Mann muss sich wegen Angriff auf Polizist vor Gericht verantworten

Gerichtsprozess : Verwirrter Mann versucht Polizisten zu erwürgen

Ein drogenabhängiger 32-Jähriger hielt seine Paten aus Kornelimünster für seine leiblichen Eltern und griff Einsatzkräfte an. Dafür steht er nun vor Gericht.

Daniel J. (32) sieht auf den ersten Blick aus wie ein anständiger junger Mann: gesund, gepflegt und ohne besondere Auffälligkeiten. Und doch: Der Landmaschinenmechaniker muss sich nun vor dem Aachener Schwurgericht verantworten, weil er – allerdings im Zustand der Schuldunfähigkeit wegen seiner psychischen Verfassung – einen Polizeibeamten während eines Einsatzes laut Staatsanwaltschaft so brutal gewürgt hatte, dass dieser in Lebensgefahr geriet.

Erst die geistesgegenwärtige Hilfe eines zweiten Beamten und eines Rettungssanitäters beendete die gefährliche Situation. Der Sanitäter reagierte bei diesem ungewöhnlichen Einsatz in einem Kornelimünsteraner Privathaus rasch und zog dem Angreifer die Beine von hinten unter dem Körper weg, so dass dieser von dem Polizisten ablassen musste. Erst dann konnte Daniel J. von insgesamt fünf Männern niedergerungen und schließlich festgenommen werden.

Der Anlass des Einsatzes ist ebenso traurig wie skurril. Der Beschuldigte – die Tat vom 1. September 2018 gilt als versuchte Tötung eines Menschen – handelte mutmaßlich unter dem Einfluss einer Drogenpsychose. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Roland Klösgen muss nun entscheiden, ob Daniel J. eingewiesen oder wegen der Tat zu einer Haftstrafe verurteilt wird.

Hintergrund des Geschehens war die ab August 2018 wohl immer stärker werdende mutmaßlich von Drogenmissbrauch befeuerte Vision des jungen Mannes, seine in Kornelimünster in einem Privathaus lebende Patentante und seinen Patenonkel für seine leiblichen Eltern zu halten. Er tauchte dort nach Angaben der Anklage ab August 2018 immer öfter auf und bekniete die Eheleute, die zwei Töchter haben, endlich zuzugeben, dass er ihr Sohn sei.

Drogenkonsum durch Kollegen

Das Ehepaar war in der Vergangenheit eng mit den Eltern des heute 32-jährigen Beklagten befreundet, man hatte sich jedoch schon seit Jahren nicht mehr gesehen. Die immer wieder genötigten Paten versuchten ihm immer wieder zu erklären, dass sie nicht mit ihm verwandt seien.

Daniel J. hatte mehrere Jahre in  unmittelbarer Nähe in Kornelimünster bei einem Reparaturbetrieb für Landmaschinen als Mechaniker gearbeitet, im Januar 2018 jedoch seinen Job geschmissen. Denn da, so beschrieb er die Situation am Mittwoch, hatte er nach einer zehnjährigen Pause durch einen neuen Arbeitskollegen im Betrieb wieder Kontakt zu Drogen, Amphetamin und Marihuana, bekommen. Er verfiel den Drogen erneut umgehend.

Seine Patentante beschrieb vor Gericht die hilflose Situation kurz vor den turbulenten Geschehnissen am 1. September. Sogar eine Art Teufelsaustreibung habe J. dort versucht, er habe ein Tuch angezündet und mit den Worten verglühen lassen, das Gute müsse jetzt über das Böse siegen.

Als der Polizist ihn am 1. September aus dem Haus seiner Paten führen wollte, schnappte Daniel J. über. Innerhalb von Sekunden drückte er dem Opfer den Hals mit Bärenkräften zu, so das die anderen Einsatzkräfte einschreiten mussten.

An das unmittelbare Geschehen, so der Beschuldigte vor der Kammer, könne er sich nicht mehr erinnern. Der Prozess wird am 26. Februar fortgesetzt.

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