Macht die Grundschule Michaelsbergstraße Platz für das Schwertbad?

Weicht die GS Michaelsbergstraße dem Schwertbad? : Burtscheid: Rehaklinik statt Grundschule?

Die Grundschule Michaelsbergstraße platzt aus allen Nähten, eine Erweiterung ist schon beschlossen. Doch nun gibt es die Idee, die Einrichtung mit ihren rund 200 Schülern innerhalb Burtscheids zu verlagern. Netter „Nebeneffekt“: Das würde den ersehnten Platz schaffen für einen Neubau des Schwertbads.

156 Jahre. So lange schon gibt es die Grundschule Michaelsbergstraße in Burtscheid. Eine enorm traditionsreiche Institution also. Und eine, die sich weiterhin großer Beliebtheit erfreut. Die Anmeldezahl ist aktuell auf 60 für das kommende Schuljahr geklettert. Auf der anderen Seite aber steht ein eklatantes Platzproblem – insbesondere durch den nicht minder beliebten OGS-Bereich und einen dringend benötigten Mensa-Bereich.

Eine – vor allem bei den Eltern seinerzeit höchst umstrittene, weil als Fehlplanung eingeschätzte – rund zwei Millionen Euro teure Erweiterung ist bereits beschlossen. Nun aber könnte es doch noch ganz anders kommen: Die Anzeichen mehren sich, dass die Grundschule mit ihren rund 200 Kindern von der namensgebenden Michaelsbergstraße wegzieht. Mögliches neues Zuhause: die bisherige Hauptschule Burtscheid an der Malmedyer Straße.

Über diese Idee, mit der insbesondere die schwarz-rote Ratsmehrheit liebäugelt, ist jetzt im Schulausschuss diskutiert worden. Bemerkenswerterweise geschah dies hinter verschlossenen Türen, obwohl es dafür rein rechtlich keinerlei triftigen Grund gibt. Offenbar hat die Politik noch das aus ihrer Sicht „abschreckende“ Beispiel der Montessori-Grundschule Eilendorf vor Augen, die man einst zur Rettung des dortigen Schulstandorts nach Rothe Erde verlagern wollte. Der Plan aber fuhr voll vor die Wand, weil das Thema „zu früh“ öffentlich wurde, sich massiver Widerstand formierte und die Idee schließlich nicht mehr zu halten war.

Schule und Eltern nicht informiert

Auch in Burtscheid sind die Schule und die Eltern bislang noch nicht informiert worden. Offiziell zumindest. Natürlich hat sich der Plan trotzdem längst an der Michaelsbergstraße herumgesprochen. Und anders als in Eilendorf scheint in Burtscheid die Grundstimmung dem Vernehmen nach durchaus positiv gegenüber einem solchen Umzug zu sein. Schon wegen der viel größeren Raumpotenziale an der Malmedyer Straße.

Doch es kommt noch eine ganz andere Komponente dazu: Der Umzug der Grundschule könnte den ersehnten Durchbruch bei der Standortsuche für einen Neubau des Schwertbads und damit eine langfristige Rettung des Kurwesens in Burtscheid bedeuten. Zumindest hätte die Stadt dann eine Option, die sie Wolfgang K. Höver, dem Chef der Schwertbad-Mutter Inoges AG, anbieten könnte.

Höver hatte zuletzt immer wieder betont, dass er Planungssicherheit in Burtscheid benötige. Anderenfalls war auch der komplette Weggang der Rehaklinik zum anderen Inoges-Standort in Bardenberg als Möglichkeit genannt worden. Das will die Politik auf keinen Fall, denn das wäre ein „Desaster“ für Burtscheid, wie es ein Ratsherr der Mehrheit dieser Tage einmal mehr ausdrückte.

Allerdings, so will man es in der Politik verstanden wissen, sei die Schwertbad-Lösung nur eine der Optionen für eine neue Nutzung auf dem heutigen Schulgelände. Was man aber auch als taktische Aussage mit Blick auf die möglichen Verhandlungen zum Grundstücksverkauf deuten kann. Höver indes ließ bereits im vergangenen Jahr keinen Zweifel daran, dass er nicht ewig mit einer Entscheidung zu warten gedenke.

Im Schulausschuss wurden nun zumindest schon einmal einige Weichen gestellt. So soll nun zunächst einmal die Schule samt aller ihrer Gremien an den weiteren Überlegungen beteiligt werden. Man lege großen Wert auf ein einvernehmliches Vorgehen, hieß es aus Reihen der Ratsmehrheit, während aus Reihen der Opposition auch Kritik laut wird, Nämlich dahingehend, dass die Geschichte bislang lediglich innerhalb der großen Koalition hinter verschlossenen Türen „gemauschelt“ worden sei. Wie dem auch sei: Die Verwaltung soll sich nun umgehend auch über Dinge wie ein Raumprogramm oder Umzugspläne Gedanken machen.

Wegen G9 fehlen Klassenräume

Zudem will sich die Politik wohl nicht dem Vorwurf aussetzen, nicht alles abgewogen zu haben. Denn geprüft werden soll auch, ob das Gebäude an der Malmedyer Straße nicht doch unbedingt für andere Zwecke benötigt wird. Es ist kein Geheimnis, dass Schulen wie das Einhard-Gymnasium ebenfalls durchaus gerne einen Teil davon hätten. Nämlich für Oberstufenkurse. Durch die Rückkehr zum G9-Abitur fehlen vielen Gymnasien auf Sicht Klassenräume. Auch die Volkshochschule braucht in Burtscheid Räume. In der Politik heißt es allerdings – hinter vorgehaltener Hand –, dass diese Fragen auch anders gelöst werden könnten.

Bleibt die Frage nach dem Zeitfenster – auch jenem des Schwertbads. Genügend Raumkapazitäten stünden an der Malmedyer Straße für die Grundschule wohl zum Schuljahresbeginn 2021 zur Verfügung. Dann wird es an der Hauptschule Burtscheid, die einem politischen Beschluss folgend „auslaufend“ geschlossen wird, kaum noch Schüler geben. Doch dieser Zeitpunkt könnte für das Schwertbad schon zu spät kommen. Zum Schuljahreswechsel 2020 wären noch über 100 Hauptschüler in dem Gebäude. Dann würde es für die Grundschule im ersten Jahr enger.

Alles Gedanken, die nun in konkrete Analysen der Fachverwaltung münden sollen. Die Ergebnisse sollen schon im ersten Quartal 2019, also in wenigen Monaten, vorliegen. Ihren 160. Geburtstag wird die Grundschule Michaelsbergstraße – oder wie auch immer sie dann heißen wird – mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit in einer neuen Heimat feiern.

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