Aachen: „Maskulinist“ verdirbt dem Theater 99 die Werbung

Aachen: „Maskulinist“ verdirbt dem Theater 99 die Werbung

Dass Theaterstücke mitunter provozieren, ist eine Binsenweisheit. Doch die Reaktionen auf die Produktion „In aller Herrlichkeit“ im Theater 99 haben mit Kritik nicht mehr viel zu tun: Die Fensterscheibe des Theaters am Gasborn wurde mit sexistischen Sprüchen beschmiert, auch die in der Stadt verteilten Werbeplakate und die Facebook-Seite des Theaters traf es.

Der Urheber müsse wohl ein „Maskulinist“ sein, mutmaßt Autorin und Regisseurin Jutta Kröhnert. Denn in der aktuellen Produktion lässt sie — gewissermaßen als Pendant zu Christine Brückners „ungehaltenen Reden ungehaltener Frauen“ — drei berühmte Männer der Literaturgeschichte zu Wort kommen. Kröhnert legt Odysseus, Orpheus und dem Baron Münchhausen die Worte in den Mund. „Vielleicht meint da jemand, dass eine Frau keine Männermonologe schreiben darf“, rätselt Jutta Kröhnert.

Miträtseln über die Botschaft des unbekannten Kritikers kann das geneigte Publikum nun nicht mehr: Die Sprüche auf der Scheibe und die bekritzelten Plakate habe man flott entfernen müssen, berichtet die Theaterfrau, „das war deutlich unter der Gürtellinie“. Überdies enthielten sie auch deutliche Hinweise auf Kröhnerts Privatadresse. Der Unbekannte schickte der Autorin zudem eine längere E-Mail, in der er ihr ausführlich erklärt, was er von ihrem Wirken hält. Unter anderem ist von „weiblicher Beschränktheit“ die Rede, eine Frau drücke den drei Männerfiguren ihren feministischen und männerverachtenden Stempel auf.

Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Stück fehlt dabei, was aber für Jutta Kröhnert leicht zu erklären ist. „Der kann das gar nicht gesehen haben.“ Die Scheibe des Theaters wurde schon vor der Premiere beschmiert. Und weil auch die Plakate wegen der Sprüche unter der Gürtellinie größtenteils einkassiert wurden, sei nun „die komplette Außenwerbung für die Katz“, ärgert sich Jutta Kröhnert, zumal neue Plakate auf die Schnelle nicht mehr gedruckt werden könnten. „Das Stück läuft nur noch bis Ende des Monats, das macht keinen Sinn mehr.“

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