Aachen: Mädchengruppen: Basteln, Häkeln, Kochen ist längst nicht alles

Aachen : Mädchengruppen: Basteln, Häkeln, Kochen ist längst nicht alles

Hanno Schaffrath und Stefan Roos betreuen sechs Mädchengruppen an unterschiedlichen Grundschulen. Und das ist alles andere als selbstverständlich. Reine Mädchengruppen werden normalerweise von Frauen betreut. Doch dass es neben Häkeln, Basteln und Kochen auch noch andere Aktivitäten gibt, sehen die Mädchen bei den Jungengruppen und fordern dann ihr Recht ein.

„Sie wollen bei den Jungen mitmachen, und manchmal fordern sie auch ganz konkret einen männlichen Betreuer“, erzählt Hanno Schaffrath. Und diese Art der geschlechterübergreifenden Jugendarbeit nennt sich dann „Cross Work“.

Andere Gruppendynamik

Dass die Kinder in der Jugendarbeit innerhalb der Offenen Ganztagsschule (OGS) nach Geschlechtern getrennt werden, ist seiner Meinung nach sinnvoll. Denn Jungen und Mädchen müssen sich dann vor dem anderen Geschlecht nicht profilieren. Und daraus ergebe sich eine ganz andere Gruppendynamik. Mädchen müssen sich gegenüber den Jungen nicht durchsetzen und um die Aufmerksamkeit der männlichen Fachkräfte buhlen. Und das sei ein wichtiger Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit, meint Hanno Schaffrath.

Selver (9) und Cemile (9) jedenfalls sind begeistert. Sie besuchten vor den Sommerferien die Grundschule in der Passstraße und verbringen gemeinsam mit zwölf weiteren Schülerinnen Zeit in der altersgemischten Mädchengruppe. „Das ist cool“, meint Selver. „Das macht mit Hanno und Stefan richtig Spaß.“

Und auch Cemile findet die Gruppe toll und zählt gleich auch einige Aktivitäten auf, die bereits angeboten wurden: Grillen, Schnitzeljagd, Klopapierspiel und einen Film ansehen beispielsweise. Dass die jungen Betreuer von den Mädchen stürmisch begrüßt werden, ist für die nichts Besonderes. Hanno Schaffrath und Stefan Roos arbeiten im Team, um Vorurteilen erst gar keine Chance zu geben. Denn dass Männer in der Jugendarbeit mit einer reinen Mädchengruppe arbeiten, ist noch lange nicht selbstverständlich. Aber nach Meinung von Hanno Schaffrath und Stefan Roos sehr wichtig.

Mit den männlichen Betreuern bekommen die Mädchen Angebote, die ansonsten nicht so leicht zu finden sind. Und sie können sich dabei ausprobieren, ohne dass ihr Verhalten gleich bewertet wird. Hanno Schaffrath und Stefan Roos liefern ein erlebnispädagogisches Programm.

Und wenn die Mädchen nach einigen Monaten zu einer funktionierenden Gruppe zusammengewachsen sind, dann sind sie auch in der Lage, schwierige Koordinationsaufgaben gemeinsam zu meistern, meint Hanno. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Selver und ihre Mitschülerinnen denken heute darüber nach, wie man ein Ei aus dem zweiten Stock werfen kann, ohne dass es zerbricht. Luftballons, Papier, Watte, Klebeband, Kordel und Scheren liegen bereit, um eine Konstruktion zu bauen, die das Ei beim Fall schützt.

Akt der Gleichberechtigung

Hanno Schaffrath und Stefan Roos unterstützen sie dabei. Für sie ist die Arbeit mit den Mädchen ein Akt der Gleichberechtigung. Männliche Fachkräfte liefern demnach einen wichtigen Baustein zur Entwicklung der geschlechtlichen Identität und des Selbstbewusstseins von Mädchen.

Laut Hanno Schaffrath unterstützt die „Aktion Mensch“ das Angebot, das von dem Verein ax-o ins Leben gerufen wurde. Ax-o unterstützte in seinen Anfängen vor allem den Boy's Day in Aachen. „Denn den gab es zu meiner Zeit ja noch gar nicht“, erinnert sich Stefan Roos. Jetzt machen sich die Mitarbeiter des Vereins auch für „Cross Work“ stark. Und in seiner Breite sei das Aachener Angebot in Deutschland einzigartig, sagen die Betreuer.

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