Aachen: „Marktschwärmer“: Online shoppen, lokal kaufen

Aachen : „Marktschwärmer“: Online shoppen, lokal kaufen

Vor Ort einkaufen und online shoppen — eigentlich schließt sich das doch aus, oder? Die Internetplattform „Marktschwärmer“ verbindet beides miteinander: Mit wenigen Klicks lassen sich dort Produkte aus Aachen und der Region bestellen. Bei einer Verkostung in der Parzival-Schule stellt sich die Aachener Marktschwärmerei vor.

Brot, Wurst, Gemüse, Marmeladen und Joghurt werden an den Ständen angeboten. Außerdem kann man hier Feinkost probieren: Senf, Walnusspasten, Wildkräuter und Wein. In kleinen Portionen haben die Produzenten ihre Waren für die Besucher vorbereitet und liebevoll angerichtet.

Marmelade von nebenan: Bei einer Verkostung in der Parzival-Schule können Besucher regionale Produkte der Marktschwärmerei probieren. Foto: Laura Laermann

Ferdinand Küpper-Jacobs hat schon das eine oder andere probiert und ist überzeugt: „Man erfährt hier etwas über seine Lebensmittel und weiß, wo sie herkommen. Ehrlicher geht es nicht.“ Denn anders als im Supermarkt kann man in der Marktschwärmerei Kontakt zu den Erzeugern aufnehmen und persönlich ins Gespräch kommen.

Möglichst viel Transparenz beim Einkauf ist aber nur eines der Ziele: „Wir wollen wieder einen Bezug zu den Lebensmitteln herstellen und die regionalen Erzeuger unterstützen“, erklärt Mona Plate. Die Aachenerin hat die Marktschwärmerei vor einem Jahr eröffnet. Für sie ist es Hobby und Leidenschaft zugleich: „Ich finde es einfach toll, mit wie viel Liebe und Überzeugung nachhaltige Produkte geschaffen werden.“

Planung im Voraus

Mit der Verkostung hofft Plate, das Konzept der Marktschwärmerei bekannter zu machen und auch denjenigen näherzubringen, die sich schwer damit tun, Lebensmittel online zu bestellen.

Und so funktioniert es: Auf der Plattform www.marktschwaermer.de meldet man sich kostenlos mit Namen und E-Mail-Adresse an und tritt der Marktschwärmerei Aachen — oder auch einer anderen Stadt — bei. In dem Online-Shop für Aachen kann man alle Waren von mittwochs bis sonntags ansehen, bestellen und bezahlen. Einen Mindestbestellwert gibt es nicht.

Dienstags von 16.30 bis 18 Uhr hat man dann die Möglichkeit, die Bestellung in der Parzival-Schule am Hangerweiher abzuholen. Es ist also ein wenig Planung im Voraus nötig, wenn man über die Plattform für die nächste Woche einkaufen möchte. Ähnlich wie beim Wochenmarkt mit dem Unterschied, dass die Kunden alles kommissioniert abholen können und die Verkäufer mit leeren Kisten wieder nach Hause fahren.

81 Marktschwärmereien gibt es bereits in Deutschland. Sie sind Teil des großen Netzwerk „The Food Assembly“ mit insgesamt 1659 Standorten in Europa. Das Konzept kommt aus Frankreich, doch hat auch in Großbritannien, Italien, Spanien, Dänemark, Schweiz, Niederlande und Belgien Einzug gefunden.

In Deutschland sind bereits 50.000 Nutzer angemeldet. Aachen ist einer der ersten Standorte, die auch grenzübergreifend funktionieren. Daher findet man im Online-Shop auch Schokolade aus Lüttich, Molkereiprodukte aus Ayeneux oder Seife aus Ampsin. Allerdings dürfen die Betriebe, die ihre Waren in Aachen anbieten, maximal 150 Kilometer von der Stadt entfernt sein, lautet die Regel. Aktuell bieten 28 Betriebe ihre Waren an.

Direkte Marktforschung

Bislang sei die Resonanz der Produzenten positiv, sagt Plate. Denn über die Marktschwärmerei treffen sie genau die Kunden, die an ihren Produkten interessiert sind. „Man trifft hier eine besondere Klientel: Neugierige Menschen, die sich bewusst ernähren und bereit sind, einen höheren Preis für die entsprechende Arbeitsleistung zu bezahlen“, erklärt Heide Eisenacher.

Sie reist mit ihren Walnuss-Produkten einmal im Monat aus Köln an — und es lohnt sich, sagt sie. „Hier betreibt man direkte Marktforschung. Man kann konkret reden und auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen.“

Von ihren Einnahmen müssen die Produzenten 18,35 Prozent an die Marktschwärmerei Deutschland abgeben. Im Gegenzug stellt diese die Internetplattform zu Verfügung, die gepflegt werden muss. Außerdem bietet das Unternehmen Schulungen für die lokalen Organisatoren an und stattet alle Marktschwärmereien mit Werbemitteln aus. Nur eine App gibt es bisher noch nicht.

In Aachen ist dafür etwas anderes in Überlegung: ein Lieferservice für diejenigen, die den Abholtermin nicht wahrnehmen können. Wie sich bei der Verkostung zeigt, ist das Publikum nämlich ganz gemischt: Rentner, Schüler, Studenten, Berufstätige. Was sie aber alle gemeinsam haben, ist der Wunsch, die Produzenten der Region zu unterstützen.

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