Aachen: Mahnwache: Keine Wildtiere in Zirkussen

Aachen: Mahnwache: Keine Wildtiere in Zirkussen

Zu den prägendsten Erlebnissen vieler Kinder gehört zweifelsohne der erste Zirkusbesuch. Artisten, Clowns und als Höhepunkt die obligatorische Raubtiernummer. Der Gedanke, dass sich Tiger, Löwe und Co. in ihren Käfigen eventuell nicht so wohl fühlen könnten, reifte bei vielen erst später.

Heutzutage sind Nummern mit Wildtieren gar nicht mehr obligatorisch. Viele Zirkusse haben keine Exoten mehr im Programm oder verzichten wie der Circus Flic Flac gänzlich auf tierische Attraktionen. Eine Entwicklung die Romy Liessem vom Bundesverband Menschen für Tierrechte begrüßt: „Es ist inzwischen erwiesen, dass Wildtiere in einem Zirkus auf keinen Fall artgerecht gehalten werden können. Sie leiden unter Platzmangel und den ständigen Transporten.” Darüber hinaus sei es ein pädagogisches Desaster, dass Kindern das Gefügigmachen von Mitlebewesen als Leistung präsentiert würde.

Aus diesem Grund hatte Liessem zur Premiere Gleichgesinnte zusammengetrommelt, die am Bendplatz eine Mahnwache für den Tierschutz abhielten. Dort gastiert derzeit der Russische Staatszirkus, der neben dem berühmten Clown Oleg Popov eben auch eine Nummer mit dressierten Löwen darbietet.

„Wir wollen einerseits die Zuschauer wachrütteln und andererseits den Stadtrat ermuntern, das Gastieren von Zirkussen mit Wildtieren zu verbieten”, so Liessem. Ein solches Verbot existiert seit April 2008 etwa in Köln. Löwen sind dort allerdings ausgeklammert, so dass der Staatszirkus noch im Oktober des vergangenen Jahres in Köln gastieren konnte.

Auch Frank Hansen, Tierschutz-Beauftragter der Aachener FDP, nutzte die Möglichkeit, um auf das Leiden der Wildtiere aufmerksam zu machen, vermied aber einen Generalangriff auf den Staatszirkus: „Wir Liberalen sehen Zirkus als Kulturgut und wollen keine Front aufbauen.” Es ginge vielmehr darum auch den Verantwortlichen klarzumachen, dass der Zirkus der Zukunft ohne Wildtiere auskommen wird. Ein Verbot lehnt Hansen nicht grundsätzlich ab, gibt aber zu bedenken, dass die Gefahr bestehe, die Problematik nur zu verschieben.

Horst Schnitzler, Ratsherr für die Unabhängige Wählergemeinschaft, zeigte sich hinsichtlich der Einsicht der Zirkusunternehmer weniger optimistisch und kündigte für eine der kommenden Ratssitzungen einen Verbotsantrag an. „Ohne Druck von außen und politische Entscheidungen wird es nicht gehen.”