Aachen: Marcel Ortmanns angelt nach einem „dicken Fisch“ für die Ladies

Aachen: Marcel Ortmanns angelt nach einem „dicken Fisch“ für die Ladies

Wenn die Uhr zum Feierabend beinahe Mitternacht schlägt, dann hat ihn der Berufsalltag eingeholt. „Ihn“ heißt Marcel Ortmanns und „Berufsalltag“ bedeutet Hauptverantwortlicher für die Sponsorenakquise eines Volleyball-Bundesligisten zu sein.

Und wenn von einer Bundesliga die Rede ist, fällt der Begriff Professionalisierung beinahe zwangsläufig. Denn diese hat zur neuen Saison, die Mittwochabend mit dem Heimspiel gegen Potsdam beginnt, freilich auch die Ladies in Black, die Volleyballerinnen des PTSV Aachen, erreicht. Der Posten für Marcel Ortmanns wurde erst im Sommer etabliert.

Marcel Ortmanns ist 23 Jahre alt, Bachelorabsolvent im Studiengang Sportwissenschaften an der Universität Paderborn. Seine erste Vollzeitstelle nach dem Studium hat er am 15. Juli dieses Jahres angetreten. Es war der vielzitierte Sprung ins kalte Wasser — aber Ortmanns kann schwimmen, zudem kennt er die Gefilde beim PTSV bereits aus seiner Zeit als Praktikant.

„Der Profisport hat mich extrem gereizt. Daher waren die Ladies eine sehr gute Option“, sagte Ortmanns, der nach dem Studium in Ostwestfalen unbedingt ins Rheinland zurück wollte. Nun ist er für die Sponsorenakquise der Ladies zuständig. Mit einem Sponsor hat er sich in der Damenwelt bereits zweifelsohne beliebt gemacht: Ein Edelausstatter versorgt die Spielerinnen seit neuestem mit maßgeschneiderten Blusen.

In einem Berufsfeld, in dem es vorrangig um Geld geht, versteht sich Ortmanns nicht als knallharter Geschäftsmann. Gerade in der Region will er auf persönliche Kontaktpflege setzen und bei Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern „ein für beide Seiten gutes Geschäft erzielen“ sowie langfristige Kooperationen schaffen. Und das — da legt er sehr großen Wert drauf — nicht nur bei den solventeren Partnern: „Kleinsponsoren wie der Maler oder der Bäcker sind genauso wichtig. Das sind schließlich auch seit Jahren treue Fans.“

Diese sahen in der vergangenen Saison, wie sich die Ladies als Tabellendritter überraschend für den europäischen Pokal qualifiziert haben. An diesem Punkt macht sich die Professionalisierung negativ bemerkbar: Aus wirtschaftlichen Gründen musste die Geschäftsführung der Ladies die Teilnahme absagen. „Die Anforderungen der Professionalisierung im Profisport sind sehr, sehr hoch. Die finanzielle Belastung dadurch auch“, erklärt Ortmanns die Krux des Wandels in seiner beruflichen Umgebung. Aber eben das macht ihm auch so Spaß. Ortmanns bekommt zum Einstieg ins Berufsleben einen essenziellen Wandel von der Pike auf mit. Bald, so sagt er, möchte er einen „dicken Fisch“ an Land ziehen, mit dem sein Verein dann hoffentlich auch mal international spielen darf.