Aachen: Mann rastet im Sozialamt aus und verwüstet Büro

Aachen: Mann rastet im Sozialamt aus und verwüstet Büro

Weil er warten musste, hat ein 35-jähriger Mann am Montagmorgen das Büro einer Mitarbeiterin des Sozialamtes der Stadt Aachen an der Hackländerstraße komplett verwüstet. Der Mann zerstörte die gesamte Büroeinrichtung, schmiss Bildschirme, Computer und Drucker auf den Boden.

Außerdem warf er einen Tisch um und trat die Tür eines Rollcontainers ein. Die Mitarbeiterin, die sich zur Zeit des Angriffs noch im Raum befand, konnte zum Glück schnell fliehen und blieb dadurch — zumindest physisch — unverletzt. Dennoch ist sie nun bis auf Weiteres dienstunfähig, muss den Schock erst einmal verarbeiten.

Nach Angaben der Mitarbeiter des Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration hatte der Mann gegen 11 Uhr mehrmals das Büro betreten. Da er noch nicht dran war, wurde er jedes Mal gebeten, wieder hinauszugehen. Nach Angaben der Aachener Polizei sei er kurz danach jedoch mit einem „sehr aggressiven Gesichtsausdruck“ in das Büro gestürmt. Dort ließ er seiner Wut dann freien Lauf.

Der städtische Sicherheitsdienst und die hinzugerufene Polizei sollen laut Aussagen des städtischen Presseamtes sehr schnell vor Ort gewesen sein. Die Polizei legte dem Mann sodann Handfesseln an, nahm ihn in Gewahrsam und übergab ihn einem Richter. Derweil hatte er damit gedroht, noch weitere Büroräume zu verwüsten. Da er sich später allerdings zunehmend beruhigte und signalisierte, den von der Polizei verhängten Platzverweis für den Bereich der Hackländerstraße und das Bürogebäude zu beachten, lehnte der zuständige Richter ein weiteres Festhalten des 35-Jährigen ab. Der Mann ist zudem kein Unbekannter: Er ist der wegen ähnlicher Delikte bereits polizeilich in Erscheinung getreten.

Die Hemmschwelle sinkt

Was nach dem Angriff bleibt, ist die Angst. „Dieser erneute Vorfall sorgt für eine große Unsicherheit unter den Kollegen“, sagt Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt. Denn es war nicht das erste Mal, das so etwas passiert ist. „Wir beobachten leider, dass solche Taten zunehmen. Die Hemmschwelle sinkt deutlich“, so Herrmann. Vor allem bei den Mitarbeitern des Sozialamtes, des Ordnungsamtes und im Bürgerservice seien Angriffe verschiedenster Art keine Seltenheit mehr. Im Zeitraum zwischen Juli 2016 und Februar 2018 habe es allein 213 Einsätze des Sicherheitsdienstes im Gebäude an der Hackländerstraße gegeben. In 84 Fällen haben deeskalierende Gespräche geholfen, 35 Mal wurden allerdings Platzverweise ausgesprochen.

In zehn Fällen musste die Polizei hinzugerufen werden. Dass der Fall tatsächlich kein Einzelfall mehr ist, zeigt folgendes Ereignis: Erst vor zwei Wochen hatte eine verwirrte Frau eine Politesse aus dem Nichts im Schatten des Marschiertores angegriffen und übergoss diese mit einer Flüssigkeit. Als die alarmierten Kollegen herbeieilten, bedrohte die Frau die Politesse mit erhobenen Fäusten. Auch die Kollegen beschimpfte sie und drohte ihnen mehrfach Schläge an.

Der Sicherheitsdienst im Sozialamt ist daher ein wichtiger Faktor beim im März eingeführten Sicherheitskonzept zur Gewaltprävention der Stadt Aachen, der vor allem bei Angriffen im Gebäude zum Einsatz kommt. Inzwischen wurde noch eine weitere Person im Sicherheitsdienst eingestellt. „Wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen“, so Herrmann. Diese Angriffe seien sehr bedauerlich und in keiner Weise zu akzeptieren. Daher verfolgt die Stadt eine klare Haltung: Null Toleranz. „Der 35-Jährige hat ein Hausverbot für alle Verwaltungsgebäude erhalten. Außerdem haben wir den Fall zur Anzeige gebracht“, sagt Herrmann. Die Höhe des Schadens könne er derzeit noch nicht beziffern. Doch die Büroeinrichtung dürfte bei der Wucht des Angriffs nicht mehr vollständig einsetzbar sein.

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