Frauenabzocke war stets die gleiche: Mal brauchte er Geld zur Vermeidung neuerlicher Haft, mal wollte er eine Bar aufmachen, dann eine teure Uhr kaufen. Länger als eine halbe Stunde lang skizzierte Bülte, wie S. immer wieder Wege fand, den Frauen, die er entweder bei einem Escortservice unterbrachte oder auch in Saunaclubs bei Hamburg oder  Worms schickte, ihre Einkünfte abzuknöpfen.

Um an das Geld zu kommen, wurde er erfinderisch. Er brauche zur Image-Pflege unbedingt eine bestimmte Uhr, die etwa 8000 Euro kosten sollte. Die verliebte Dame nahm daraufhin bei „Zinsmännern“, wie der Richter die Wucherverleiher nannte, einen Kredit auf und kaufte für ihren Freund die gewünschte Uhr. Der wiederum machte das teure Stück gleich zu Bargeld und steckte sich das Geld in die Tasche. Von den versprochenen Ratenrückzahlungen sah die Frau nie etwas.

Ähnlich sei es einem weiteren Opfer. Die Rede war im gesamten Prozess von rund zehn Frauen, bei einigen blieb es jedoch bei einem Versuch. Eine brachte er dazu, rund 14 000 Euro für die Eröffnung einer Shisha-Bar, angemeldet auf ihren Namen, abzuknöpfen. Dann wieder brauchte er Geld, um für ein Kumpel einen Gefängnisaufseher zu bestechen. Hier beschaffte er 750 Euro bei den Frauen, die zwischen 2016 und 2018 für ihn anschaffen gingen.

„Es war Zuneigung im Spiel“

Im Prozess hatte Fernando S. die Taten teilweise gestanden und sich entschuldigt. Er hatte immer wieder gegenüber Oberstaatsanwältin Jutta Breuer darauf gepocht, nie in übermäßigem Luxus gelebt zu haben. Das mit den gleichzeitig geführten Beziehungen habe er übertrieben, aber immer sei Zuneigung im Spiel gewesen.

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