Aachen: Macheten-Täter zum Prozessbeginn verschwunden

Aachen: Macheten-Täter zum Prozessbeginn verschwunden

Levent A. (24) beteuerte bis zuletzt, er habe sich nur gegen die aggressiven Angreifer eines albanischen Brüder-Clans verteidigen müssen.

Der aus dem Aachener Ostviertel stammende A. stand im März 2010 wegen versuchten Totschlags vor dem Schwurgericht, er wurde schließlich wegen gefährliche Körperverletzung zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.

Vor dem hiesigen Cineplex-Kino hatte er knapp ein Jahr zuvor, nämlich im März 2009, einen 18-Jährigen mit einer Art Machete so sehr verletzt, dass das Gericht im Urteil von einer „Teilskalpierung” sprach. Der Junge musste mit dem Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden.

Jetzt sollte das Verfahren laut einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes neu aufgerollt werden. Zum ersten Termin - jetzt vor der 2. Aachener Schwurgerichtskammer - erschien Levent A., der mit einer vorläufigen Haftverschonung davongekommen war, jedoch nicht. Jetzt wird nach Auskunft der Aachener Staatsanwaltschaft nach dem jungen Mann gefahndet, da er auch am heutigen zweiten Verhandlungstag nach Ansicht des Landgerichts nicht erscheinen wird.

Der Angeklagte war bis heute immer noch auf freiem Fuß, weil er damals gerade an der Abendschule sein Abitur nachmachte und eigentlich zur der berechtigten Hoffnung Anlass gab, dass ihm nach einer Strafverbüßung keine kriminelle Karriere bevorstehen werde.

Auch die Umstände der Tat waren mehr als unglücklich, da auch die andere Seite als erheblich gewaltbereit bekannt war. Vor dem spontanen und beileibe nicht geplanten Zusammentreffen abends vor dem Kino im Kapuzzinerkarree hatte es Jahre zuvor, wie der Angeklagte dem Schwurgericht berichtete, einen gewalttätigen Angriff der albanischen Brüder auf Levent A. und seinen damaligen Freund gegeben. Als man sich dann im Eingangbereich des Kinos unerwartet gegenüberstand, hatte Levent A. dem ehemaligen Hauptangreifer eine „Faust ins Gesicht gegeben”. Die drei Brüder ließen das nicht auf sich sitzen und trieben den jetzigen Angreifer und Opfer von damals vor sich her in Richtung Theaterplatz.

Wie nun die Machete ins Spiel kam, ist bis heute nicht geklärt. Denn beide Seiten behaupteten, jeweils der andere habe die Waffe mit zum Kino gebracht. Fest stand nur, dass sich der türkischstämmige A. am Ende im Besitz der tückischen Waffe war und wild um sich schlagend dem jüngsten der drei Brüder jene schwere Verletzung beibrachte. Er habe sich in einer Notwehrsituation befunden, hatte er vor Gericht beteuert.

Das Schwurgericht folgte dem nicht ganz, rückte jedoch von einem versuchten Totschlag ab. Der Bundesgerichtshof folgte dem nicht und will nun die Tatumstände von einer weiteren Kammer nochmals durchleuchten lassen. Das wird allerdings erst dann gehen, wenn der Angeklagte gefasst ist, die Polizei fahndet, ein internationaler Haftbefehl ist raus. Der Anwalt des Flüchtigen, Verteidiger Dirk Bach aus Eschweiler, gab am Dienstag auf Anfrage unserer Zeitung keine Stellungnahme ab.

Mehr von Aachener Nachrichten