Aachen: Mehr als 40 Denkmäler warten am Tag des offenen Denkmals auf Besucher

Aachen : Mehr als 40 Denkmäler warten am Tag des offenen Denkmals auf Besucher

„Das bürgerschaftliche Engagement ist der Kitt, der alles zusammenhält“, sagt Niels-Christian Schaffert, Leiter Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen. Und ein wunderbares Beispiel dafür sei der Branderhof. Die historische Bausubstanz dient als Rahmen für vielfältige Aktivitäten.

Zum einen beherbergt die doppelte Scheune heute eine Kindertagesstätte, zum anderen will der Verein Gut Branderhof unter anderem das Hauptgebäude zu einem lebendigen Mittelpunkt des Quartiers machen. Und schon heute findet sich dort ein vielfältiges Angebot für die Nachbarschaft.

Als Hommage an die ursprüngliche Bausubstanz erlaubt ein großes Fenster den Blick in den Dachgiebel der Scheune auf Gut Branderhof. Foto: Harald Krömer

Denkmäler, die derart mit Leben gefüllt sind, stehen beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, ganz besonders im Fokus. „Entdecken, was uns verbindet“ lautet das Motto, unter dem die historischen Bauten im Europäischen Kulturerbejahr 2018 betrachtet werden sollen. In Aachen können insgesamt mehr als 40 Denkmäler besucht werden, und laut Monika Krücken, Abteilungsleiterin Denkmalpflege und Stadtarchäologie, wird die Liste von Jahr zu Jahr länger. So sind diesmal auch das ehemalige Couven-Gymnasium in der heutigen Kármánstraße und das alte Bezirksamt in Haaren mit von der Partie.

In einem eigens aufgelegten Heftlein sind fast alle Denkmäler mit den entsprechenden Öffnungszeiten aufgelistet. Auch im Internet finden sich Infos zu den einzelnen Stationen unter www.aachen.de/tag-des-offenen-denkmals. Der Blick über die Grenzen ist dabei laut Monika Krücken längst selbstverständlich. So könne man in Aachen die Arbeiten italienischer Stuckateure bewundern, und an den unterschiedlichen Baustilen seien immer auch die Einflüsse fremder Kulturen abzulesen.

Der Branderhof dagegen ist ein typisches Beispiel für die Materialien, die in der Region verwendet wurden: Feldbrandsteine und darunter ein Sockel aus Bruchsteinen. Urkundlich erwähnt wurde der Gutshof erstmals im Jahre 1513. Vor rund drei Jahren machte es sich der gemeinnützige Verein Gut Branderhof zur Aufgabe, den alten Gemäuern neues Leben einzuhauchen. Und das offensichtlich mit sehr viel Erfolg. „Wir bemühen uns derzeit um Fördergelder des Landes, um das Angebot weiter auszubauen“, sagt Wilfried Warmbrunn, Verein Gut Branderhof.

Hommage an die Bausubstanz

Und natürlich soll das alte Gebäude auch saniert werden. Wie das gehen kann, hat der Architekt Achim Borgmann eindrucksvoll vorgeführt. Die alte Doppelscheune, die damals kurz vor dem Zusammenbruch stand, beherbergt seit einem Monat eine Kita. „Man geht in eine solche Restaurierung nie so rein, wie man hinterher rauskommt“, sagt Borgmann und spielt damit auf die zahlreichen Überraschungen an, denen er und seine Leute während der Bauphase begegneten. Da war zum Beispiel der Gewölbekeller, den zunächst niemand unter der alten Scheune vermutet hatte. Oder ein riesiger Granatsplitter, der im Gebälk auftauchte. Und erst im Laufe der Arbeiten habe man verstanden, wie der Hof gewachsen ist, so Borgmann.

Und gleichsam als Hommage an die ursprüngliche Bausubstanz erlaubt heute ein großes Fenster den Blick in den Dachgiebel. Wilfried Warmbrunn träumt davon, dass Gutshaus und Pferdestall eines Tages ebenso eindrucksvoll restauriert werden. Außerdem soll zusätzlich ein Backhaus entstehen, in dem unter Anleitung von Profis Brot gebacken werden soll. Aber schon heute bietet der Verein im Branderhof ein umfangreiches Programm mit vielfältigen Angeboten. Und dabei zeigen sich die Aktiven immer wieder in höchstem Maße einfallsreich, um der eigentlich eher prekären Situation ein Maximum an Möglichkeiten abzutrotzen.

Der Branderhof, Branderhofer Weg 55, ist am Tag des offenen Denkmals zwischen 10 und 15 Uhr geöffnet. Führungen durch die Kita gibt es um 10 Uhr und um 11 Uhr.

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