Aachen: Max Salomons Schicksal erinnert Schüler an ein dunkles Kapitel

Aachen: Max Salomons Schicksal erinnert Schüler an ein dunkles Kapitel

Heute vor genau 73 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit. Mehr als 1,1 Millionen Menschen wurden dort systematisch ermordet — und nur wenige überlebten, um der Nachwelt von den Verbrechen zu berichten, die dort begangen wurden.

Als wichtige Zeugen haben viele Überlebende des Nationalsozialismus auch an Schulen vor den Folgen von Rassismus und Extremismus gewarnt. Weil es immer weniger dieser Zeitzeugen gibt, muss etwa die Heinrich-Heine-Gesamtschule andere Wege gehen.

Der 27. Januar, der seit 1996 offizieller deutscher Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus ist, hat dort einen festen Platz im Stundenplan. „Wir greifen jedes Jahr an diesem Tag einen bestimmten Aspekt aus der Zeit des NS-Regimes auf. Im vergangenen Jahr ging es um die Medizin und das Euthanasie-Programm, diesmal beschäftigen wir uns mit den Auswirkungen auf den Sport“, erklärte Stephan Saffer, didaktischer Leiter der Heinrich-Heine-Gesamtschule.

Weil der eigentliche Gedenktag diesmal auf einen Samstag fällt, wurde an der Schule die Veranstaltungsreihe auf den Freitag vorgezogen. Zum Auftakt hielt der Leiter des Aachener Stadtarchivs, René Rohrkamp, zwei Vorträge zur Geschichte der Alemannia während der Zeit der Judenverfolgung.

„Die Gleichschaltung, die vom NS-Regime in allen Bereichen des Lebens angestrebt wurde, betraf natürlich auch den Sport“, erklärte er. Als 1933 vom Amt für Leibesübungen in Köln die Aufforderung an die Sportvereine erging, jüdische Mitglieder auszuschließen, seien ihr viele freiwillig nachgekommen.

Jüdische Mitglieder verstoßen

Und das, wie René Rohrkamp betonte, obwohl dies vereinsrechtlich eigentlich nicht möglich gewesen wäre, sofern sie sich nicht eines groben Fehlverhaltens schuldig gemacht hätten. Doch die Vereine fanden offenbar andere Wege, jüdische Mitglieder zu verstoßen. So musste sich im April 1933 auch Max Salomon, der hoch talentierte Stürmer und Rheinland-Bezirksmeister der Alemannia Aachen, aus seinem Verein abmelden.

Schicksale wie das von Salomon hat Rohrkamp in langer Forschungsarbeit zusammengetragen und weiterverfolgt. Die Spuren von vielen bekannten jüdischen Sportlern aus dieser Zeit hätten sich schließlich in den Konzentrationslagern verloren, wo sie umgebracht wurden. Auch Salomons Verbleib ist bis heute ungeklärt: Nachdem er 1940 in Frankreich festgenommen wurde, gilt er seit seiner Deportation in das Auschwitz-Außenlager Kosel als verschollen.

Die Darstellung der NS-Zeit anhand der Nacherzählung von Einzelschicksalen scheint sich als probates Mittel zu etablieren, diese dunkle Epoche deutscher Geschichte auch heute noch eindrücklich zu vermitteln.

Das zeigte das Interesse der Schüler beim anschließenden „Lernkarussell“, wo sie an verschiedenen Stationen weitere Aspekte vertieften. Wie wichtig das ist, zeigte im vergangenen Jahr auch eine deutschlandweite Studie: Fast 40 Prozent der befragten Schüler wussten nämlich mit dem Begriff „Auschwitz“ nichts anzufangen.

(rhl)