Aachen: Marodes Polizeipräsidium: Flammneue Feuertüren in Schrottbau

Aachen: Marodes Polizeipräsidium: Flammneue Feuertüren in Schrottbau

Das Aachener Polizeipräsidium erhält neue Feuerschutztüren, weil die alten den geltenden Vorschriften nicht entsprechen. Der Austausch ist in vollem Gange und kostet rund 500 000 Euro.

Das Aachener Polizeipräsidium? Die marode Hütte in der Soers, die im nächsten oder übernächsten Jahr abgerissen werden muss, weil die Sanierung zu teuer wäre? Das Gebäude, das erst 1981 in Betrieb genommen worden ist, am 11. Mai vom nordrhein-westfälischen Innenminister Dr. Herbert Schnoor offiziell seiner Bestimmung übergeben wurde? Und für 36 Millionen D-Mark so liederlich errichtet, dass gut 30 Jahre danach die Renovierung nicht mehr lohnt?

Viele Ordnungshüter trauten deshalb ihren Augen nicht, als das Unternehmen seine Arbeit aufgenommen hat, schnell machte das Wort vom Schildbürgerstreich unter den uniformierten Kollegen die Runde. „Da wiehert der Amtsschimmel”, war noch einer der harmloseren Kommentare aus Kommissarsmund.

Guido Thomas, Liegenschaftssachbearbeiter im Hochbau an der Hubert-Wienen-Straße, verteidigt die nicht unbeträchtliche Investition: „Der Eigentümer, der BLB, kommt nur seinen Verpflichtungen nach.” Ein Brandschutzgutachten habe sehr viele Defizite aufgedeckt und Maßnahmen erfordert, die nun nach und nach umgesetzt würden: „Wenn das Gebäude abbrennt und wir haben keine zertifizierten Türen, wird das Geschrei groß sein.”

Es handele sich vor allem um Flurtüren, die erneuert würden, oder Türen, die einen Brandabschnitt begrenzten. Sie müssen bestimmte Sicherheitsklassen erfüllen und ein Feuer eine definierte Zeit aufhalten, damit nicht das ganze Gebäude in Brand geraten kann. Die 100 Türen ersetzen Vorgänger aus den 80er Jahren, die „heutigen Standards nicht mehr entsprechen”. Der Komplettauftrag sei an eine Firma vergeben worden, die auch für die ordnungsgemäße Entsorgung der alten Türen sorge.

Ähnlich argumentiert Bernd Klass, Sprecher der Niederlassung Aachen des Bau- und Liegenschaftsbetriebs NRW: „Wir lassen die Brandschutzmaßnahmen durchführen, weil wir unserer Verpflichtung als Eigentümer nachkommen müssen.” Im Rahmen einer Begehung seien diverse Mängel festgestellt worden, die nun beseitigt werden müssten: „Die Sicherheit des Gebäudes muss gewährleistet sein, so lange es vermietet und genutzt wird.” Neben den rund 100 Türen müssten auch 20 Brandschutzklappen ersetzt werden.

Am grundsätzlichen Fahrplan ändert die Aktion nichts. Die Aachener Polizei hatte, wie berichtet, im Mai dieses Jahres eine Zeitungsanzeige aufgegeben, um ein neues Dienstgebäude zu finden. Darauf hatten sich einige Interessenten gemeldet. Sowohl ein Neubau durch einen Investor als auch die Unterbringung in vorhandenen (anderen) Gebäuden sei denkbar, sagte Sprecher Paul Kemen seinerzeit.

Das Bauvorhaben nehme nach dieser „veröffentlichten Marktschau” seinen geplanten Verlauf. Bis Ende des Jahres werde die Aachener Behörde eine Vorlage für die Landesregierung erarbeiten. Diese ist nach der Auskunft von Liegenschaftssachbearbeiter Thomas aber noch nicht fertiggestellt.

Für einen Neubau des zentralen Polizeigebäudes in Aachen hatten sich inzwischen alle großen Parteien im Rat ausgesprochen. CDU und Grüne hatten im August einen Ratsantrag eingebracht, in dem sie auf die kaum noch zu ertragenden Arbeitsbedingungen für die rund 1000 Polizistinnen und Polizisten hinwiesen. Fenster sind ebenso undicht wie Abwasserrohre, so dass es zieht und stinkt.

Die SPD hatte im September einen Umzug auf ein der Stadt gehörendes Grundstück zwischen Frieden-straße und Strangenhäuschen vorgeschlagen. Das Gelände in der Soers könne dann an den ALRV gehen, der sich vergrößern will.