Aachen: Masterplan Uniklinik nimmt erste Hürden: Streit um Ladestationen

Aachen : Masterplan Uniklinik nimmt erste Hürden: Streit um Ladestationen

Reichlich Gesprächsstoff hat der Masterplan Uniklinik bislang schon geboten. Für die Erweiterungspläne eines der größten Krankenhäuser Europas wird schließlich allerhand umsortiert und abgeholzt auf Melaten.

Der Planungsausschuss winkte jetzt die ersten beiden von insgesamt vier Bebauungsplänen durch; der Rat soll sie im Juli als Satzung beschließen. Die kontroversen Debatten werden damit nicht aufhören, am Donnerstagabend ging es um Stromkabel.

Schöner Parken hinter Lamellen: Die unterste Ebene des geplanten Parkhauses wollten Grüne, Linke und Piraten mit Ladestationen versehen, der Mehrheit ging das zu weit. Entwurf: Nebel Pössel Architekten.

Das Thema Elektromobilität sei nicht berücksichtigt worden, monierte Grünen-Planungspolitiker Michael Rau. Immerhin entstehe zwischen Kullenhofstraße und Pariser Ring ein neues Parkhaus größeren Ausmaßes, da solle eine entsprechende Ladeinfrastruktur für E-Mobile eingeplant werden. „Mindestens eine Ebene“, schwebt Rau vor, könne mit Ladestationen ausgerüstet werden.

Neun Ebenen wird der Garagenbau haben, aufgestapelt zu einer Gesamthöhe von bis zu 25 Metern auf einer Grundfläche von 145 mal 34 Metern. Weil so ein wuchtiger Bau ordentlich auffällt, gab es im vergangenen Jahr einen Wettbewerb zur Fassadengestaltung. Überzeugt hat dabei ein Entwurf des Kölner Büros „Nebel Pössel Architekten“, der eine Metallkonstruktion mit zweifarbig lackierten Lamellen vorsieht, weshalb die Fassade für den Betrachter je nach Blickwinkel die Farbe wechselt. Hinter dieser Chamäleon-Wand wird Platz sein für 1350 Fahrzeuge.

„Wir brauchen diesen Parkraum“, betonte SPD-Ratsherr Norbert Plum. Er zeigte sich wenig begeistert von der Vorstellung, dass verbrennungsmotorisierte Automobilisten auf der Suche nach einem freien Plätzchen durch das Parkhaus kurven, während Stellflächen reserviert bleiben für Elektroautos, von denen so viele noch gar nicht unterwegs sind. Gerade deshalb, befand Pirat Udo Pütz, müssten Anreize für die Anschaffung eines E-Mobils geschaffen werden. Er schlug deshalb vor, das Erdgeschoss mit den Ladestationen zu bestücken. Das sei bequemer und mache so die Elektromobilität attraktiver.

Von einem Elektroauto-Privileg auf der untersten Ebene aber wollten Sozial- wie auch Christdemokraten nichts wissen, und fortan eskalierte die Debatte ins Grundsätzliche. In Sachen Luftreinhaltung habe die Stadt doch gerade vor einigen Wochen „ein Urteil vor den Kopf bekommen“, empörte sich der Grüne Rau. Aus dem Richterspruch des Aachener Verwaltungsgerichts zu Diesel-Fahrverboten las Pirat Pütz die Botschaft heraus, dass die Stadt „jetzt mal was machen“ müsse.

Überhaupt schreibe Aachen sich die Elektromobilität auf die Fahnen, meinte Michael Rau, hier würden solche Fahrzeuge auch gebaut, aber es werde dann über die Zahl der Ladestationen in einem großen Parkhaus gestritten. CDU-Ratsfrau Gaby Breuer machte da „Hysterie“ aus. Das Verwaltungsgerichtsurteil werde als „Totschlagargument“ benutzt, „man muss das doch jetzt nicht so knallhart durchdrücken“.

So knallhart kam es erwartungsgemäß auch nicht: Die Mehrheit versammelte sich hinter der Formulierung, es solle im Parkhaus eine „angemessene Ladeinfrastruktur eingerichtet“ werden; Grüne, Linke und Piraten konnten sich mit der Festschreibung der untersten Ebene nicht durchsetzen.

Kritik aus den Reihen der Opposition gab es auch am Bebauungsplan „Nr. 1000 S“, nach dem die Verkehrsflüsse vor dem Uniklinikum neu sortiert werden. Der geplanten Erweiterung des Großkrankenhauses fällt die Pauwels-straße zum Opfer. Die dort verkehrenden Busse sollen auf die Kullenhofstraße umgeleitet werden. Dafür muss die Straße umgestaltet werden, damit die großen Fahrzeuge im Begegnungsverkehr aneinander vorbeikommen. Als „Verkehrsplanung von vorgestern“ schmähte der Grüne Michael Rau das Ergebnis, und Marc Beus von den Linken bemängelte, dass Radfahrer dabei schlecht wegkämen.

Doch sie drangen damit ebenso wenig durch wie mit der Idee der Linken, für die Gestaltung der Busunterstände am geplanten Busterminal einen Wettbewerb zu veranstalten. Das werde ein großer „Umschlagplatz“ für Fahrgäste, erklärte der Linke Beus, eine angemessene Architektur sei da nötig. Unterstützung kam vom Grünen Rau, der sich ebenfalls für eine hochwertige Gestaltung aussprach.

Die Verwaltung hielt in ihrer Vorlage dagegen, dass es schon einen Architektenwettbewerb für die Klinikerweiterung gegeben habe, dazu gehöre auch die Neugestaltung des Haupteingangs und des Vorplatzes. Außerdem stehe da noch die Hubschrauberlandeplattform „Helfende Hand“, da müsse nicht „ein weiteres Bauwerk in Konkurrenz zum Klinikgebäude“ errichtet werden. Die Mehrheit teilte diese Ansicht und lehnte den Antrag der Linken ab.

Die alte Diskussion über die Bäume wurde im Ausschuss nicht wieder aufgewärmt. Insgesamt 48 Bäume können innerhalb des Plangebiets nicht erhalten bleiben, davon fallen 40 unter die Baumschutzsatzung, weshalb 48 Ersatzbäume gepflanzt werden müssen. Die Zahl klingt relativ überschaubar, ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Der Masterplan Uniklinik, der nicht zuletzt neue unterirdische Operationssäle unter dem jetzigen Parkplatz des Klinikums vorsieht, umfasst nach Angaben der Stadt Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro in den kommenden Jahren. Dafür sollen langfristig etwa 900 Bäume fallen, wie die Umweltpolitiker im Frühjahr geschockt zur Kenntnis nahmen.

Für 600 zu pflanzende Ersatzbäume ist im näheren Umfeld wohl kein Standort zu finden. Sozialdemokrat Plum brachte eine Ausweichmöglichkeit ins Spiel: Die Horbacher Straße habe mal einen Alleencharakter gehabt, der lasse sich mit den Ersatzpflanzungen vielleicht wieder herstellen.

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